Die gestandenen Männer – einer über 50, der andere über 60 Jahre alt – sind Nachbarn. Auf die Fragen von Einzelrichterin Gabriele Kerkhoven gaben sie klare und überlegte Antworten. Eine leichte Anspannung war ihnen aber anzumerken. Der Ältere, das graue Haar etwas weniger dicht und weniger lang als beim Jüngeren, führt eine Metzgerei. Drohung wurde ihm als strafbare Handlung zur Last gelegt.

Ereignet hatte sich der Vorfall im April vor zwei Jahren. Gemäss Anklageschrift hat der Metzger seinem Nachbarn angedroht, er werde ihm mit einem «Stäcke de Ranze verchlopfe». Der Metzger hatte «gar keine Erinnerungen» mehr an den Vorfall. Der Nachbar aber erinnerte sich daran, dass an jenem frühen Morgen Schweine angeliefert und ausgeladen wurden, er durch den Lärm geweckt wurde. Er habe das Geschehen mit einer Tonaufnahme mit seinem Handy dokumentieren wollen. Plötzlich sei der Metzger mit einer Schaltafel in den Händen auf ihn zugerannt. Er sei erschrocken, habe Angst gehabt und gedacht, dieser haue ihm das Brett gleich über den Kopf. Der sei so hässig gewesen.

Seit Jahren gibt es Knatsch

Dem Nachbarn wurden Verletzung des Privatbereichs durch Aufnahmegeräte sowie üble Nachrede zur Last gelegt. Er habe den Metzger wissentlich und willentlich beschuldigt, heisst es in der Anklageschrift, die Zeugenaussagen zwei seiner Mitarbeiter geprobt zu haben und seine Mitarbeiter auch zu falschen Zeugenaussagen zu seinen Gunsten bewegt zu haben.

Die Zeugen, die inzwischen nicht mehr in dieser Metzgerei arbeiten, sagten ebenfalls aus vor Gericht. Sie stellten klar in Abrede, dass Absprachen stattgefunden hatten. Und dass ihr früherer Chef dem Nachbarn gedroht haben soll, konnten sie nicht bestätigen. Die Schaltafeln würden jeweils als Absperrung verwendet, damit die Schweine nicht wegrennen können. Sein Chef sei zwar aufgebracht gewesen und habe den Nachbarn aufgefordert, das Filmen sein zu lassen. Dass er aber Gewalt habe anwenden wollen, könne er sich nicht vorstellen, sagte einer der Zeugen. Vielmehr bezeichnete er den Nachbarn als einen unliebsamen Zeitgenossen, mit dem es seit Jahren immer wieder Knatsch gegeben habe.

Aufwand ist nicht verhältnismässig

Tatsächlich berichtete der Fernsehsender Tele M1 schon 2016 über das angespannte Verhältnis der beiden Männer. Der Nachbar machte für den Beitrag Aufnahmen des Metzgerei- und Schlachtbetriebs zugänglich. Werden früh am Morgen Tiere mit Transportern, Traktoren und Anhängern angeliefert, sagte er damals, sei nicht mehr an Schlaf zu denken wegen des Lärms. Zigmal, wurde im Beitrag ausgeführt, habe er die Metzgerei angezeigt.

Er dokumentiere das Geschehen auf dem Vorplatz der Metzgerei seit Monaten mit Video- und Audioaufnamen, bestätigte der Nachbar vor dem Bezirksgericht auf die Frage von Garbriele Kerkhoven. Wieso er mit einer Überwachungskamera Aufnahmen gemacht habe, obschon ihm das vom Rechtsvertreter des Metzgers explizit untersagt worden war, wollte die Gerichtspräsidentin wissen. Es könne sein, dass er dies im Schreiben übersehen habe, räumte der Nachbar ein.

Der Rechtsanwalt des Nachbarn forderte einerseits, die Videoaufnahmen zuzulassen als Beweismittel und andererseits einen Augenschein durchzuführen vor Ort, um die Situation beurteilen zu können. Der Rechtsvertreter des Metzgers dagegen erachtete einen Augenschein als nicht nötig. Die Videoaufnahmen, die einen privaten Bereich zeigen, seien nicht zulässig, stellte er fest. Gefordert waren in beiden Fällen Geldstrafen von 30 Tagessätzen sowie Bussen von 300 Franken.

Ein Urteil musste allerdings nicht gefällt werden in diesem Nachbarschaftsstreit. Nach einer Verhandlungspause kamen die Beteiligten überein, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen. Sie sprachen sich dafür aus, das Verfahren einzustellen, und sie einigten sich darauf, die Strafanträge zurückzuziehen und die Parteikosten selber zu übernehmen.