Windisch

«Nachfrage hat massiv zugenommen»: Lockdown hinterlässt Spuren in den Schrebergärten

Reiche Ernte: Alois Steinger freut sich über frohen Wuchs in seinem Garten.

Reiche Ernte: Alois Steinger freut sich über frohen Wuchs in seinem Garten.

Im Coronasommer steigt die Nachfrage nach Parzellen im Schrebergarten. Ein Besuch beim Präsidenten der Gartenfreunde in Windisch.

Homeoffice und Kurzarbeit: Auch im Schrebergarten hinterlässt der Lockdown seine Spuren. «Die Nachfrage nach Parzellen hat massiv zugenommen», sagt Alois Steinger. Seit neun Jahren amtet der 74-Jährige als Präsident der Gartenfreunde Sommerau in Windisch. Bis zu zwölf Familien stehen derzeit auf der Warteliste. Bei durchschnittlich drei bis vier Abgängen pro Jahr entspricht dies einer Wartezeit von bis zu vier Jahren. Aufgrund der grossen Nachfrage wurde die Warteliste nun sistiert, es werden bis auf weiteres keine Anfragen mehr entgegengenommen.

«Eine Zeit wie diese habe ich noch nie erlebt», sagt Steinger. Die Auflagen des Bundes zur Eindämmung der Pandemie galten auch für Schrebergärten. Das Clubhaus, das Platz für 60 Personen bietet, musste geschlossen werden, ebenso der Spielplatz und die neue Bocciabahn, die im Juli feierlich hätte eröffnet werden sollen. Zudem mussten Desinfektionsmittel bereitgestellt und die Toiletten häufiger gereinigt werden. Ein grosser Mehraufwand.

Das Vereinsleben ist geprägt von Geselligkeit. Während des Lockdowns war dies nicht möglich. Feste und Anlässe mussten abgesagt werden. Das Lottospiel im Oktober und der Chlaushock im Dezember werden voraussichtlich ebenfalls abgesagt. «Wir sind in der Verantwortung», sagt Steinger. Der umtriebige Präsident nimmt die Auflagen sehr ernst. So rief er zu Coronaspitzenzeiten im April und Mai auch schon einmal die Polizei, weil sich einige Vereinsmitglieder nicht an das Versammlungsverbot hielten.

Rund 40 Prozent mehr sind diesen Sommer zugegen

Die Anlage der Gartenfreunde Sommerau am Aaredamm bietet 104 Parzellen mit jeweils rund 140 m2 Fläche. Vertreten sind 13 Nationen, von Afghanistan bis Vietnam. Diese Vielfalt von kulturellen Hintergründen mache es für den Vorstand nicht immer einfach, die Statuten und Reglemente durchzusetzen, sagt der Präsident. Dennoch funktioniere das Zusammenleben in der Regel reibungslos.

Der Lockdown hat bei den Gartenfreunden Sommerau in Windisch seine Spuren hinterlassen.

Der Lockdown hat bei den Gartenfreunden Sommerau in Windisch seine Spuren hinterlassen.

Der Altersdurchschnitt beträgt rund 50 Jahre und ist in den letzten Jahren stetig gesunken. «Es kam zu einer Verjüngung, da mehr Familien mit Kindern dazugekommen sind.» Bei der Vergabe der Parzellen achtet der Präsident auf eine Durchmischung der Nationalitäten, um so eine Gruppenbildung zu vermeiden. «Ich glaube, das tut dem Vereinsleben gut», sagt er. In diesem Sommer verbringen ausserordentlich viele der Pächter ihre Sommerferien im Schrebergarten. Rund 40 Prozent mehr Menschen seien zugegen, schätzt Steinger. In anderen Jahren ist der Sommer jeweils eher ruhig, da viele der ausländischen Pächter in ihre Heimatländer reisen. Aufgrund der Reisebeschränkungen würden sich viele nicht ins Ausland trauen. Falls sich dennoch ein Vereinsmitglied über die Grenze wagt und sich danach in Quarantäne begeben muss, ist die Organisation unter den Pächtern sehr wichtig, damit der Garten dennoch versorgt wird.

Erst im Herbst gibt es für den Präsidenten Ferien

Steinger selbst verbringt jeden Sommer im Schrebergarten. Der ehemalige Grosskundenbetreuer einer Versicherung wohnt nur rund 300 Meter von der Anlage entfernt. Tagtäglich ist der begeisterte Hobbywinzer vor Ort und sorgt für Ruhe und Ordnung. Erst nach Ende der Vegetationsperiode, im Herbst oder Winter, verreist er mit seiner Frau jeweils für ein paar Tage. Zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins im Jahr 2024 hat sich Steinger vorgenommen, als Präsident zurückzutreten. Bis dahin soll ein Nachfolger gefunden werden, der das Amt mit ebenso viel Herzblut ausübt. «Man muss mit Leib und Seele dabei sein.»

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