Nachruf
Sie war als «Güsel-Marianne» bekannt und ihrer Zeit voraus

Die engagierte Bruggerin Marianne Rauber-Jaeggli ist 88-jährig gestorben. Noch vor der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz wurde sie politisch aktiv und hat in ihrer Stadt bis heute sichtbare Spuren hinterlassen.

Claudia Meier
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Marianne Rauber (1933-2021) engagierte sich zuletzt für den Fachhochschulcampus Brugg-Windisch.

Marianne Rauber (1933-2021) engagierte sich zuletzt für den Fachhochschulcampus Brugg-Windisch.

Emanuel Per Freudiger (15. August 2014)

Wer Marianne Rauber-Jaeggli persönlich begegnet ist, weiss, dass sie sehr bestimmt auftreten konnte. Weggefährten beschreiben sie als unglaublich engagiert und interessiert. In ihren Bemühungen für eine intakte Umwelt eckte die Bruggerin, die dem Einwohnerrat von 1975 bis 1992 (mit kurzem Unterbruch) angehörte, oft an und wurde manchmal auch belächelt.

Als Mitglied der FDP-Fraktion reichte Rauber am 1. Juli 1988 die Motion «Bewirtschaftung des Abfalls von Brugg» ein, was zum Beinamen «Güsel-Marianne» führte. Rückblickend betrachtet müsse man sagen, dass sie in vielen Belangen eine Pionierin war, heisst es heute aus FDP-Kreisen.

Die Krönung von Königin Elisabeth II. miterlebt

In der Weihnachtsnacht ist Marianne Rauber-Jaeggli – gut zwei Wochen vor ihrem 89. Geburtstag – von den Leiden des Alters erlöst worden, wie es in der Todesanzeige heisst.

Aufgewachsen war sie in Winterthur. Vater Fritz leitete eine Baumwollzwirnerei. Nach der obligatorischen Schulzeit machte sie das Handelsdiplom in Neuenburg. Mehrmals durfte sie Zeit bei Verwandten in England verbringen und war am 2. Juni 1953 in London, als Elisabeth II. zur britischen Königin gekrönt wurde. Die frohe Stimmung im damaligen Grossbritannien vergass Marianne Rauber-Jaeggli ein Leben lang nicht und blieb ein England-Fan.

Ein Dolmetscher-Diplom und vielseitige Berufserfahrung

Das Flair für Sprachen machte Marianne Rauber-Jaeggli zum Beruf. An der Universität Genf erwarb sie das Dolmetscher-Diplom für Deutsch, Französisch und Englisch. Später kam Spanisch hinzu.

In ihrem Berufsleben war sie als Sekretärin in verschiedenen Branchen im In- und Ausland tätig. Mit ihrem Ehemann Paul Emanuel Rauber gründete sie eine Familie. Das Paar zog einen Sohn und zwei Töchter gross.

Als Botschafterin der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bosnien-Herzegowina hielt Andrea Rauber Saxer, die Tochter von Marianne Rauber, am 4. Juli 2019 an der Morgenfeier am Jugendfest Brugg die Festrede.

Als Botschafterin der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bosnien-Herzegowina hielt Andrea Rauber Saxer, die Tochter von Marianne Rauber, am 4. Juli 2019 an der Morgenfeier am Jugendfest Brugg die Festrede.

Alex Spichale

Noch bevor die Frauen in der Schweiz das Stimmrecht hatten, wurde Marianne Rauber-Jaeggli 1970 Mitglied der Freisinnigen Frauengruppe Brugg. Sie sei politisch vorbelastet gewesen, sagte sie 2014 in einem Gespräch mit der AZ und verwies auf Politiker in ihrer und in der Familie ihres 1990 verstorbenen Ehemannes, unter denen sich Persönlichkeiten wie der «Revolutionspfarrer» Jakob Emanuel Feer (1754 bis 1833) oder Johannes Herzog von Effingen (1773 bis 1840), «Bürgermeister des Kantons Aargau» und Industrieller, befunden haben.

Auf die Fachhochschule in Brugg-Windisch war sie stolz

Später engagierte sich Marianne Rauber-Jaeggli als Präsidentin der Freisinnigen Frauengruppe Brugg, als Vorstandsmitglied der Stadtpartei Brugg, der FDP Frauen Schweiz und eben als Einwohnerrätin. Ihr verdankt Brugg das Recycling-Konzept und die grauen Abfallsäcke. Mit ihrer grünen Seele war sie die Vorreiterin der Grünliberalen.

Und als letzte Präsidentin der inzwischen aufgelösten Interessengemeinschaft Fachhochschule Brugg-Windisch war Rauber enorm stolz, dass die IG ihr Ziel erreicht hat.

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