Brugg-Lauffohr
Nach Vandalen-Akt: «Ich will meine ‹Planetarier› nicht einfach einsperren»

Am Samstag schlugen die Täter zu: Sie brachten die Kunstfiguren bei der Shell-Tankstelle und dem Migrolino-Shop in Brugg-Lauffohr mit Gewalt zu Fall. Werner Notbauer, Besitzer der Figuren, ist schockiert. Von einem Zaun will er aber nichts wissen.

Elisabeth Feller
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Die beliebten «Planetarier» liegen am Boden: Wieder einmal sind sie Opfer eines Vandalenaktes geworden.

Die beliebten «Planetarier» liegen am Boden: Wieder einmal sind sie Opfer eines Vandalenaktes geworden.

Einige liegen mit ihren Gesichtern nach unten auf dem Boden. So, als ob sie sich den Augen einer entsetzten Öffentlichkeit entziehen wollten. Doch das gelingt den «Planetariern» nicht, die am Samstagmorgen Opfer eines Vandalenakts wurden (die az berichtete). Auf einem Video ist zu sehen, wie ein unbekannter Personenwagen zur Shell-Tankstelle und zum Migrolino-Shop an der Zurzacherstrasse (Lauffohr) fuhr und dort hielt. Dann stiegen drei Männer aus und warfen mit roher Gewalt acht massig-verspielte, bunte Kunstfiguren um. Die private Videokamera hielt den Vorgang, den die Täterschaft mit Handy filmte, fest.

Werner Notbauer, Besitzer der Kunstfiguren und seine Frau, Pächterin der Tankstelle, sind schockiert. «Wir können diese Tat einfach nicht verstehen», sagt das Ehepaar, das innerhalb zweier Jahre schon viermal erleben musste, wie die Figuren beschädigt wurden. Für Notbauer fällt der auf 5000 Franken geschätzte, von ihm selbst zu berappende Schaden zwar ins Gewicht, doch es ist etwas anderes, das ihn primär schmerzt: «Das war eine geplante Sache; die haben das ja sogar mit dem Handy gefilmt», sagt er.

Werner Notbauer hängt an den «Planetariern» des Wiener Künstlers Dieter Schwertberger (1942). Dieser hatte sie im Auftrag von François Loeb zur 800-Jahr-Feier der Stadt Bern 1991 geschaffen. Schwertberger bemalte sie damals in den Schaufenstern des Berner Kaufhauses Loeb mit Acrylfarbe. François Loeb wollte die Kunstfiguren der Stadt schenken, doch diese lehnte das Präsent ab. Begründung: Zu grosser Unterhaltsaufwand und Angst vor Vandalenakten.

Loeb stellte die Figuren daraufhin auf einer Wiese bei Murten aus, bevor sie vor einigen Jahren versteigert wurden und Notbauer einige erwerben konnte. Mittlerweile haben sie eine gewisse Bekanntheit erlangt: «Die Menschen lassen sich gerne vor den Figuren fotografieren», sagt Notbauer. Als die «Planetarier» immer wieder beschädigt wurden, rief das auch den Künstler Dieter Schwertberger auf den Plan. Er kam mehrmals nach Brugg und bemalte seine Figuren neu.

Die «Planetarier» verkörpern für den Österreicher den Planeten «in seiner vollen Grösse.» Sollten die Figuren etwas bewirken? «Nein», sagt Schwertgerber, «ich finde es aber schön, wenn Menschen die positive, beschützende Ausstrahlung meiner ‹Planetarier› wahrnehmen.»

Künstler Schwertberger weiss bisher noch nicht sehr viel über den jüngsten Akt, doch er sagt: «So kann es nicht weitergehen.» Wie denn? Besitzer Notbauer seufzt leise auf: «Ich werde die Figuren wieder auf die Beine stellen und versuchen, sie etwas herzurichten, bis Dieter Schwertberger im März nach Brugg kommt.» Hat Notbauer nie an einen Zaun für die «Planetarier» gedacht? «Einsperren? Nein. Ich will diese Figuren zeigen.» Der Brugger wird jetzt Sturmanker anbringen, die zwar Wind und Sturm trotzen, bei Gewalt jedoch flexibel reagieren. Für Roland Pfister, Kommunikationschef der Kantonspolizei Aargau, ist das, was passiert ist, nicht überraschend. «Vandalismus ist ein Dauerthema», sagt er. «Ein solcher Akt hat stets mit mangelndem Respekt zu tun.» Derzeit sind die üblichen polizeilichen Abklärungen im Gang. Als «Glücksfall» empfindet Pfister das Vorhandensein eines Videos mit «vielversprechenden Bildern.»

Angaben über Fahrzeug oder Täterschaft bei der Kapo unter 0628358500.