Windisch
Nachts geht das Licht auch an der Kantonsstrasse aus – Motionär sagt: "Gemeinde hat kein Konzept"

Die Strassenlampen in Windisch werden seit einem Monat nachts abgeschaltet. Nun liegt ein erstes Fazit vor.

Janine Müller
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Einmal erklingt der Glockenschlag, hallt durch die Nacht. Ein paar Sekunden später ist es in Windisch stockdunkel, die Strassenlampen werden ausgeschaltet. In der Nacht vom 19. auf den 20. September hat die Gemeinde Windisch die Nachtabschaltung realisiert. Von 1 bis 5 Uhr werden die Strassenlampen abgestellt. «Betroffen ist die gesamte öffentliche Beleuchtung bzw. alle Strassen, Wege und Plätze im Gemeindegebiet Windisch», sagt Ueli Bettler vom Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch.

An einer Urnenabstimmung vom 28. Februar wurde der Entscheid des Einwohnerrats für eine Nachtabschaltung von den Stimmberechtigten bestätigt – wenn auch knapp. Nur gerade 95 Stimmen machten den Unterschied aus. An der Referendumsabstimmung hiess das Stimmvolk mit 1390 zu 1295 Stimmen die Reduktion der Strassenbeleuchtung gut. Aktuell wurde das Thema im Juni 2014 durch eine Motion der EVP-Fraktion.

Ursula Fehlmann und Martin Schibli forderten den Gemeinderat dazu auf, dem Einwohnerrat ein Konzept zur Reduktion der Strassenbeleuchtung in Windisch zu unterbreiten. Zu berücksichtigen seien auch die Verkehrssicherheit und das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung.

In der Beantwortung der Motion kam der Gemeinderat unter anderem zum Schluss: keine Ausschaltung aus Sicherheitsgründen von 0.30 bis 5.30 Uhr. Martin Schibli stellte einen neuen Antrag: Die Strassenbeleuchtung soll von 1 bis 5 Uhr ausgeschaltet werden. Diesem Antrag stimmte der Einwohnerrat hauchdünn mit 18:17 zu. Der Beschluss lautete: «Spätestens auf 1. Oktober 2016 setzt der Gemeinderat ein Konzept zur Nachtabschaltung der Strassenbeleuchtung um. Dabei wird eine minimale Abschaltdauer von 1 bis 5 Uhr eingehalten.»

Knapp abgelehnt mit 16 zu 18 Stimmen wurde dagegen der Antrag von Philipp Ammon, SVP, der eine Volksabstimmung forderte. Ammon ergriff das Referendum, das zustande kam. Nach der Urnenabstimmung war klar: Die Strassenbeleuchtung wird ausgeschaltet.

Eine «sture Auslegung»

Einen Monat nach dem Einführen der Nachtabschaltung sagt der Motionär Martin Schibli: «Wir sind davon ausgegangen, dass, gleich wie bei den Nachbargemeinden Hausen und Brugg, zumindest die Kantonsstrassen beleuchtet bleiben: einerseits wegen der Fussgängerquerungen, andererseits auch für Rettungskräfte.» Der Abstimmungstext sei vom Gemeinderat sehr stur ausgelegt worden, «was bei diesem knappen Resultat nicht unbedingt nötig gewesen wäre».

«Je nach Erfahrungen, die nun gemacht werden, wird die Ausarbeitung des Konzeptes resp. eine Änderung der Totalabschaltung sinnvoll sein», ergänzt Schibli. Trotzdem: Er fühle sich in Windisch noch immer sicher. Philipp Ammon meint, dass er sich Sorgen um die Verkehrssicherheit mache, aber nicht betreffend Kriminalität.

Eine Änderung der Situation ist nicht vorgesehen. Gemeinderat Matthias Treier schreibt: «Die Erfahrung in anderen Gemeinden hat gezeigt, dass sich die Bevölkerung relativ schnell an Nachtabschaltungen gewöhnt, selbst wenn im Vorfeld diesbezüglich Vorbehalte bestanden.»

Aufgrund der ersten Rückmeldungen scheine eine solche Akzeptanz auch in Windisch möglich. Treier fährt fort: «Zwar wurde im Einwohnerrat darüber diskutiert, ob eine Teilabschaltung besser wäre, es wurden jedoch keine Zusatzanträge hierzu gestellt. Somit konnte der Beschluss auch nur so wie formuliert, nämlich als Totalabschaltung, durch den Gemeinderat umgesetzt werden.»

Motionär Schibli kritisiert: «Bei der Motion haben wir die Ausarbeitung eines Konzepts gefordert, das aufzeigen soll, für welche Strassen die Strassenbeleuchtung abgeschaltet werden soll und welche Strassen sinnvollerweise beleuchtet bleiben. Dieses Konzept gibt es leider bis heute nicht.» Treier kontert: «Ich möchte klarstellen, dass ein Konzept zur Nachtabschaltung besteht. Dieses sieht beispielsweise vor, dass rund um den längsten Tag im Jahr die Lampen um 5 Uhr morgens nicht wieder eingeschaltet werden, da es bis zum Tagesanbruch weniger als eine halbe Stunde dauert.» Dadurch werde ein zusätzlicher Spareffekt erzielt und die Lampen geschont, da weniger oft ein- und ausgeschaltet wird.

Repol will «kritisch beobachten»

Insgesamt verzeichnete Ueli Bettler vom Elektrizitäts- und Wasserwerk Windisch neun Rückmeldungen. Vier davon würden die Nachtabschaltung nicht gut finden, drei hatten Fragen zur Verkehrssicherheit. Apropos Sicherheit: «Die Regionalpolizei Brugg wird weitere Erfahrungen sammeln und wenn nötig bei der Gemeinde entsprechende Anträge stellen», sagt Repol-Chef Heiner Hossli. «Vor allem die Lichtabschaltung auf den Kantonsstrassen werden wir bezüglich Sicherheit kritisch beobachten.»