Brugg

Neue Überbauung im Stadtzentrum: Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Visualisierung zeigt das historische Gebäude der Alten Post mit der geplanten dahinterliegenden Überbauung.

Die Visualisierung zeigt das historische Gebäude der Alten Post mit der geplanten dahinterliegenden Überbauung.

Der Weg zur Überbauung mit zentraler Überbauung in Brugg war lang. Mittlerweile hat der Stadtrat die Gestaltungspläne beschlossen.

Der Brugger Stadtrat will das Stadtzentrum weiterentwickeln, das Gebiet zwischen Schulthess-Allee und Annerstrasse – ein wichtiges Bindeglied zwischen Altstadt und Bahnhof/Neumarkt – aufwerten. Die Gestaltungspläne «Alte Post» und «Annerstrasse» sind beschlossen.

Wie kommt die geplante neue Überbauung daher, wie ist das Projekt entstanden, welches sind die Herausforderungen? Die AZ hat im umfangreichen Planungsbericht nach Antworten auf elf konkrete Fragen gesucht.

Was genau ist geplant auf dem Areal «Alte Post»?

Entstehen soll eine neue Überbauung mit der zentralen Stadtverwaltung samt Stadtbüro, mit einer grosszügigen Stadtbibliothek sowie mit Verkaufsflächen, Büros und rund 100 Wohnungen.

Im Planungsbericht ist die Rede von einem ausgewogenen Nutzungsmix und einer angemessenen Verdichtung. Das kantonal denkmalgeschützte Gebäude der Alten Post wird als repräsentativer Kopfbau der neuen Überbauung integriert. Überlagert ist das Areal mit einer Gestaltungsplanpflicht.

Wie gross ist das Areal und wer besitzt die Grundstücke?

Das Planungsgebiet weist eine Gesamtfläche von knapp 5300 Quadratmetern auf. Von den insgesamt acht Parzellen sind vier im Eigentum der Einwohnergemeinde Brugg, die restlichen Parzellen sind in Privateigentum.

Wie kam es zum nun vorliegenden Projekt?

Die Zentralisierung der Verwaltung ist seit Jahren ein Thema in Brugg. Von August 2015 bis Juni 2016 führte der Projektentwickler BSS&M Real Estate AG in Zusammenarbeit mit der Stadt einen anonymen Studienauftrag unter sieben Architekturbüros durch.

Das Beurteilungsgremium empfahl das Projekt Connect der Hornberger Architekten AG und der Schrämmli Landschaftsarchitektur GmbH zur Weiterbearbeitung. Auf der Basis des Siegerprojekts wurde ein Richtprojekt erarbeitet und im Januar 2017 das Gestaltungsplanverfahren gestartet. Die Entwürfe des Gestaltungsplans Alte Post und der Teiländerung Gestaltungsplan Annerstrasse lagen im März und April 2018 öffentlich auf.

Es erfolgte die Bereinigung der Unterlagen. Im Oktober dieses Jahres wurden die Gestaltungspläne vom Stadtrat beschlossen. Die Unterlagen wurden nun dem kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt zur Genehmigung eingereicht. Voraussichtlich 2020 sollen der Einwohnerrat sowie die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Brugg über den Kredit für das Bauprojekt abstimmen.

Wie hoch darf gebaut werden auf dem Areal?

An seiner Sitzung diesen November hat der Einwohnerrat Brugg der Gesamtrevision der Nutzungsplanung zugestimmt. Gemäss Bauzonenplan wird das Planungsgebiet neu der viergeschossigen Zentrumszone Brugg (ZeB) zugeordnet. Diese dient «der baulichen Erneuerung und zeitgemässen Entwicklung des Zentrums von Brugg».

Zulässig sind Bauten mit vier Vollgeschossen. Die Gebäudehöhe beträgt maximal 17 Meter. Allerdings kann der Stadtrat im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens «bis zu zwei zusätzliche Vollgeschosse bewilligen, wenn dadurch eine städtebaulich besonders gute Lösung erreicht wird und die Nachbargrundstücke nicht unzumutbar beeinträchtigt werden».

Das Verwaltungsgebäude und die Wohngebäude sind in der Überbauung auf verschiedenen Höhen gestaffelt, heisst es im Planungsbericht. Und: «Die geplanten Gebäudevolumen stehen in guter Relation zu der bestehenden Umgebung.» Die gegenüberliegenden Altstadtgebäude seien sehr dicht gebaut und hätten grösstenteils vier Geschosse mit einem stattlichen Steildach.

«Die städtebaulich dominanten Gebäude bleiben weiterhin das Altstadthaus − ehemals Volksbank −, die Alte Post und das Salzhaus an der Schulthess-Allee.» Aufgrund des Ost-West-Verlaufs der Schulthess-Allee werde die Sonne je nach Jahreszeit am Morgen und am Abend längs in die Allee scheinen, steht im Planungsbericht unter dem Titel «Schattenwurf Schulthess-Allee».

Wie präsentiert sich der Verwaltungsneubau?

Das Neubaugebäude wird auf die Rückseite der Alten Post gesetzt. Auf der der Altstadt zugewandten Seite entsteht der Haupteingang mit einem Vorplatz. Der Bereich zwischen dem historischen Gebäude der Alten Post und dem Neubau wird als verglaste offene Fuge gestaltet.

