Es war die vom Kanton vorgegebene Lage der Schlossparkplätze, die für Unverständnis und Unmut gesorgt hat in Veltheim. Im Juni 2017 wies die Gemeindeversammlung die «Spezialzone Schloss Wildenstein» zurück. Der Gemeinderat erhielt den Auftrag, zwar eine Schlosszone zu errichten – denn die geplante Öffnung von Schloss Wildenstein für die Allgemeinheit wurde begrüsst –, aber einen anderen Parkplatz-Standort zu suchen. In intensiven Gesprächen und Verhandlungen mit den Verantwortlichen der kantonalen Behörden sowie verschiedenen Privatpersonen konnte tatsächlich eine Lösung gefunden werden.

Bis 18. Dezember liegen die Entwürfe mit Erläuterungen und der Vorprüfungsbericht zur «Spezialzone Schloss Wildenstein/Reduktion Spezialzone Rain» in der Gemeindeverwaltung auf. Neu ist vorgesehen, die Besucherparkplätze für den Normalbetrieb am südlichen Ende des Schlosswegs zu realisieren auf der Parzelle 632 im Dreieck zwischen Wildeggerstrasse und Mühlemattweg. Der ursprünglich geplante umstrittene Standort auf der nördlichen Parzelle 509 ist also vom Tisch. Am vergangenen Freitag haben die Ortsbürger den Abschluss eines Vorvertrags betreffend Landabtretungen und Landumlegung gutgeheissen (die AZ berichtete).

Zwar nicht optimal, aber . . .

«Durch die etwas vom Schloss abgesetzte Lage bleibt der Blick auf die kulturhistorisch bedeutsame Schlossanlage frei», heisst es im Planungsbericht zum neuen Parkplatz-Standort. Der Kanton bezeichnet die Anordnung in seinem Vorprüfungsbericht zwar als nicht optimal. Aber aufgrund des hohen öffentlichen Interesses am Erhalt der Schlossanlage Wildenstein sowie dem damit verbundenen Bedarf an Parkplätzen im Umfeld und in Anerkennung der Leistungen zur Sanierung des Schlosses könne der Parkierungsanlage auf der Parzelle 632 «im Rahmen einer Gesamtinteressenabwägung» zugestimmt werden.

Die Erschliessung des Schlossareals erfolgt ausschliesslich über den südlichen Teil des Schlosswegs. Das Baugebiet von Veltheim bleibt somit von zusätzlichem Verkehr verschont. Für den – heute schmalen – südlichen Teil des Schlosswegs ist ein Ausbau sowie eine Tempo-30-Signalisation vorgesehen. Bei grösseren Anlässen können gemäss Mobilitätskonzept Aussenparkplätze beim Gemeindehaus oder im Industriegebiet in Betrieb genommen und ein Shuttle-Dienst eingerichtet werden.

Rückblick: Der Suhrer Unternehmer Samuel Wehrli hat das Schloss Wildenstein 2010 gekauft und die Umbau- und Sanierungsarbeiten in die Wege geleitet. Der Besitzer möchte die Anlage zu einem grossen Teil der Öffentlichkeit zugänglich machen. Zum Verweilen einladen sollen Museum, Galerie, Restaurant oder Garten. Kurz: Geplant ist ein vielseitiger Ort der Begegnung – mit Platz für Kultur, Kunst, Weiterbildung, Geschichte, Spiel und Genuss. Denkbar sind Seminare, Tagungen und Familienfeste genauso wie Hochzeiten, Konzerte oder Theater.

An der Erhaltung der Schlossanlage besteht gemäss Planungsbericht ein ausserordentlich hohes öffentliches und denkmalpflegerisches Interesse. Das sorgfältig auf die Anlage abgestimmte Nutzungskonzept biete die Chance, einen selbsttragenden Betrieb gewährleisten zu können.

Mit der Zuweisung in eine Spezialzone sollen nun die bau- und planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden für die vorgesehenen Nutzungen. Derzeit liegt die gesamte Schlossanlage Wildenstein in der Landwirtschaftszone.

Mittlerweile ist es dritte Vorlage

Erste Anstrengungen, das notwendige Verfahren zur Teiländerung der Nutzungsplanung einzuleiten, erfolgten 2013. Für die aktuelle, mittlerweile dritte Vorlage fand die kantonale Vorprüfung im Juli bis August dieses Jahres statt, die Mitwirkungsauflage erfolgte von August bis September. Konkret geplant ist im Kulturlandplan die Umzonung zweier Flächen von der Landwirtschaftszone in die Schlosszone. Die eigentliche Schlosszone umfasst eine Fläche von 0,79 Hektaren, die Parkierungsanlage eine Fläche von 0,22 Hektaren. Im Gegenzug werden, zur längerfristigen Kompensation von Fruchtfolgeflächen, insgesamt 1,4 Hektaren von der Spezialzone Rain in die Landwirtschaftszone umgezont. Klappt alles reibungslos, befindet die Gemeindeversammlung im Juni 2019 über das Geschäft, der Regierungsrat im Herbst des gleichen Jahres.

Die Schloss Wildenstein AG freut sich über diese Entwicklung und dankt auf ihrer Website «allen Beteiligten – insbesondere den Grundeigentümern, die Hand zur Landumlegung für den neuen Parkplatz-Standort geboten haben, und dem Gemeinderat Veltheim – für ihr grosses Engagement in dieser Sache».

In der Gemeinde Veltheim läuft zurzeit auch die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland. In dieser ist die Teiländerung der Nutzungsplanung für die Spezialzone Schloss Wildenstein und die Reduktion der Spezialzone Rain nicht einbezogen.