Das Traktandum Dahlihaus geht in eine weitere Runde. Die Gemeindeversammlung Hausen hat den Baurechtsvertrag mit 165 Nein gegen 98 Ja abgelehnt. Gemeindeammann Eugen Bless kommentierte das Ergebnis mit den Worten: «Wir haben keine Sieger und keine Verlierer, sondern eine neue Situation.» Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr man nach dem teilweise polarisierenden Abstimmungskampf auf Ausgleich bedacht ist. Die Gemeindeversammlung fand, ob des erwarteten Andrangs, im Festzelt für das Jugendfest statt.

«Das Dahlihaus ist ein Zeugnis früher Bau- und Lebensweise», sagte Gemeinderätin Tonja Kaufmann, die das Geschäft vorstellte. Um es zu erhalten, schlug der Gemeinderat vor, die Parzelle an der Holzgasse mit einem Baurechtsvertrag an eine noch zu gründende Genossenschaft auszugeben. «Die Realisierung kann nicht Aufgabe der Gemeinde sein», sagte Kaufmann. Der Baurechtsvertrag war auf 99 Jahre ausgelegt, bei einem Baurechtszins von 1 Franken pro Jahr. Der geringe Zins wurde als Beweis für das Desinteresse des Gemeinderats gewertet.

«Wir müssen ans Dahlihaus glauben, so, wie die Erbauer vor 450 Jahren an das Haus geglaubt haben», sagte Beat Peterhaus vom Verein Pro Dahlihaus. Er warb für Zustimmung: «Damit die Geschichte des Hauses fortgeschrieben werden kann.» Die Genossenschaft werde das Projekt entwickeln und realisieren.

«Der Gemeinderat soll bessere Lösungen aufzeigen», forderte ein Redner. Der Zustand des Hauses bedinge, dass massgebende Teile ersetzt werden müssen, also ein Teilabbruch beziehungsweise Neubau resultiere. «Wir sollten stolz sein auf die Handwerker, die solche Häuser gebaut haben», sagte ein Votant. Das Dahlihaus könne dem verblassenden Ortsbild von Hausen wieder einen Mittelpunkt geben. Ein anderer Redner bezeichnete das Dahlihaus als «nicht ortsbildprägend».

Eine schwierige Aufgabe

Ein Redner erinnerte an das Köpflihaus in Villnachern. Dieses wurde von der Gemeinde zum Abbruch freigegeben, aber gerettet und steht auf dem Ballenberg. «Wir müssen dafür sorgen, dass das Dahlihaus in Hausen bleibt. Es wird nie ein Rendite-Objekt aber es hat einen lokalgeschichtlichen und bauhandwerklichen Wert», sagte er und betonte: «Es zu erhalten, wird eine schwierige Aufgabe, aber wenn wir wollen werden wir sie lösen.»

Gegen Ende der Diskussion stellte ein Redner fest: «Die Meinungen sind gemacht.» Um dann «eine grosse Bitte» zu äussern: «Wir müssen nach der Abstimmung wieder zusammenfinden, es darf keine Spaltung geben.»

Auf Antrag des Gemeinderats sprachen sich 79 Versammlungsteilnehmer für eine geheime Abstimmung aus, 67 Ja wären nötig gewesen. Die Ablehnung des Baurechtsvertrags wurde mit Applaus quittiert.

Unmittelbar darauf skizzierte Gemeindeammann Bless das weitere Vorgehen: «Sobald der Entscheid rechtsgültig ist, wird der Gemeinderat die Voten analysieren.» Er kann sich vorstellen, dass der Gemeinderat einen neuen Baurechtsvertrag präsentieren wird. «Dabei brauchen wir Ihre Unterstützung, wir wollen eine Arbeitsgruppe aus Befürwortern und Gegnern einsetzen.» Keine Chance hatte der Rückweisungsantrag aus der Versammlung. Verlangt wurden zwei Kreditanträge, einer für den Abbruch des Dahlihauses und ein zweiter, um den Wiederaufbau des Hauses mit Alterswohnungen zu planen.

Referenden sind möglich

Die anderen Anträge wurden ohne Diskussion und mit grossem Mehr angenommen, nämlich der Rechenschaftsbericht 2016, die Einbürgerung von Selver Yildiz-Bekic mit ihren Töchtern Ilayda und Mara Lara, die Rechnung 2016, die Gemeinderatsbesoldungen, das neue Pionierfahrzeug sowie die Kreditabrechnungen Lindhofschulhaus, Mehrzweckhalle und Areal Dahlihaus.

Da lediglich 263 der 2262 Stimmberechtigten an der Versammlung teilnahmen, unterliegen alle Beschlüsse, ausgenommen die Einbürgerungen, dem fakultativen Referendum.