Eine Kaskadentreppe führt in die Obergeschosse. Die einzelnen Abteilungen sind vorwiegend im Neubau angesiedelt. Im Erdgeschoss befindet sich das Stadtbüro, im obersten Geschoss ist gemäss Planungsbericht ein attraktiver Konferenz- und Besprechungsraum mit Blick auf die Altstadt angeordnet. Im Erdgeschoss des Altbaus eingerichtet sind Besprechungsräume. Das 2. und 3. Obergeschoss des Altbaus sind für vermietbare, unterteilbare Büroflächen respektive Reserveflächen vorgesehen.

Wie soll die neue Stadtbibliothek daherkommen?

Die rund 600 Quadratmeter grosse Stadtbibliothek ist im Sockelgeschoss des Wohngebäudes an der Schulthess-Allee geplant – mit Blick auf Schulthess-Allee und Hof. In der modernen, zentral gelegenen Bibliothek, wird im Planungsbericht ausgeführt, sind neben vielen Bücherregalen auch Räumlichkeiten fürs Lesen und Verweilen sowie für die Informationssuche, den Austausch mit der Bevölkerung und für kleine Veranstaltungen vorgesehen. «Mit einem solchen Bibliothekskonzept wird es gelingen, breite Bevölkerungskreise anzusprechen und eine hohe Benutzerfrequenz zu erreichen.»

Wer soll in die Wohnungen einziehen?

Kleinere bis mittlere Wohnungen sind laut Planungsbericht erfahrungsgemäss sehr gefragt, gerade in Zentrumszonen. «Sie sprechen jüngere und ältere Menschen an, dementsprechend ist von einer lebendigen Durchmischung auszugehen.»

Im Vergleich zu einer Eigentumswohnungsüberbauung trage auch das vorgesehene Mietwohnungskonzept zu einer positiven Dynamik im Zentrum bei. Und: Das ausgewogene Umgebungskonzept mit privat, siedlungsintern sowie öffentlich nutzbaren Bereichen werte die Gesamtqualität zusätzlich auf. Der Innenhof soll bestechen durch einen ruhigen und grünen Charakter. Ein Fussweg verbindet die Schulthess-Allee mit der Annerstrasse.

Wie wird in der neuen Überbauung geheizt?

Die Hauptenergiezulieferung wird voraussichtlich über Erdsonden erfolgen, ist im Planungsbericht festgehalten. Auf den Dächern der Neubauten sind Fotovoltaik oder Kollektoren vorgesehen als alternative Energiequellen.

Bei den ersten Abklärungen zur Energieversorgung wurde auch die Möglichkeit eines Fernwärmebezugs geprüft. Allerdings kann der vorhandene Holzwärmeverbund vom Bauernverband an der Museumsstrasse die benötigte Kapazität für die Bebauung nicht liefern.

Wo befinden sich die Parkplätze?

Die in das Gebäude integrierte Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt über die Annerstrasse gegenüber der Gewerbeschule. Im Planungsbericht ist die Rede von total rund 140 Parkplätzen in der Parkgarage Alte Post: für Bewohner, Besucher und Beschäftigte genauso wie für die Regionalpolizei und die Öffentlichkeit. Veloabstellplätze sind insgesamt 201 geplant – Kurzzeitparkplätze nahe den Eingängen sowie überdachte Langzeitparkplätze. Mit der Aufhebung der heutigen öffentlichen Parkplätze an der Schulthess-Allee werde dieser Bereich künftig zusätzlich an Aufenthaltsqualität gewinnen.

Warum gibt es Widerstand aus der Bevölkerung?

Im Mai 2018 wurde eine «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt» lanciert. Die elfköpfige Initiativgruppe ist der Meinung, dass die vorgesehenen Bauvorhaben überdimensioniert sind und die bestehenden kunst- und kulturhistorisch wertvollen Bauten Müller-Haus, Alte Schmitte sowie Kupper-Haus unberücksichtigt bleiben.

Ende Juni 2018 wurden der Stadt Brugg insgesamt 1541 Unterschriften überreicht. Die Petition gilt laut Planungsbericht aus formeller Sicht zwar nicht als offizielle Mitwirkungseingabe. Trotzdem habe eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Forderungen der Petitionäre im Rahmen der Behandlung der Mitwirkungseingaben stattgefunden.

Was geschieht mit Müller- Haus und Alte Schmitte?

«Gestützt auf eine fachliche Interessenabwägung wird von einem Erhalt der beiden Bauten abgesehen, da die Gebietsentwicklung sich nicht adäquat umsetzen lassen würde», steht dazu im Planungsbericht. Anders ausgedrückt: Es lasse sich ein städtebaulich besseres Ergebnis ohne den Erhalt von Müller-Haus und Alte Schmitte erzielen.

Zu Gunsten einer klareren städtebaulichen Gesamtlösung werde mit dem Projekt auf den Erhalt der Häuser verzichtet, dafür werde «das wichtigere historische Gebäude, die Alte Post, wesentlich aufgewertet».

An seiner Sitzung im November dieses Jahres, an der die Gesamtrevision der Nutzungsplanung genehmigt wurde, hat der Einwohnerrat beschlossen, das Müller-Haus und die Alte Schmitte nicht unter kommunalen Schutz zu stellen. Die beiden Rückweisungsanträge wurden mit 13 zu 30 Stimmen abgelehnt.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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