Die Aargauer Jugendlichen haben vergangenen Montag ihre erste Schul- und Lehrwoche angetreten, doch längst nicht alle Lehrbetriebe fanden Lernende für ihre offenen Stellen. Ein Blick ins Lehrstellenverzeichnis (Lena) zeigt, dass auch zum Lehrbeginn 2019 zahlreiche Stellen nicht besetzt werden konnten.

Schweizweit blieben laut «berufsberatung.ch» mindestens 8500 Lehrstellen offen, während im Aargau von insgesamt 3449 Lehrstellen rund 500 als unbesetzt gemeldet wurden (die AZ berichtete). Im Bezirk Brugg blieben 44 Lehrstellen in 32 Berufen offen (Stand: 12. August). Das sind 11 unbesetzte Stellen mehr als 2018. Zu beachten gilt, dass nicht das ganze Lehrstellenangebot im Lena ausgeschrieben wird und dass nicht immer alle besetzten Stellen wieder vom Netz genommen werden, wie das Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS) betont.

Im Bau- und Autogewerbe herrscht ein Überangebot

Die Auswahl der offenen Stellen beschränkt sich auf bestimmte Branchen: In der Bau-, Auto- und Elektrobranche blieben am meisten Lehrstellen offen. Die Garage Simeone GmbH in Auenstein gehört zu jenen Lehrbetrieben, deren ausgeschriebene Stellen als Automobil-Assistent EBA und als Automobil-Fachmann EFZ noch unbesetzt sind. Angelo Simeone ist seit 20 Jahren in der Branche tätig, er sagt, es werde immer schwieriger, passende Lernende zu finden. Simeone hofft aber, dass sich vielleicht doch noch jemand auf die Ausschreibung meldet, der oder die noch keine Lehrstelle gefunden hat. Hier wäre man darum bemüht, einen späteren Einstieg zu ermöglichen.

Zukünftig ist mit mehr Lernenden zu rechnen

Wie es bereits in der Vergangenheit der Fall war, übersteigt das Lehrstellenangebot die Nachfrage in etlichen gewerblich-industriellen Berufen. Beispielsweise als Malerin oder Maler, Strassentransportfachmann oder -frau und als Elektroinstallateurin oder -installateur hätte sich noch eine Lehre finden lassen. Daneben wurden in der Gebäudetechnik, in der Landwirtschaft oder im Detailhandel Lernende gesucht. Stellen als Informatiker oder im kaufmännischen Bereich waren und sind hingegen noch immer sehr gefragt.

Die Suche für Jugendliche mit sozialen oder schulischen Defiziten bleibt im Übrigen anspruchsvoll, so das BKS. In Zukunft ist aber damit zu rechnen, dass sich die Situation im Lehrstellenmarkt verschiebt. Denn ab Mitte der 2000er-Jahre gab es wieder mehr Geburten, wodurch auch die Zahl der Lernenden ansteigen wird.