Entwicklungshilfe hat es schwer in dieser Zeit. Es nützte auch nicht viel, dass man sie in «Entwicklungszusammenarbeit» umbenannte. Stimmen, sie sei ineffizient und leiste sogar Vorschub, die schlechten Verhältnisse in den Empfängerländern fortzuschreiben, wollen nicht verstummen. Das mag stimmen oder auch nicht. Betroffene, denen geholfen werden konnte, sehen das anders. Und dass es die gibt, stimmt sicher auch.

Leser dieser Zeitung kennen Margrit Fuchs. Offenbar vertrauen auch sie darauf, dass auf einem Mensch-zu-Mensch-Level ohne grossen Aufwand die Lage der Leute wirklich verbessert werden kann. Denn sonst wären die Spendenaktionen, welche die Aargauer Zeitung und ihre Partnerblätter jeweils vor den Weihnachtstagen durchführen, nicht so ein Erfolg.

Bilder der Weihnachts-Aktion der AZ Medien 2016:

Fuchs’ Energie beeindruckte

Dabei hing bereits bei Beginn an einem Faden, ob die Aktion ein Erfolg werden könnte. Nicht der Spenden wegen. Die flossen derart reichlich, dass man auch heute noch nicht recht weiss, warum. Eine 76-jährige Frau aus dem Bezirk Brugg, die fern der Heimat ihre ganze Energie und Kraft einsetzt, um Armen und Bedürftigen zu helfen, hätte die Leute beeindruckt, vermutet jetzt der Biograf von Margrit Fuchs, ihr Gottenbub Rolf Tanner. Jeder eingehende Franken komme den Bedürftigen zugute, versicherten die Initianten der Aktion. Man glaubte ihnen. Und es ging um Kinder.

Edgar Zimmermann, lange Zeit Leiter des Ressorts Brugg dieser Zeitung, war sich als Journalist an Telefonate gewöhnt. Aber man darf mit Recht vermuten, dass er kein emotional bewegenderes hatte führen dürfen als diesen Anruf nach Ruanda am 24. Dezember 1993. «Etwa 5000 Franken», schätzte die nichtsahnende Margrit Fuchs in Ruanda, seien zusammengekommen. Zimmermann konnte ihr behutsam eröffnen, dass es weit mehr war. Mitte Januar waren über 300 000 Franken beisammen.

Völkermord verzögerte Hilfe

Der Bau des geplanten Waisenhauses verzögerte sich aber, ohne dass Margrit Fuchs und ihre Leute in Ruanda etwas dafür konnten. Am 6. April 1994 wurde das Flugzeug des Präsidenten abgeschossen. Wer es war und warum, weiss man bis heute nicht. Es war aber auf jeden Fall das Signal für eines der grausigsten Massenverbrechen. Im Rassenwahn wurden Hunderttausende abgeschlachtet. Ausländer – auch Margrit Fuchs – mussten das Land überstürzt verlassen.

Margrit Fuchs litt unter dem Gefühl, ihre Kinder im Stich gelassen zu haben. Deshalb liess sie sich nicht davon abbringen, so schnell wie möglich zurückzukehren. Die Schwierigkeiten waren enorm. Aber diese zähe und gleichzeitig warme Frau schaffte es. Und die Leser helfen ihr weiterhin dabei. Auch nach ihrem Unfalltod mit 90 Jahren im Sommer 2007.

Wo nahm sie ihre Tatkraft her?

Woher nahm diese Frau auch im hohen Alter noch die Energie und die Tatkraft nur her? Ihre Biografie kann nur Hinweise geben, so seriös es der ausgebildete Historiker Rolf Tanner auch genommen hat beim Recherchieren und Schreiben. Wir erfahren von einer Jugend, die zwar nicht leicht war, aber die junge Margrit trotzdem geordnet aufwachsen liess. Von einer jungen Frau, die im KV-Beruf erfolgreich, sich in der katholischen Kirche und ihrer Jugendarbeit engagierte. Die mit 56 Jahren in eine schwere Lebenskrise geriet, als ihre Mutter starb. Und die dann Ruanda und ein Leben für die Geprüften dort wählte.

Rolf Tanner, Margrits «Gottenbub» (sie kannte seinen Vater), hat die Zeugnisse zusammengetragen, die es noch gibt, und erzählt die Geschichte dieser gleichzeitig so bescheidenen und bodenständigen, aber auch aussergewöhnlichen Frau. Kundig bringt er die historischen und anderen Sachinformationen auf den Punkt. Man weiss Bescheid und erhält ein genaues Bild, wie es schliesslich zum Hilfswerk kam – allen Hindernissen zum Trotz.