«Wir hätten grosse Mühe, wenn wir das hier auflösen müssten», sagt Hedi Muntwiler im Lernatelier «s’Leiterli» an der Brugger Hauptstrasse. Ihr Ehemann und Gründer des Lernateliers, Ewald Muntwiler, verunfallte wenige Tage vor Weihnachten. Er fiel beim Schneiden der Bäume aus rund sechs Metern Höhe von der Leiter und starb kurz darauf an den Folgen der schweren inneren Verletzungen.

Seit über zehn Jahren holen sich Kinder und Erwachsene im «Leiterli» Unterstützung für die Fächer Mathematik, Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch. Lehrer Ewald Muntwiler gründete das Lernatelier neben seiner Tätigkeit als Bezirksschullehrer. «Die gezielte Förderung der Kinder lag ihm immer am Herzen», sagt Hedi Muntwiler. Weil er mit dem System an der öffentlichen Schule zunehmend unglücklich war, baute er das Lernatelier später aus.

Vor eineinhalb Jahren kam für den nun im Alter von 71 Jahren verstorbenen Muntwiler ein Nachfolger ins Spiel. Doch es habe dann letztlich nicht geklappt, berichtet seine Frau. Ihr Mann arbeitete bis zum Tod noch jeden Tag im «Leiterli» und unterrichtete viele Kinder in Mathematik. Einen Stellvertreter hatte er nicht.

Lehrperson als Geschäftsführer

Das ist keine einfache Situation für die Trauerfamilie, die bisher nicht in die operative Tätigkeit des Lernateliers involviert war. Sie hat mit allen Lehrpersonen abgemacht, dass der Betrieb des «Leiterlis» bis Ende Januar normal weiterlaufen soll. Alle Kinder werden von den Lehrpersonen direkt informiert.

Bereits kommen auch wieder neue Anfragen. «Wir wollen keine Kinder verlieren und suchen dringend eine gute Nachfolgelösung, um alles sauber zu übergeben», so Muntwiler. «Finanziell interessant ist es eigentlich nur, wenn man auch selber unterrichtet.» Die Familie sucht also eine Lehrperson. «Ein Manager würde nicht zur Philosophie des ‹Leiterlis› passen. Es braucht den direkten Kontakt zu den Schülern», fährt sie fort.

Schliessung nicht ausgeschlossen

Das wäre sicher auch im Sinne des Verstorbenen, der im Vorfeld immer mit den Eltern ein Gespräch führte. Er habe stets eine Lösung gefunden, wie er den Kindern helfen könne, sagt seine Frau. «Die Kinder sind immer gerne gekommen.» Viel Zeit bleibt der Familie für die Suche nach einer Nachfolgeregelung nicht. Dazu Hedi Muntwiler: «Wir können nicht jeden Monat so lösen wie im Januar.» Kinder, Eltern und Lehrpersonen müssen wissen, wie es weitergeht. Zeichnet sich keine Lösung ab, wird das «Leiterli» geschlossen.