Kabis, Kopfsalat, Tomaten, Zwiebeln, Ananas, Melonen, Trauben, Granatäpfel, Grapefruits, Mandarinen, Birnen, jede Menge Orangen und Äpfel: Wer am neuen Brugger Lebensmittelladen Aksu vorbeiläuft, wähnt sich an einem bunten Früchte- und Gemüsemarkt, wie viele es sonst von anderen Ländern her kennen. Auf mehreren grünen Plastikkisten und Holzpaletten stehen die Produkte vor dem Geschäft zugegeben etwas lieblos aufgestapelt.

Fürs Brugger Stadtbild kommt es noch etwas ungewohnt daher, das neue Geschäft dürfte aber die Konkurrenz unter den Lebensmittelläden in der Stadt aufmischen: Migros, Coop und Denner stehen am Bahnhof nicht weit entfernt, das Otto’s liegt um die Ecke, der Biomarkt Buono ist in Sichtweite. An der Aarauerstrasse und im Stadtteil Umiken gibt es mit dem Usak respektive dem «Sabor Ibérico» zudem zwei weitere Minimärkte, in denen ähnliche Produkte wie im Aksu angeboten werden, darunter unzählige Esswaren aus dem Nahen und Fernen Osten, dem Balkan, Portugal und Spanien.

«Brugg hat viel Potenzial»

Geschäftsleiter Mazlum Alakça sieht denn auch viel Potenzial für solche Läden in Brugg. Der erste Monat sei sehr gut gelaufen und habe seine Erwartungen übertroffen, sagt er. In Regensdorf führt er mit der Imaj AG einen Lebensmittel-Grosshandel. Mit dem Aksu hat er nun in Brugg sein erstes Detailhandelsgeschäft eröffnet. Dafür spannte er mit einer weiteren Familie zusammen: Nebst Döndü und Jiyan Alakça arbeiten im Laden auch die Geschäftspartner Yves und Songül Sari, die eigens dafür von Bern nach Brugg gezügelt sind.

Familie Alakça wohnt noch in Spreitenbach, werde aber in den kommenden Wochen die Wohnung über dem Laden beziehen, sagt Mazlum Alakça. Beide Familien stammen aus dem türkischen Landkreis Aksu, daher der Name ihres Lebensmittelgeschäfts. Aksu bedeutet offenbar «weisses Wasser» und gibt den Namen für den Fluss, der die Region durchquert. Sie bekennen sich als Aleviten, einer in der Türkei heute noch zum Teil unterdrückten religiösen Minderheit. Anfang der 90er-Jahre kam Mazlum Alakça nach Europa und wohnte lange in Deutschland, dessen Staatsbürgerschaft er heute besitzt. Später zog er in die Schweiz, vor neun Jahren kam er nach Spreitenbach.

Mit dem «Mili Market» an der Zurzacherstrasse, der Anfang Jahr geschlossen wurde, hätten beide Familien nichts zu tun. Im Lokal an der Hauptstrasse begegnete man im vergangenen Juli noch dem 31-jährigen Mustafa Donat, der dort mit zwei Partnern einen Lebensmittelladen auftun wollte. Bis anhin stand an der Stelle das traditionelle Fachgeschäft für Unterhaltungselektronik «Müller und Spring», das in die Adresse nebenan gewandert ist. Mustafa Donat gab das Vorhaben aber auf und im November übernahm Mazlum Alakça die Ladenfläche.

Nach einer Sanierung samt Starkstrom-Einbau für die vielen Kühlanlagen und den entsprechenden Bewilligungen konnte er den Laden vor einem Monat auftun. Hängig sei noch die Baubewilligung für die Schaufenster, wie er sagt. Sobald er sie habe, werde der Aussenbereich des Geschäfts schöner gestaltet und eingerichtet.

Backstube im Lokal geplant

In naher Zukunft will er im Ladenlokal eine Backstube einrichten, um frische Brote anbieten zu können. Eine kleine Metzgerei gibt es dort bereits, in der offenbar Fleisch aus Winterthur angeboten wird, das nach europäischen Halal-Regeln hergestellt wird. Umfangreich ist aber vor allem das Früchte- und Gemüseangebot: Im Laden drin findet man etwa Quitten, Mispel, Kochbananen, Pflaumen oder Pfirsich, dazu Aloe-Vera-Blätter, Maniokwurzeln, Ingwer, Okra, Rettich, Kürbis, Süsskartoffeln, Fenchel, Pak-Choi und Paprikaschoten in den unterschiedlichsten Farben. Unzählige Reis-, Bohnen- oder Linsensorten, türkischer oder portugiesischer Käse, Kekse, Knabberzeug oder Maniokmehl runden das Angebot von hierzulande unüblichen Produkten ab.