Brugg
Neuer bedeutender römischer Grabstein-Fund: Vierjähriger wurde bestattet

Quietus und Marcus Virius: Zwei weitere Bewohner von Vindonissa sind namentlich bekannt. Nun soll die Grabung Mitte April abgeschlossen werden. Der Römerfriedhof fällt einer Überbauung zum Opfer.

Edgar Zimmermann
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Vor wenigen Tagen wurde dieser dem vierjährigen Quietusgewidmete Grabstein freigelegt. Kantonsarchäologie

Vor wenigen Tagen wurde dieser dem vierjährigen Quietusgewidmete Grabstein freigelegt. Kantonsarchäologie

Die archäologischen Grabungen zwischen Baslerstrasse und Remigersteig in Brugg werden voraussichtlich Mitte April abgeschlossen. Als sensationell gilt die Entdeckung eines kreisrunden Grabmonuments mit Grabstein, darauf Inschrift und Bildnis der beiden dort Bestatteten (az vom 31.1.) – eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte im Aargau.

Dieser Tage ist nun ein weiterer römischer Grabstein zum Vorschein gekommen. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass hier der im Alter von vier Jahren verstorbene Quietus, Sohn des römischen Bürgers Marcus Virius, bestattet worden war. Abgebildet ist der Kopf des Buben, verziert ist das Bildnis mit zwei Rosetten und einer Blüte. Mit diesem Neufund kennt man inzwischen die Namen von sechs Bewohnern des antiken Vindonissa, die im Gräberfeld entlang der Strasse nach Augusta Raurica (Augst/Kaiseraugst) ihre letzte Ruhestätte fanden: die Soldaten Caeno, Allius und Luxsonius sowie die Zivilpersonen Maxsimila Cassia, Heuprosinis und Quietus. Von einem dritten Grabstein ist der verzierte Giebelaufsatz zum Vorschein gekommen.

Wie Jürgen Trumm, Leiter der Ausgrabungen Vindonissa, sagt, ist diese Grabung ausserordentlich ergiebig ausgefallen. Um die 120 Personen waren hier zur letzten Ruhe gebettet worden – in Urnengefässen oder als Körperbestattungen – zur Hauptsache in der Zeit zwischen 25 und 85 n. Chr., während der Legionslagerzeit also.

Etwa 250 Jahre später, als das Lager nochmals frequentiert wurde, erfolgten am Remigersteig erneut Bestattungen. Dabei handelte es sich vornehmlich um Bewohner der Zivilsiedlung von Vindonissa, und zwar um recht begüterte und privilegierte, wie die Gräber und Grabbeilagen bezeugen. Die Öllämpchen sollten ihnen den Weg in die Finsternis des Jenseits erhellen. Auch Schmuckstücke fehlten nicht wie etwa ein ägyptisches Amulett mit Perle, mehrere Bronze-Spiegel sowie Tonfigürchen als Glücksbringer oder als Kinderspielzeug. Mehrere Neugeborene waren hier bestattet worden, auch viele Frauen.

Die bislang untersuchte Friedhoflänge beträgt rund 110 Meter. Es ist aber durchaus möglich, dass sich der Friedhof noch weiter nach Westen und Osten erstreckte und sich auch auf die andere Seite der heutigen Baslerstrasse ausdehnte, so Trumm.

Dass die Grabung Remigersteig so ergiebig ausfiel, ist dem Umstand zu verdanken, dass in späterer Zeit Hangrutschungen und Erdabschwemmungen den Friedhof überdeckten und die Gräber vor späteren Beraubungen und Zerstörungen schützten. Ansonst wären die Grabsteine wohl für spätere Hausbauten verwendet worden. Nun fällt der Friedhof einer Überbauung zum Opfer. Vermutlich werden einige Steine des Grabmonuments im Steingarten des Vindonissa-Museums platziert. Auch der neu entdeckte Quietus-Grabstein soll da seinen Platz finden.

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