Nachruf
Hans Etter bewunderte die erste Schweizer Ärztin – mit ihr war er auf spezielle Art verbunden

Der frühere Lehrer und Schulinspektor Hans Etter, der in Bözen im Geburtshaus von Marie Heim-Vögtlin lebte, ist fast 92-jährig gestorben. Ein Rückblick auf sein Leben zeigt, wie er sich für die zielstrebige Frau aus dem vorletzten Jahrhundert eingesetzt hat.

Claudia Meier
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Hans Etter (1929 bis 2021) sass oft am Klavier in seinem Arbeitszimmer.

Hans Etter (1929 bis 2021) sass oft am Klavier in seinem Arbeitszimmer.

Bild: Chris Iseli
(28. April 2014)

Er war gerne und oft unterwegs, sei es mit dem Postauto, zu Fuss oder mit dem Velo. Stets beobachtete Hans Etter die Umgebung genauestens, grüsste die Leute nach Möglichkeit mit Namen und zeigte sich gegenüber Neuem aufgeschlossen. Im Herbst 2013, nachdem der Fachhochschul-Campus Brugg-Windisch seinen Betrieb aufgenommen hatte, sagte er in einer AZ-Umfrage:

«Ich bin schon mal rundherum spaziert, war aber noch nicht drin. Von aussen gefällt er mir sehr gut, und vielleicht geh ich mal etwas essen.»

Nach einem achttägigen Spitalaufenthalt und nur drei Tagen im Pflegezentrum Süssbach in Brugg ist Hans Etter, einen Monat vor dem 92. Geburtstag, am 15. Mai verstorben. Zuvor durfte er stets in seinem geliebten alten Pfarrhaus in Bözen wohnen, was ihm überaus wichtig war und ihn immer glücklich stimmte.

Marie Vögtlin verbrachte die ersten 19 Lebensjahre im alten Pfarrhaus in Bözen.

Marie Vögtlin verbrachte die ersten 19 Lebensjahre im alten Pfarrhaus in Bözen.

Bild: Chris Iseli
(28. April 2014)

Der ehemalige Lehrer und Schulinspektor lebte nicht nur im gleichen Haus, in dem 1845 Marie Vögtlin geboren wurde. Mit grosser Leidenschaft und Sorgfalt sammelte er während Jahrzehnten auch alles, was er über die erste Schweizer Ärztin finden konnte. Immer wieder habe er die Schweizerische Post darauf aufmerksam gemacht, dass es sinnvoll wäre, im Jahr 2016 zum 100. Todestag von Marie Heim-Vögtlin eine Sondermarke herauszugeben, betonte er. Dieses sanfte Drängen zeigte schliesslich Wirkung und die Sondermarke erschien.

Er kümmerte sich um einen neuen Strassennamen

Hans Etter regte ausserdem an, dass 2009 das kurze Strassenstück hinter dem alten Pfarrhaus in Bözen den Namen «Marie-Heim-Vögtlin-Weg» bekam. Das Gebäude mit dem grossen Garten, in dem die zielstrebige Marie Vögtlin die ersten 19 Lebensjahre verbracht hatte und von einem Privatlehrer vom Bözberg unterrichtet wurde, konnte Etter 1970 erwerben.

Aufgewachsen war Hans Etter als Sohn eines Käsers in der 100-Seelen-Gemeinde Balzenwil bei Murgenthal. Die Sekundarschule besuchte er im bernischen Roggwil. Da lag es auch nahe, das Lehrerseminar im Kanton Bern zu besuchen. Seine erste Anstellung als Lehrer war am Brienzersee. 1956 wechselte er an die Sekundarschule in Bözen. Ein Grund für den Kantonswechsel war, dass es für das Sekundarlehrerpatent im Aargau keine spezielle Turnprüfung brauchte. «Ich war nicht gut im Turnen und hatte auch Angst, vom 3-Meter-Sprungbrett zu springen», sagte er mal.

Die künstlerische Seite hat er nach Pensionierung ausgelebt

Nach 16 Jahren wechselte er von der Sekundarschule in Bözen nach Windisch. Ein Umzug war für das Ehepaar Etter und die drei Kinder keine Option. Während 12 Jahren war Hans Etter in Brugg nebenberuflich als Schulinspektor tätig. Im Herbst 2012 verlor er nach 51 Ehejahren seine geliebte Elsbeth.

Die künstlerische Seite lebte Hans Etter nach der Pensionierung beim Malen und in der Musik mit grosser Leidenschaft aus. «Du warst immer für uns da. Dich gehen zu lassen, macht uns sehr traurig», schreibt die Familie in der Todesanzeige.