Bözberg
Nagra-Bohrung: Die Lärmimmissionen entsprechen einem Vogelgezwitscher

Der erste Infoabend zeigt: Sondierbohrungen der Nagra lösen in der Bevölkerung keine Begeisterung aus. Gar von einer «Schnapsidee» wurde gesprochen.

Louis Probst
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Sondierbohrungen wie hier in Schlattingen sollen rund um den Bözberg stattfinden. Die Zahl der Bohrungen sei aber noch offen, sagt die Nagra am Infoanlass.

Sondierbohrungen wie hier in Schlattingen sollen rund um den Bözberg stattfinden. Die Zahl der Bohrungen sei aber noch offen, sagt die Nagra am Infoanlass.

Beat Müller Nagra

Vor knapp einem Monat hat die Nagra die Gesuche für Sondierbohrungen im Perimeter von Jura Ost eingereicht. Am Montagabend gab es nun in Bözberg einen ersten Informationsanlass der Nagra zum Stand der Verfahren bei der Suche nach dem Standort für ein geologisches Tiefenlager und zu den geplanten Bohrungen. «Bei den Sondierbohrungen geht es darum, die Eigenschaften und den Verlauf der Gesteinsschichten zu untersuchen», erklärte Markus Fritschi (Nagra). Die gewonnenen Erkenntnisse werden, zusätzlich zu jenen der seismischen Untersuchungen, in den sicherheitstechnischen Vergleich für die Standortwahl für das Tiefenlager einfliessen.

Acht Bohrstandorte

Eingereicht worden sind für das Gebiet Jura Ost Gesuche für acht Bohrstandorte. Gebohrt werden soll am Bözberg im Gebiet Ursprung, südwestlich von Vierlinden (Bohrung Bözberg 1); westlich des Weilers Riedacker (Bözberg 2); im Gebiet Eien, südlich der Strasse Remigen-Mönthal (Remigen 1) sowie unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Remigen (Remigen 2). Weitere Bohrungen sind in Effingen, Riniken und Zeihen vorgesehen.

Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Thomas Frei vom Bundesamt für Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau.
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Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Peter Raible von der Nagra.
Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Markus Fritschi von der Nagra.
Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Geben Auskunft (von links): Peter Raible, Bernd Frieg und Markus Fritschi.
Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Bernd Frieg von der Nagra.

Informationsanlass zu den Sondierbohrungen Thomas Frei vom Bundesamt für Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau.

Louis Probst

«Die ungefähre Lage der Sondierbohrungen ist durch Geologen im Rahmen des Explorationskonzepts festgelegt worden», erklärte Bernd Frieg (Nagra). Die Festlegung der Bohrstandorte sei aufgrund raum- und umweltplanerischer Interessenabwägungen sowie betrieblicher Kriterien erfolgt. «Wir wollten vor allem auf Waldrodungen verzichten», betonte Frieg. Immerhin wird pro Bohrplatz eine Fläche von rund 0,8 Hektaren benötigt. «Die Zahl der Bohrungen ist noch offen», sagte Frieg. «Wir rechnen heute mit 3 bis 5 Bohrungen pro Standort. «Wir wollen bis in rund 1000 Meter Tiefe vordringen. Wir beantragen in den Gesuchen aber eine Bohrtiefe von 2000 Metern.» Gearbeitet wird während den Bohrbetriebsphasen, die sich, so Frieg, zwischen 6 und 12 Monaten bewegen, rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche.

Gegenwärtig werden die Gesuche für die Bohrungen durch das Bundesamt für Energie (BFE) welches das Bewilligungsverfahren leitet, geprüft. «Bei Vollständigkeit der Unterlagen kann die öffentliche Auflage im ersten Quartal 2017 starten», sagte Peter Raible vom BFE. Von den Bohrungen Betroffene können innert 30 Tagen beim BFE schriftlich Einsprache erheben. Die Bewilligungen für die Bohrungen sollen voraussichtlich im Herbst 2018 erteilt werden.

Emotionale Fragerunde

In der Fragerunde, in der es zuweilen recht emotional zuging, wurde unter anderem Kritik an den Bohrstandorten laut. «Der Bohrplatz Vierlinden ist eine Schnapsidee», wurde geäussert. «Hat man den Landschaftsschutz vergessen?», fragt jemand anderes. Dem hielt Markus Fritschi entgegen, dass sich der Platz ausserhalb des Landschaftsschutzgebiets befinde und dass es sich bei den Bohrungen um temporäre Massnahmen handle. Thomas Frei, Sachbearbeiter Tiefenlager beim BVU Aargau, stellte fest: «Auch beim Kanton hat man keine Freude an den Bohrstandorten. Man will aber wissen, wie es im Untergrund aussieht.»

Kritisiert wurden auch die vagen Angaben über die Zahl der Bohrungen und die Dauer der Bohrphasen. Die Nagra-Vertreter wehrten sich aber gegen den Vorwurf der Salamitaktik. Markus Fritschi räumte ein, dass man in den Gesuchen eine Dauer der Bohrarbeiten von maximal 5 Jahren beantrage. «Es geht uns dabei um Flexibilität», betonte er. Aufs Tapet kam aber auch das Thema Lärm. Die Lärmimmissionen würden etwa einem Vogelgezwitscher entsprechen meinte Bernd Frieg auf die Frage nach der Lärmintensität. «Dann werde ich also während 24 Stunden Vogelgezwitscher hören», meinte der Fragesteller sarkastisch.

Weitere Infoanlässe: 27. Oktober in der Turnhalle Effingen. 1. November 2016 im Zentrum Lee in Riniken. Beginn der Veranstaltung: 19.30 Uhr.