Brugg
Neue Spitalverordnung: Warum sie sich positiv auf Patienten und Kosten auswirkt

Das Medizinische Zentrum Brugg begrüsst den Trend «ambulant vor stationär» mit der neuen Spitalverordnung

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Pro Jahr werden im Medizinischen Zentrum Brugg (MZB) mehr als 4000 Eingriffe und Behandlungen durchgeführt.

Pro Jahr werden im Medizinischen Zentrum Brugg (MZB) mehr als 4000 Eingriffe und Behandlungen durchgeführt.

Michael Hunziker

Im Medizinischen Zentrum Brugg (MZB) ist der Unmut regelmässig zu spüren gewesen in den letzten Jahren. Darüber, dass Operationen in den Spitälern häufig stationär statt ambulant durchgeführt werden – aus rein finanziellen Überlegungen. Denn im Gegensatz zu einem ambulanten Eingriff, für dessen Kosten die Krankenkasse aufkommt, beteiligt sich an einem stationären Eingriff auch der Kanton mit einem Anteil von 55 Prozent.

Über 35 Belegärzte sind am MZB tätig

Das Medizinische Zentrum Brugg (MZB) bietet zusammen mit seinen Partnern ein umfassendes Angebot im ambulanten Bereich für die Bevölkerung aus der Umgebung. Über 35 Belegärzte sind am MZB tätig. Pro Jahr führen sie mehr als 4000 Eingriffe und Behandlungen durch. Diplomiertes Fachpersonal in Pflege, Anästhesie und im Operationssaal – alles in allem rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – sorgen für die Betreuung und das Wohl der Patientinnen und Patienten. (mhu)

Mit der neuen Spitalverordnung zeichnet sich nun eine Trendwende ab. 13 Behandlungen und Untersuchungen sollen in den Aargauer Spitälern ab 2018 ambulant durchgeführt werden – unter anderem Eingriffe an Herz, Blutgefässen, Händen, Füssen und Knien.

Eingriffe sind wirtschaftlicher

Der medizinische Fortschritt mache diesen Schritt möglich, heisst es in einer Medienmitteilung des Kantons. «Der Regierungsrat will mit dieser Massnahme sowohl einem Patientenbedürfnis nachkommen als auch das Effizienzpotenzial in der Gesundheitsversorgung weiter ausschöpfen.» Ambulant vorgenommen – statt stationär –, seien diese Eingriffe zweckmässiger und wirtschaftlicher. Unnötige stationäre Spitalaufenthalte könnten vermieden werden.

Das MZB begrüsst den Trend «ambulant vor stationär», sagt Geschäftsleiterin Sandra Weingart, «insbesondere, da dies oft ein Patientenbedürfnis ist und sich positiv auf die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen auswirkt.» Von zentraler Bedeutung für das MZB sei aber, dass die Eingriffszahlen von Operateuren, die gleichzeitig in stationären wie auch in ambulanten Institutionen tätig sind, dem stationären Leistungserbringer angerechnet werden können. «Alles andere würde Operateure, die auch stationär tätig bleiben möchten, in Zukunft davon abhalten, Leistungen in ambulanten Institutionen anzubieten», erklärt Sandra Weingart. «Dies wäre weder patientenfreundlich noch wirtschaftlich und würde ambulante Leistungseinheiten wie das MZB in ihrer Existenz massiv gefährden.»

Durch die Quoten dürfen keine Fehlanreize entstehen

Um die Massnahme «ambulant vor stationär» möglichst einfach umsetzen zu können, soll im Aargau eine Quote definiert werden, die das Verhältnis von ambulanten und stationären Eingriffen vorgibt.

FDP-Grossrätin Martina Sigg aus Schinznach-Dorf sieht in der Massnahme in erster Linie eine Kostenverlagerung. In ihrem Votum anlässlich der Budgetdebatte im Grossen Rat gab sie zu bedenken, dass zwar die Quoten kontrolliert werden können, nicht aber die Gesamtzahl und auch nicht die Gesamtkosten. Bei ambulanten Eingriffen würden automatisch die Nachsorgestrukturen mehr belastet: Für die Nachkontrolle braucht es entweder die Hausärzte – die immer mehr Mangelware seien – oder die Ambulatorien in den Spitälern. Nachsorge bedeute unter Umständen ebenfalls mehr Spitex – oder zumindest eine Haushaltshilfe. Es seien alleine die Ärzte, führte Martina Sigg weiter aus, die entscheiden und die auch die Verantwortung tragen müssen, ob ein Eingriff ambulant erfolgen kann. Sie hätten sich aber an die Quotenregelung zu halten.

Mit einem Postulat wird der Regierungsrat aufgefordert bei der Festlegung der Quoten für die ambulanten Eingriffe, darauf zu achten, dass keine Fehlanreize entstehen. «Insbesondere muss eine einfache und gute Lösung gefunden werden, dass Belegärzte nicht gezwungen werden müssen, ambulante Eingriffe in Spitälern durchzuführen», heisst es im Text. Es gelte sorgfältig abzuwägen, auf welcher Basis die Quoten, die es zu erreichen gilt, berechnet werden. Auch müsse eine Lösung gesucht werden, bei der die ambulanten Zentren nicht benachteiligt werden. (mhu)

Finanzielle Herausforderungen

«Falls unsere Eingriffe bei der notwendigen Quote angerechnet werden, könnte dies zu Mehreingriffen beitragen, die wir sehr begrüssen würden», fährt die Geschäftsleiterin fort. «Eventuell wird auch der Gedanke ‹ambulant vor stationär› bei der Bevölkerung noch besser verankert und führt dazu, dass ambulante Eingriffe auch vermehrt bei uns gemacht werden, denn wir haben das notwendige Wissen und sind dafür eingerichtet.» Für die Patienten, die im MZB operiert werden, ändere sich mit der neuen Spitalverordnung grundsätzlich nichts, ergänzt sie. «Sie werden den gewohnten patientenfreundlichen Ablauf erfahren.»

Im Widerspruch zum aktuellen Trend, betont Sandra Weingart, stehe allerdings die massive Kürzung des Bundesrats bei den ambulanten Tarifen ab 2018. «Diese Kürzungen treffen uns direkt und stellen uns vor grosse finanzielle Herausforderungen», hält die Geschäftsleiterin fest. Anders ausgedrückt: Das MZB werde diverse Einsparungen vornehmen müssen.

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