Im Medizinischen Zentrum Brugg (MZB) ist der Unmut regelmässig zu spüren gewesen in den letzten Jahren. Darüber, dass Operationen in den Spitälern häufig stationär statt ambulant durchgeführt werden – aus rein finanziellen Überlegungen. Denn im Gegensatz zu einem ambulanten Eingriff, für dessen Kosten die Krankenkasse aufkommt, beteiligt sich an einem stationären Eingriff auch der Kanton mit einem Anteil von 55 Prozent.

Mit der neuen Spitalverordnung zeichnet sich nun eine Trendwende ab. 13 Behandlungen und Untersuchungen sollen in den Aargauer Spitälern ab 2018 ambulant durchgeführt werden – unter anderem Eingriffe an Herz, Blutgefässen, Händen, Füssen und Knien.

Eingriffe sind wirtschaftlicher

Der medizinische Fortschritt mache diesen Schritt möglich, heisst es in einer Medienmitteilung des Kantons. «Der Regierungsrat will mit dieser Massnahme sowohl einem Patientenbedürfnis nachkommen als auch das Effizienzpotenzial in der Gesundheitsversorgung weiter ausschöpfen.» Ambulant vorgenommen – statt stationär –, seien diese Eingriffe zweckmässiger und wirtschaftlicher. Unnötige stationäre Spitalaufenthalte könnten vermieden werden.

Das MZB begrüsst den Trend «ambulant vor stationär», sagt Geschäftsleiterin Sandra Weingart, «insbesondere, da dies oft ein Patientenbedürfnis ist und sich positiv auf die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen auswirkt.» Von zentraler Bedeutung für das MZB sei aber, dass die Eingriffszahlen von Operateuren, die gleichzeitig in stationären wie auch in ambulanten Institutionen tätig sind, dem stationären Leistungserbringer angerechnet werden können. «Alles andere würde Operateure, die auch stationär tätig bleiben möchten, in Zukunft davon abhalten, Leistungen in ambulanten Institutionen anzubieten», erklärt Sandra Weingart. «Dies wäre weder patientenfreundlich noch wirtschaftlich und würde ambulante Leistungseinheiten wie das MZB in ihrer Existenz massiv gefährden.»

Finanzielle Herausforderungen

«Falls unsere Eingriffe bei der notwendigen Quote angerechnet werden, könnte dies zu Mehreingriffen beitragen, die wir sehr begrüssen würden», fährt die Geschäftsleiterin fort. «Eventuell wird auch der Gedanke ‹ambulant vor stationär› bei der Bevölkerung noch besser verankert und führt dazu, dass ambulante Eingriffe auch vermehrt bei uns gemacht werden, denn wir haben das notwendige Wissen und sind dafür eingerichtet.» Für die Patienten, die im MZB operiert werden, ändere sich mit der neuen Spitalverordnung grundsätzlich nichts, ergänzt sie. «Sie werden den gewohnten patientenfreundlichen Ablauf erfahren.»

Im Widerspruch zum aktuellen Trend, betont Sandra Weingart, stehe allerdings die massive Kürzung des Bundesrats bei den ambulanten Tarifen ab 2018. «Diese Kürzungen treffen uns direkt und stellen uns vor grosse finanzielle Herausforderungen», hält die Geschäftsleiterin fest. Anders ausgedrückt: Das MZB werde diverse Einsparungen vornehmen müssen.