Brugg-Windisch
Nach Zöliakie-Diagnose: Diese Glutenfee bäckt neu im Campus

Die Studentin Lisa Klaus (20) erweitert das Backwaren-Angebot in der bekannten Studenten-Bar um glutenfreie Desserts.

Claudia Meier
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Lisa Klaus will sich trotz Zöliakie so normal wie möglich ernähren.
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Die Glutenfee bäckt neu im Campus
Zum ersten Mal kommt der grosse Spritzsack zum Einsatz.
So sehen die Marroni-Muffins nach dem Backen aus.

Lisa Klaus will sich trotz Zöliakie so normal wie möglich ernähren.

Raphaël Leibundgut/ZVG

Wer Studentin Lisa Klaus in der Campus-Bar der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch beim Backen beobachtet, kann sich kaum vorstellen, dass die letzten zwölf Monate für die 20-Jährige eine einzige Berg-und-Tal-Fahrt bedeuteten.

Alles begann während ihres Auslandaufenthalts in den USA. Immer wieder wurde es Lisa Klaus nach dem Essen schlecht. Sie landete im Notfall. Zurück in der Schweiz gingen die Abklärungen weiter, bis sie nach vier Monaten die Diagnose Glutenintoleranz (Zöliakie) erhielt.

Nach einer Magenspiegelung stand die Überempfindlichkeit gegen Bestandteile von Gluten, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiss, fest. «Diese Erkenntnis war sehr schlimm für mich», sagt Klaus später am Tisch und streift mit der Hand durch ihre langen, blonden Haare.

Während zweier Monate habe sie jeden Abend zu Hause am Computer recherchiert, was es mit der Krankheit auf sich hat und was sie beim Essen beachten muss, sagt die angehende Primarlehrerin.

Zöliakie kann sich in jedem Alter bemerkbar machen und lässt sich weder mit Medikamenten behandeln noch heilen. In der Zwischenzeit hat sich Lisa Klaus mit der Krankheit abgefunden. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Mutter und ihrer Schwester, die den Menüplan teilweise ebenfalls angepasst haben.

Den Chef an der Kasse verlangt

Auf einen feinen Zopf wollte die Baslerin aber nicht länger verzichten und begann, selber mit glutenfreiem Mehl zu backen. Das Experimentieren mit verschiedenen Zutaten – auch für Süssgebäck – machte Lisa Klaus Spass und sie bekam gute Rückmeldungen. «Mach doch einen Laden auf!», sagte die Familie ihres Freunds.

Er war es auch, der seiner Freundin zum Geburtstag den Namen «Glutenfee» gab und für sie im August auf Facebook eine entsprechende Seite erstellte. Statt einen eigenen Laden zu eröffnen, fragte Lisa Klaus bei aus ihrer Sicht passenden Geschäften in Basel an, ob sie an ihren Backwaren wie Cantuccini oder Amaretti interessiert seien. Ohne Erfolg.

Als die Studentin mit einer Freundin wieder einmal in der Campus-Bar für einen Café anstand, ärgerte sie sich, dass kein glutenfreies Gebäck im Angebot war. An der Kasse verlangte sie den Chef.

Ralf Gerlach vom SV Restaurant hatte offene Ohren für ihr Anliegen. Nach wenigen Gesprächen waren sich Klaus und Gerlach einig. Seit Ende Oktober steht die 20-Jährige nun zweimal pro Woche während zweier Stunden hinter der Theke in der Campus-Bar und bereitet vor Ort Cantuccini, Brownies oder wie am vergangenen Mittwoch Marroni-Muffins zu. Das Restaurant kauft die Zutaten ein und Lisa Klaus wird im Stundenlohn bezahlt.

Gäste schätzen das Engagement

Bei der Zubereitung ist es besonders wichtig, dass der Backofen zuvor gründlich gereinigt wird, denn die kleinsten Rückstände von konventionellen Backwaren können bei den Glutenintoleranten extreme Reaktionen hervorrufen.

Das neue Angebot kommt an der FHNW gut an. «Die vielen positiven Rückmeldungen freuen mich sehr. Die Gäste schätzen es, wenn sie etwas Hausgemachtes konsumieren können», sagt Lisa Klaus. Restaurant-Leiter Ralf Gerlach ist überzeugt, dass die BarBesucher das grosse Engagement einer Direktbetroffenen schätzen.

Als ihre ersten selbst gemachten Cantuccini in der Campus-Bar zum Verkauf standen, hatte die Baslerin vor Rührung feuchte Augen. Sämtliche Backwaren sind nicht nur gluten-, sondern auch laktosefrei.

«Damit kann ich gleich zwei Zielgruppen ansprechen», so Klaus weiter. «Falls das Gebäck vegan ist, würde ich dies ebenfalls deklarieren. Ich will aber nicht grundsätzlich auf Eier verzichten.»

Die junge Frau gibt ihre Erfahrungen gern an Interessierte weiter. Sie träumt bereits von einer kleinen Bäckerei in Basel. Doch vorerst hat das Studium an der Pädagogischen Hochschule der FHNW Priorität. «Ich gehe schrittweise vor. Da ich noch jung bin, stehen mir alle Wege offen.»

Nach einem Jahr mit der unheilbaren Krankheit zieht Lisa Klaus überraschend begeistert Bilanz: «Dank dieser Diagnose habe ich für mich und andere etwas Tolles erreicht. Ich freue mich über jede Unterstützung – und sei es nur ein Like auf Facebook.»

Auch wenn es oft nicht einfach ist, so lasse es sich mit Zöliakie doch ganz gut leben, sagt sie. Dass es immer mehr glutenfreie Produkte auf dem Markt gibt, habe einerseits mit einem Trend und andererseits mit gesundheitlichen Gründen zu tun. «Ich mache all das ja nicht freiwillig, sondern weil ich mich trotz Zöliakie so normal wie möglich ernähren möchte», bringt es Lisa Klaus auf den Punkt.

Wie das an der Basler Herbstmesse funktioniert, hat sie ihren Freunden vor wenigen Tagen bewiesen: Die 20-Jährige nahm von zu Hause selbst gebackenes glutenfreies Magenbrot mit, das auch im Freundeskreis gut ankam, so ganz nach dem Motto von Lisa Klaus «Glutenfrei, na und?».