Es bleibt dabei: Der Parkplatz ist ein Zankapfel. Der geplante Standort sorgt für Unverständnis und Unmut. Am Freitag hat die Gemeindeversammlung in Veltheim das Geschäft «Spezialzone Schloss Wildenstein» in einer geheimen Abstimmung mit 163 zu 61 Stimmen zurückgewiesen – mit dem Auftrag, der Gemeinderat habe zwar nach wie vor eine Schlosszone zu errichten, aber einen anderen Parkplatz-Standort zu suchen.

Dass für die Parkplätze nur die nördlich der Schlossanlage gelegene Parzelle 509 infrage kommen soll, nur diese Lösung vom Kanton als genehmigungsfähig eingestuft wird, stiess vielen Anwesenden sauer auf. Dieser Standort sei falsch, ärgerte sich ein Stimmberechtigter. Das Schloss sei in der Vergangenheit von einer Hand in die andere gelangt, sei in einem maroden Zustand gewesen. Der Kanton habe sich nicht dafür interessiert. Jetzt hätten mit dem neuen Besitzer die Sanierungsarbeiten begonnen – und der Kanton verbiete den Parkplatz an der einzig richtigen Stelle unterhalb der Anlage.

Ein anderer Anwesender pflichtete diesen Ausführungen bei. Dieser Entscheid sei vom Schreibtisch aus gefällt worden. «Wir müssen denen auf die Finger klopfen und hart diskutieren.» Schliesslich müsste, fügte er an, auch die kantonale Denkmalpflege ein Interesse haben an einem schön renovierten, öffentlich zugänglichen Schloss.

Das Engagement wird geschätzt

Unternehmer Samuel Wehrli kaufte die Anlage 2010 mit der Absicht, sie instand zu stellen und zu einem grossen Teil der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Ruth Wettstein, die Tochter des Besitzers und die Geschäftsführerin von Schloss Wildenstein, stellte das Konzept an der Gemeindeversammlung vor. «Wir möchten diesen schönen Ort mit der Bevölkerung teilen», hielt sie fest. Vorgesehen sind ein Museumsbereich, Platz für kulturelle Angebote, Kunst und Weiterbildung sowie ein Restaurantbetrieb. Diese Pläne ernteten Lob.

Weil die Anlage heute in der Landwirtschaftszone liegt, sind die vorgesehenen Nutzungen nicht erlaubt. Mit der Zuweisung in eine Spezialzone können die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Ohne Spezialzone und ohne Parkplatz sei die Öffnung des Schlosses nicht möglich, betonte Gemeindeammann Ulrich Salm. Es sei eine Chance, ein solches Schloss zu haben, stellte er fest. «Das Schloss ist ein Wahrzeichen.»

Manfred Streit, der Eigentümer des unmittelbar beim Schloss liegenden Landwirtschaftsbetriebs, fühlt sich an die Wand gedrängt. Durch eine Umzonung habe ein Aus- oder Umbau seines Hofs künftig keine Chance mehr, erklärte er. Eine Aussiedlung – eine solche wurde ihm vom Schlossbesitzer als Angebot unterbreitet – sei aber ebenfalls keine Option, weil die Finanzierung nicht geregelt sei. Vieles sei noch nicht klar, führte die Tochter des Landwirts in einem emotionalen Votum aus. Der Betrieb sichere den Lebensunterhalt der Familie, mit ihrem Bruder sei auch die Nachfolge gesichert. «Die Zukunft ist uns wichtig.»

Hans-Peter Müller, der Betreiber des Reitsportbetriebs auf der Parzelle 509, wies darauf hin, dass auch über das Schicksal seiner Familie abgestimmt wird. Werde die Parkierungsanlage an diesem Standort realisiert, habe dies negative Auswirkungen auf seinen – erfolgreichen – Betrieb. Auf einen Schlag verliere er rund 40 Aren Weidland.

Das Geschäft werde so speditiv wie möglich behandelt, versicherte Gemeindeammann Salm nach der Rückweisung. Er äusserte sich allerdings skeptisch, ob der Kanton beim Parkplatz-Standort eine Kehrtwende macht. Es bleibe nun eine Unsicherheit.

Die Uhr zeigte fast Mitternacht

Zu Beginn hatte sich Salm eine Gemeindeversammlung gewünscht in einer würdigen, konstruktiven Art und einem angemessenen Ton. Tatsächlich: Trotz Emotionen, zeigte sich, blieb der Respekt stets gewahrt, wurden die Wortmeldungen – in welche Richtung sie auch gingen – mit Applaus bedacht, sorgte ein launiger Spruch da und dort für einen Lacher. Apropos Wortmeldungen: Salm hatte ebenfalls dazu ermuntert, sich kurz zu halten. Dies allerdings gelang einigen Anwesenden nur beschränkt. Die Uhr zeigte drei Minuten vor Mitternacht, als die Versammlung für beendet erklärt wurde.

Zurückgewiesen zur Überarbeitung wurde der Kredit von 846'000 Franken für den neuen Werkhof. Alle anderen Geschäfte haben die 224 anwesenden Stimmberechtigten – von insgesamt 981 – angenommen, darunter den Kredit von 1,412 Mio. Franken für die Sanierung und Umgestaltung der Bruggerstrasse. Abgelehnt wurde ein Rückweisungsantrag mit der Forderung, beim Dorfeingang sei ein Kreisel zu bauen.

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