Schinznach
Neuer Politiker im Grossen Rat: Nach Blocher-Wahl wurde er ein Grüner

Der Agronom und Politiker Robert Obrist aus Schinznach folgt auf Christoph Brun im Grossen Rat. Er schätzt sich selber als «liberalen Menschen» ein und will sich bei seinem neuen Amt für nachhaltige Entwicklung stark machen.

Elisabeth Feller
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«Allzu häufig dominieren rein wirtschaftliche Argumente im Grossen Rat», sagt der grüne Politiker Robert Obrist aus Schinznach. EF.

«Allzu häufig dominieren rein wirtschaftliche Argumente im Grossen Rat», sagt der grüne Politiker Robert Obrist aus Schinznach. EF.

Robert Obrist sitzt im Aarauer Grossratssaal vorne rechts oder, aus Sicht des Parlaments, vorne links bei den Grünen. Am Dienstag dieser Woche hat er dort erstmals Platz genommen. Der Schinznacher mit Jahrgang 1958 ist Nachfolger von Christoph Brun, der Ende letzten Jahres auch aus dem Stadtrat Brugg zurückgetreten ist.

Der 7. Januar 2014 wird sich dem Neuling im Grossen Rat einprägen, wartete dieser doch mit einem Paukenschlag auf. Das Parlament befand: weniger Geld für weniger erneuerbare Energie. Energie ist ein Stichwort unter vielen Stichworten, die durch das Gespräch mit dem grünen Politiker mäandern.

Sein Gegenüber merkt rasch: Ein missionarisch Glühender, grüne Anliegen ohne Kontakte zu anderen Parteien verfolgender Politiker ist er nicht, will er nicht sein.

Er gehe nicht in den Grossen Rat «mit der Vorstellung, dass ich alle anderen links und rechts daneben finde», betont er, der sich «als liberalen Menschen» einschätzt und nachdoppelt: «Bei den Grünen würde ich mich dem grün-liberalen Flügel zuordnen.»

Dieselben Fragen wie vor 30 Jahren

Sitzt Obrist jetzt als Nachfolger Christoph Bruns im Grossen Rat, will er sich dort schwerpunktmässig für «Nachhaltige Entwicklung» starkmachen, «weil allzu häufig rein wirtschaftliche Argumente dominieren».

Obrist, der als Agronom am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) in Frick arbeitet, will die Aufmerksamkeit auf anderes lenken. Nachhaltigkeit und zwischenmenschliche Themen prägen auch seine Tätigkeit als Departementsleiter am Institut.

Zu seinen beruflichen Gebieten gehören die Leitung des Beratungsteams sowie Lehraufträge an Fachhochschulen in Wädenswil und Zollikofen. Der Politiker stellt ernüchtert fest: «Die jungen Studierenden haben dieselben Fragen wie ich vor 30 Jahren.»

Sorge um die und Achtsamkeit gegenüber der Umwelt sind drängende Themen, die den Politiker aus dem Schenkenbergertal seit Jahren intensiv beschäftigen, ja umtreiben.

Wen verwundert es, dass er die Grünen in der Regionalkonferenz Jura-Ost vertritt und die Fachgruppe sozioökonomisch-ökologische Wirkungsstudien leitet.

Die Diskussionen rund um ein Tiefenlager für atomare Abfälle interessieren Obrist auch als Prozess, an dem viele – etwa Naturwissenschafter oder Geologen – teilhaben und dabei unterschiedliche Positionen vertreten.

Für Obrist ist klar: «Der Aargau soll aus der Atomenergie aussteigen.» Nach einer kleinen Pause fügt er nachdenklich hinzu: «Was haben wir schon im Griff? Wir können so vieles gar nicht abschätzen. Wir hinterlassen nachfolgenden Generationen unheimliche Altlasten.»

«Entweder Gemeinderat oder ich»

Obrist redet der Selbstbescheidung das Wort – «Immer wollen wir mehr, dabei geht es uns gut» – und spricht sich für Selbstverantwortung aus: «Ethische Fragen sind nicht zu delegieren.»

Keineswegs verbissen streut der Grüne aus dem Schenkenbergertal seine mit leiser Ironie gewürzten Überlegungen ins Gespräch. Obrist ist kein ideologischer Überflieger, sondern ein Pragmatiker, der weiss: Die Welt ist nicht von Grund auf, jedoch in kleinen Schritten veränderbar.

Der Schinznacher ist jedenfalls keiner, der schon als Bub wusste: «Ich will Politiker werden.» Er habe lange gezögert, in eine Partei einzutreten, sagt er, aber dann kam der 10. Dezember 2003. An diesem Tag wurde SVP-Politiker Christoph Blocher zum Bundesrat gewählt. «Da habe ich mir gesagt: So, jetzt muss ich handeln».

Zwar sei er in Schinznach (Dorf), wo er aufgewachsen ist und heute mit seiner Familie lebt, mehr als einmal gefragt worden: Herr Obrist, wollen Sie nicht ein politisches Amt übernehmen? «Aber», sagt er lachend, «meine Frau hat mir stets gesagt: ‹Entweder Gemeinderat oder ich›.»

Zwischenfrage: Wie oft hat er Gemeindeversammlungen besucht? «Zu mindestens 80 Prozent.»

Robert Obrist ist also nicht Gemeinderat, dafür aber Grossrat geworden. Als «vielseitig interessierter Mensch» hat er keine Präferenzen – er freut sich schlicht und einfach auf spannende Aufgaben.

Zum Beispiel in der Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen (Kapf). Auch dort kann er sich mit einem Thema auseinandersetzen, das ihm nahesteht: Wie viel Staat braucht es?