Brugg-Windisch
Naturspektakel zieht alle in den Bann

Besucher beobachten die partielle Sonnenfinsternis vor dem Campus nicht nur durch Schutzbrille.

Claudia Meier
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«Schau, die Sonne ist kleiner geworden», ruft eine Primarschülerin mit der aufgesetzten Schutzbrille ihrer Freundin zu. Auf dem Platz vor der Campus Bar herrscht am Freitagmorgen ein richtiges Gewusel.

Vom Kindergärtler bis zum Senior tummeln sich gut 300 Personen zwischen Modellen, Teleskopen und Informationsständen. Da nur wenige Sonnenfinsternis-Schutzbrillen zur Verfügung stehen, müssen die Besucher sich diese untereinander teilen.

Das klappe aber problemlos und das Gemeinschaftsgefühl sei dadurch noch grösser, sagt Professor André Csillaghy von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), der für dieses Naturspektakel extra einen sonnengelben Pullover angezogen hat.

«Die Leute realisieren wahrscheinlich kaum, wie viel Glück sie heute mit dem schönen Wetter haben», so der Sonnenspezialist weiter. «Wir sehen viel mehr als bei der letzten Sonnenfinsternis 1999.» Damals seien viele Beobachter frustriert gewesen.

Nora, 8, Brugg «Das ist wirklich cool. Ich schaue sonst nicht so oft in den Himmel. Heute konnte ich zum ersten Mal durch eine Brille beobachten, wie der Mond die Sonne abdeckt. Ein tolles Erlebnis.»
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Sibylle Zulauf, 51, Niederlenz «Ich bin erstaunt, dass es nicht noch mehr Leute hat. So ein spannendes Phänomen sieht man nicht alle Tage. Von den Fachleuten habe ich wertvolle Informationen bekommen.»
Alain Krähenbühl, 23, Brugg «Als Student und angehender Primarlehrer ist es für mich interessant zu sehen, wie die Sonnenfinsternis den Kindern erklärt wird. Ich spüre, dass es kälter geworden und das Licht anders ist.»
Franz Kühle, 67, Brugg «Ich habe erst vor drei Tagen von diesem Naturspektakel erfahren. Jetzt warte ich, weil ich durchs Teleskop schauen möchte. Dass man Mond und Sonne gleichzeitig sieht, ist schon super.»
Roman Hochuli, 15 Umiken «Ich machte in meiner Klasse den Vorschlag, auf den Campusplatz zu gehen. Es ist sehr interessant. Das Weltall ist etwas Gigantisches. Wir auf der Erde sind nur ein kleiner Teil davon.»

Nora, 8, Brugg «Das ist wirklich cool. Ich schaue sonst nicht so oft in den Himmel. Heute konnte ich zum ersten Mal durch eine Brille beobachten, wie der Mond die Sonne abdeckt. Ein tolles Erlebnis.»

Claudia Meier

Die Spannung steigt

Gegen halb elf steigt die Spannung. Dann ist die Sonne am meisten vom Mond abgedeckt. Das will niemand verpassen. Die Brillen werden schneller getauscht. Eine Mitarbeiterin der FHNW verteilt neben einer Sonne aus Kunststoff Metallstäbchen mit zwei kleinen Kügelchen dran.

«Hier haben wir die Erde und den Mond – im richtigen Grössenverhältnis zu diesem Sonnenball», sagt sie. Dann schickt sie die Besucher mit diesem Stäbchen zum oberen Ende der Campus Treppe: «Werfen Sie von dort einen Blick durch die Öse über der Erde und versuchen Sie mit dem kleinen Mond die grosse Sonne hier abzudecken.» Studierende und andere Gäste sind begeistert. Auf den Grünflächen neben der Treppen picknicken ein paar Kindergärtler. Es herrscht Volksfeststimmung.

Sonnenprofessor André Csillaghy ist zufrieden mit dieser Veranstaltung. Die Schul- und Kindergartenklassen hätten die FHNW kontaktiert. Für die Hochschule sei dies eine willkommene Gelegenheit, mit dem potenziellen Nachwuchs Kontakt aufzunehmen, so Csillaghy weiter. Der verkehrsfreie Campusplatz sei dafür bestens geeignet.

Dass es mit der Livestream-Übertragung von den Färöer-Inseln nicht optimal klappt, scheint vor dem Campus niemanden gross zu kümmern. Die dafür vorgesehenen Notebooks werden jedenfalls kaum beachtet. Nach dem Höhepunkt wird die Warteschlange vor dem Teleskop plötzlich kürzer. Mitarbeiterinnen der Sonnenforschungsgruppe erklären Jung und Alt die Projektion auf einem weissen Karton: «Bei dieser Vergrösserung sieht man sogar die Berge auf dem Mond.» Kurz nach elf Uhr ist der ganze Spuk vorbei und der Campusplatz ist praktisch verwaist. Studierende und Angestellte haben sich in die Unterrichts- und Büroräume zurückgezogen.