Auenstein
Neuer Jura Cement-Steinbruch: «So verliert der Aargau sein Gesicht»

Die «IG Gisliflue» wehrt sich gegen Richtplanfestsetzung für neuen Jura Cement-Steinbruch. Die Oppositionsgruppe will verhindern, dass mit dem Abbau von rund 20 Millionen Kubikmeter Kalkstein und Mergel ein Drittel der Gisiflue zerstört wird.

Toni Widmer
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Hanspeter Brugger, Heinz Alber und Werner Fricker vor dem Teil der Gisliflue, der abgebaut werden soll. To Hanspeter Brugger, Heinz Alber und Werner Fricker vor dem Teil der Gisliflue, der abgebaut werden soll. To

Hanspeter Brugger, Heinz Alber und Werner Fricker vor dem Teil der Gisliflue, der abgebaut werden soll. To Hanspeter Brugger, Heinz Alber und Werner Fricker vor dem Teil der Gisliflue, der abgebaut werden soll. To

Die Jura Cement sucht seit Jahren ein neues Abbaugebiet, um ihre Zementfabrikation langfristig sicher zu können. Nähere Abklärungen für mögliche neue Steinbrüche in den Gebieten Hard in Thalheim, Grund in Schinznach-Dorf und Homberg in Effingen/Unterbözberg sind jedoch seit Jahren blockiert. Nun schlägt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) eine vierte Variante vor.

Mit einer so genannten Vororientierung im Kantonalen Richtplan soll der Jura Cement ermöglicht werden, auch das Gebiet Bäumer am Fuss der Gisliflue oberhalb von Auenstein in ihre Zukunftsplanung mit einzubeziehen.

Kanton macht gewaltig Tempo

Das BVU schlägt dabei ein rasantes Tempo ein: Am 18. Januar 2011 wurden die betroffenen Gemeinden dies- und jenseits der Gisliflue über das Vorhaben informiert. Wenige Tage später erfuhr die betroffene Bevölkerung über die Medien erstmals von den Plänen. Bis am 6. April hatten die involvierten Gemeinden Auenstein, Veltheim und Oberflachs ihre Stellungnahmen abzugeben.

Am 4. Mai beschloss der Regierungsrat, die Variante Bäumer als Vororientierung im Richtplan aufzunehmen, am 16. Mai wurde dieser Beschluss im Amtsblatt publiziert. Die Einsprachefrist läuft bis am 30. Juni.

«Da geht wegen Beschwerden an den drei bisher evaluierten Standorten jahrelang nichts und jetzt will das BVU in knapp einem halben Jahr eine vierte Möglichkeit im Richtplan festschreiben. Warum diese Eile?», fragen sich Heinz Alber, Hanspeter Brugger und Werner Fricker von der IG Gisliflue in Auenstein. Die viele Mitglieder starke Oppositionsgruppe will verhindern, dass mit dem Abbau von rund 20 Millionen Kubikmeter Kalkstein und Mergel dereinst rund ein Drittel der Gisliflue zerstört wird.

Einmal so und dann anders

Der Kanton, erklärt Hanspeter Brugger, würde mit diesem Vorschlag in zweifacher Hinsicht das Gesicht verlieren. Zum einen sei die Gisliflue ein bedeutender Hügelzug. Die markante Erhebung im Mittelland, welche die meisten Aargauerinnen und Aargauer schon auf einer Schulreise kennen gelernt hätten, gehöre einfach zum Aargau.

Zum andern habe das gleiche Baudepartement, das jetzt die Möglichkeit des Kalkstein- und Mergelabbaus festschreiben wolle, die Gisliflue bisher stets als schützenswert qualifiziert. Zuletzt im Rahmen der 2008 lancierten Vision Naturwald. Das Gebiet zwischen Erlinsbach und Thalheim im Bereich der ersten und zweiten Jurakette, inklusive Gisliflue, habe der Kanton damals als eine der schönsten Landschaften des Aargaus bezeichnet.

Schon zwei Jahre früher hätte das BVU die Gisliflue aus der Evaluation künftiger Abbaugebiete für die Jura Cement genommen. Begründet worden sei das mit der landschaftlichen Exponiertheit und der Bedeutung als Naherholungsgebiet. «Gilt das, was das BVU sagt, jeweils nur für wenige Jahre?», fragen sich Alber, Brugger und Fricker.

Trotz ihrem Widerstand gegen einen Abbau an der Gisliflue haben die Opponenten auch Verständnis dafür, dass Jura Cement für die Zukunft vorsorgen will. Sie machen dazu einen Vorschlag: «Warum versucht Jura Cement nicht zuerst, die bestehenden Abbaugebiete zu erweitern und besser auszuschöpfen?»