Mülligen
Neue Ställe: Die Samenspende-Stiere sollen sich frei bewegen können

Swissgenetics will die Tierhaltungsbedingungen und die betrieblichen Abläufe verbessern. Die Infrastuktur in Mülligen ist veraltet und nicht artgerecht.

Michael Hunziker
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Die heutige Tierhaltungsinfrastruktur in Mülligen ist in die Jahre gekommen und soll erneuert werden. Geplant sind Freilaufboxen.Chris Iseli/Archiv az

Die heutige Tierhaltungsinfrastruktur in Mülligen ist in die Jahre gekommen und soll erneuert werden. Geplant sind Freilaufboxen.Chris Iseli/Archiv az

Chris Iseli

Swissgenetics, das national und international tätige Unternehmen in der Stier-Samenproduktion, plant eine neue Besamungsstation am Standort Mülligen.

Die bestehende Tierhaltungsinfrastruktur stammt noch aus den Sechziger- und Siebzigerjahren und sei veraltet, erklärt Ulrich Witschi, Bereichsleiter Produktion. Anders gesagt: Das Anbindehaltungs-System entspreche nicht mehr dem heutigen Standard für Rinder und schränke die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten ein.

Ziel ist es, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Sie sollen verhaltens- und artgerecht sein. Wert gelegt werde, fährt Witschi fort, auf ein hohes Tierwohl. Vorgesehen ist die neue Haltungsinfrastruktur ausschliesslich mit Freilaufboxen – mit der Folge, dass die überbaute Fläche künftig deutlich grösser wird.

Photovoltaik kommt aufs Dach

Möglich ist mit dem Neu- und Ausbau überdies eine moderate Erweiterung der Tierhaltungskapazitäten, um die Samenproduktion flexibler gestalten zu können, sowie eine Optimierung der betrieblichen Abläufe. Effizient und kostengünstig lauten die Stichworte. Es sei ein Gleichgewicht zu finden zwischen Mechanisierung und Handarbeit, führt Witschi aus.

Weiter ist gemäss dem Bereichsleiter Produktion bereits ein Vorentscheid gefällt worden, die Dächer des Neubaus mit Photovoltaik-Elementen zu bestücken. Die Berechnungen gehen von einer Jahresproduktion von 550 000 kWh aus. Kurz: «Der Standort Mülligen ist das technische Herz unseres Unternehmens, da dort unser Hauptprodukt, die Samendose, hergestellt wird», fasst Witschi zusammen. «Mit diesem Projekt wird der Standort für die Zukunft gerüstet, insbesondere was die Qualität der Tierhaltung, aber auch der Tierhaltekapazitäten angeht.»

Zeitplan ist Herausforderung

In einer ersten Etappe wird der zusätzliche Stall gebaut. Vorgesehen ist, ab September dieses Jahres die Güllengrube, den Mistlagerplatz, den Warenumschlagplatz sowie die 102 Reihenboxen zu erstellen. In einer zweiten Phase – ab voraussichtlich November 2018 – können der bestehende Anbindestall und der Boxenstall ersetzt werden. Neu realisiert wird eine Stallung mit 48 Einzelboxen sowie eine Futterlagerhalle, die sich zwischen den beiden Stallungen befindet.

Nach dem Abschluss der Neubauten schliesslich wird ab 2020 in einer dritten Etappe die bestehende Infrastruktur punktuell an die neuen Begebenheiten angepasst. Unter anderem wird ein Klimastall für wärmeempfindliche Stiere eingerichtet und der Aufenthaltsraum für die Stierenpfleger wird verlegt.

Durch die Grösse der Gebäude werde es einerseits nicht ganz einfach sein, den Zeitplan einzuhalten, gibt Witschi zu bedenken. Andererseits müsse, als weitere Herausforderung, die Routineproduktion aufrechterhalten werden können. Diese unterliege besonderen sanitarischen Vorschriften, die für den Betrieb einer amtlich anerkannten Besamungsstation gelten. Unter anderem ist zu gewährleisten, dass der Personen-, Tier- und Warenverkehr überwacht und sicher abgewickelt werden kann.

Anders ausgedrückt: Während der gesamten Bauphase muss sichergestellt werden, dass der Bereich, in dem Stiere gehalten werden, gegen aussen abgegrenzt wird. Zum Einsatz kommen stabile Bauzäune und provisorische Tore. Für den Neu- und Ausbau rechnet Swissgenetics mit gegen 6 Mio. Franken. Das Baugesuch für die Erneuerung von Tierhaltung und Besamungsstation liegt bis 6. Februar auf der Gemeindekanzlei in Mülligen auf.