Brugg

Neuer Kommandant: «Ich habe mich nur mit Katastrophen auseinandergesetzt»

Kommandant Robert M. Stöckli führt rund 500 Personen.

Kommandant Robert M. Stöckli führt rund 500 Personen.

Robert M. Stöckli führt die neue Zivilschutzorganisation Brugg Region seit Anfang Jahr. Im Notfall stehen ihm 500 Mann aus 20 Gemeinden mit einer Bevölkerung von 44000 Menschen zur Verfügung. Selbst nannte er sich schon einen unbequemen Zeitgenossen.

Als Kommandant der ZSO Brugg Region, leitet Robert M. Stöckli eine Organisation, die gemeinsam mit Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen und technischen Betrieben den Bevölkerungsschutz in 20 Gemeinden des Bezirks sicherstellt.

«Der Zivilschutz wird zwar oft belächelt», stellt Robert M. Stöckli fest. «Aber dieses Image stimmt heute nicht mehr. Die Leute sind jung und motiviert, das Material ist modern und das Einsatzspektrum ist vielfältig.»

Robert M. Stöckli weiss, wovon er spricht. Seit Beginn dieses Jahres führt er als Kommandant die neue Zivilschutzorganisation Brugg Region, in der vier bisherige Organisationen – Brugg Nord, Windisch, Eigenamt und Schenkenbergertal – zusammengefasst worden sind.

Zuvor leitete er die ZSO Brugg Nord. Am 1. November 2010 hatte er bei der Stadt Brugg die Stelle als Leiter der Abteilung Einwohnerkontrolle, Zivilschutz und – damals noch – Militärsektion angetreten. Seither haben sich die Schwerpunkte seiner Tätigkeit laufend verschoben. Heute entfallen 90 Prozent seines Pensums auf das Kommando der ZSO Brugg Region.

Der Zivilschutz steht im beruflichen Leben von Robert M. Stöckli zweifellos im Mittelpunkt. Nach einer technischen und kaufmännischen Ausbildung sowie einer Kaderausbildung in der Armee habe er sich überlegt, ins Instruktionskorps der Armee einzutreten. «Ich hätte mich aber mit dem ständigen örtlichen Wechsel nicht anfreunden können», gesteht er.

«Ich bin zwar in Brugg geboren, aber in Lenzburg aufgewachsen und mit Lenzburg sehr stark verwurzelt. Ich habe mich daher 1990 auf eine Ausschreibung der damaligen Abteilung Zivile Verteidigung des Kantons hin, als hauptamtlicher Zivilschutz-Instruktor gemeldet – obwohl ich mir diese Tätigkeit damals nicht so recht habe vorstellen können.»

«Fordernd und konsequent»

Bis 1996 war Robert M. Stöckli als Zivilschutz-Instruktor tätig. 1996 wechselte er in die Sektion Katastrophenvorsorge, wo er als Adjutant für die Belange des Kantonalen Führungsstabs Aargau verantwortlich war und auch bei der Aus- und Weiterbildung der regionalen Führungsorgane mitwirkte.

«Ich habe mich nur mit Katastrophen auseinandergesetzt», meint er zu seinem Berufsleben. «Nach 19 Jahren beim Kanton habe ich mir überlegt, eine neue Herausforderung anzunehmen.»

Als «Rückschritt» in Sachen Zivilschutz will Robert M. Stöckli den Wechsel vom Instruktor zum Leiter einer ZSO aber nicht verstanden wissen. «Jetzt kann ich den Tatbeweis erbringen, dass das, was am Schreibtisch ausgeheckt wird, in der Praxis auch funktioniert», betont er.

Bei seiner neuen, oder wohl besser, erweiterten Aufgabe – der Führung einer rund 500 Mann starken Organisation, die in 20 Gemeinden mit einer Bevölkerung von insgesamt 44 000 Personen für Notfälle bereitsteht – setzt Robert M. Stöckli auf seine bisherigen Führungsgrundsätze.

«An meinem Führungsstil ändert sich nichts», betont er. «Ich bin fordernd und konsequent.» Aufgrund seines militärischen Backgrounds – Robert M. Stöckli hat rund 1000 Diensttage im Rang eines Stabsadjutanten und Fachoffiziers (Major) geleistet – werde der Massstab vielleicht etwas strenger, räumt er ein.

«Bei einer Organisation von rund 500 Personen ist es fast unmöglich, Rücksicht auf die persönlichen Interessen jedes Einzelnen zu nehmen. Da bin ich sehr konsequent. Ich lege aber auch grossen Wert auf korrekte Arbeit und auf ein tadelloses Erscheinungsbild. Und mir ist es wichtig, dass den Leuten etwas geboten wird. Leerlauf darfs und kanns nicht sein. Sonst müssen wir aufhören.»

«Kommt nicht immer gut an»

Was sich aber massiv ändere, sei die organisatorische Führung, erklärt er. «Durch die Grösse des Mannschaftsbestandes sind wir gezwungen, die Dienstleistungen über das ganze Jahr zu verteilen. Das verlangt planerisch und organisatorisch schon einiges.»

Angesprochen auf seinen Twitter-Auftritt, in dem er sich selber als «unbequemen Zeitgenossen» bezeichnet, «der auch unangenehme Themen anspricht», entgegnet er: «Ich spreche auch unangenehme Probleme an, wobei ich versuche, mein Gegenüber nicht zu verletzen. Wenn mich etwas stört, sage ich es. Das kommt nicht immer gut an.»

Er könne allein die ZSO Brugg Region nicht führen, gibt Robert M. Stöckli zu bedenken. «Sie muss vom Kader und von der Mannschaft mitgetragen werden. Ich verstehe mich als Bindeglied und als Dienstleister für die 20 Vertragsgemeinden, aber auch als Coach meiner rund 100 Miliz-Kaderangehörigen.»

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