Brugg
Nachfrage nach Hospiz Palliative Care nimmt stetig zu

Das ist ein lebendiger Ort. Dabei sind im dritten Stock des ehemaligen Bezirksspitals Brugg Sterben und Tod allgegenwärtig. Hier befindet sich das Hospiz.

Elisabeth Feller
Drucken
Teilen
Helle, warme, freundliche Zimmer vermitteln Geborgenheit im definitiv letzten Abschnitt des Lebens. Alex Spichale

Helle, warme, freundliche Zimmer vermitteln Geborgenheit im definitiv letzten Abschnitt des Lebens. Alex Spichale

Dorthin ziehen sich unheilbar kranke Menschen zurück, um ihre letzte, meistens nur noch wenige Wochen dauernde Lebensphase zu verbringen – während 24 Stunden umsorgt und begleitet von Pflegefachleuten und Freiwilligen. Die sechs geräumigen Zimmer mit Kochnische wirken auch in dunklen Tagen hell, da die Fenster gross sind und deswegen selbst spärliches Licht in die Räume dringen kann. Helles Mobiliar, Blumen oder ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift «Ich liebe Dich» lassen erahnen, was im Zentrum steht. Cicely Saunders, die Begründerin der modernen Hospizbewegung in Europa, formuliert dies so: «Nicht die lebensbedrohliche Krankheit steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der an ihr leidet in seiner Ganzheit. Seine Würde zu erhalten, ist unser Ziel – Leben bis zuletzt begleiten, der Weg dazu.»

«Der Tod ist kein Notfall», betont Hospiz-Leiterin Margrit Güntert und spielt damit auf das an, was das Hospiz als selbstverständlich betrachtet: Leben und Tod gehören unverbrüchlich zusammen; stirbt ein Mensch, schliesst sich der Lebenskreis. Nichts könnte dies eindrücklicher unterstreichen als die Tatsache, dass in den Räumen, wo sich heute das Hospiz befindet, früher die Gebärabteilung des einstigen Bezirksspitals war. Diese besondere Umgebung durchdringt den Alltag im Hospiz auf eine in allem Tun leise aufscheinende Art und Weise. Vor drei Jahren ist das damalige Hospiz an der Reuss (Klostergebäude Gnadenthal) in Niederwil nach Brugg umgezogen. Mit dem Wechsel wurde eine Namensänderung, zum Hospiz Aargau Palliative Care, vollzogen. Verändert hat sich auch die räumliche Situation. In Niederwil standen dem Hospiz vier Zimmer zur Verfügung, in Brugg sind es sechs. Erwünscht wären acht, «denn die Nachfrage nimmt stetig zu», sagt Elisabeth Imhof, Vizepräsidentin des Aargauer Hospiz-Vereins. Über die Erweiterung wird im Verein gesprochen, doch entschieden ist noch nichts.

Bedeutet eine steigende Nachfrage, dass das Thema Sterben und Tod weniger tabuisiert wird als noch vor einigen Jahren? Margrit Güntert nickt: «Die Menschen werden immer älter, deshalb verändert sich auch ihr Verhältnis dazu.» Wer ins Hospiz eintritt, weiss, dass es nichts mehr zu therapieren gibt. Eine palliative, Schmerzen weitgehend lindernde sowie sensibel auf Wünsche des schwerkranken Patienten reagierende Begleitung sind in dieser letzten Lebensphase das Wichtigste. «Sterbehilfe leisten wir hier aber nicht», stellt Margrit Güntert klar.

«Wie kannst Du diese Arbeit nur tun?», wird Madeleine Fust oft gefragt. Ihre Antwort: «Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel bereichernder das Leben dadurch wird.» Madeleine Fust ist eine von vielen freiwilligen Helferinnen, die ehrenamtlich im Hospiz tätig sind. Sie wollte sich nach 12-jährigem Wirken als Religionslehrerin anders orientieren. Als sie einen Kurs über Sterbebegleitung besuchte, wusste sie sogleich: «Das ist genau das, wonach ich suche.» Seit sechs Jahren hilft Madeleine Fust im Hospiz bei der Pflege mit, liest vor oder ist für die Patienten «einfach nur da». Viele Worte verlieren will sie gar nicht: «Es kommt so viel zurück – auch von den Angehörigen, für die wir ebenfalls Gesprächspartner sind.»

Angehörige schätzen den Ort, wo ihre Liebsten geborgen sind und liebevoll betreut werden. Nicht verwunderlich, dass das Hospiz an seinem neuen Domizil in Brugg innert drei Jahren eine erstaunliche Entwicklung mitgemacht hat. Seit Oktober 2012 befindet es sich auf der Pflegeheimliste. Ist das der richtige Platz? Die Antwort fällt Elisabeth Imhof nicht leicht: «Unser grösster Wunsch ist, dass das Hospiz einen Platz im aargauischen Gesundheitswesen bekommt.» Etwas später fällt dann der Begriff «Hospiz-Strategie.» In einer solchen müsste selbstverständlich verankert sein, was Grundgedanke des Hospizes ist: Unheilbar Kranken und Sterbenden ein behütetes, weitgehend selbstbestimmtes Leben bis zum Tod zu ermöglichen.

Aktuelle Nachrichten