Lupfig
Nach Turbulenzen: Alters- und Pflegeheim Eigenamt muss beim Personal sparen

Schwierige Zeiten hat das Lupfiger Altersheim Eigenamt hinter sich. Die finanziellen Nachwirkungen sind heftig. Schwarze Zahlen schreibe man wohl erst 2018 wieder, sagte Geschäftsführer Hanspeter Müller an der GV am Mittwochabend.

Claudia Meier
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Das Altersheim Eigenamt schreibt frühestens 2018 wieder schwarze Zahlen. (Archiv)

Das Altersheim Eigenamt schreibt frühestens 2018 wieder schwarze Zahlen. (Archiv)

Emanuel Per Freudiger

Das Alters- und Pflegeheim Eigenamt, das von den vier Gemeinden Birr, Birrhard, Lupfig und Scherz getragen wird, hat eine turbulente Zeit hinter sich. Ursi Berger, die seit April 2015 mit einem neuen Vorstand zusammen als Präsidentin des Altersheimvereins Eigenamt wirkt, begrüsste die 59 Mitglieder (von 369) an der Generalversammlung am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle in Lupfig mit den Worten: «Ich habe diese Aufgabe unterschätzt. Es hatte noch viel mehr Baustellen, als ich annahm.» Wer wann was falsch machte, sei aber schwierig zu sagen, denn Fehler seien nicht nur in den letzten beiden Jahren passiert, so Berger.
Abrechnung vom Umbau fehlte
Zu den personellen Unruhen nach der Freistellung von acht Angestellten im Februar 2015 kam der Norovirus und der vom Kanton verfügte Aufnahmestopp. Dieser führte zwischenzeitlich zu 10 leeren Betten (bei einer Kapazität von 49 Betten), was sich auch negativ auf die Jahresrechnung auswirkte. Bei der Aufarbeitung wurde dem neuen Vereinsvorstand bald klar, dass eine Rückschau bezüglich Führung des Heims über viele Jahre hinweg angebracht schien.

Alle Aufgabenbereiche sollten analysiert und mit den jeweiligen Vorschriften und Gesetzen in Einklang gebracht werden. So zeigten sich auch Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Umbau im Jahr 2013, was die Rechnung 2014 beeinflusste. Weil eine Bauabrechnung fehlte, wurde Walter Tschudin vom Brugger Architekturbüro SIA Tschudin + Urech AG beigezogen, um in mühsamer Kleinarbeit eine solche zu erstellen.

Tschudin informierte, dass eine erhebliche Summe für den Umbau über Betrieb und Unterhalt abgerechnet wurde. Nach seiner Aufstellung wurden zwischen April 2012 und Ende 2014 rund 2 Mio. Franken in Bauarbeiten investiert. Vorstandsmitglied Roland Bodenmann, zuständig fürs Ressort Bau und Infrastruktur, machte kein Geheimnis daraus, dass die Dokumentation unvollständig war und sowohl Werkverträge wie auch Abnahmeprotokolle fehlten.
«Wir stehen alle vor einer unbefriedigenden Situation», betonte Bodenmann. Nach Rücksprache mit einem Baurechtsprofessor habe der Vorstand allerdings beschlossen, keinen Prozess anzustreben, weil die Aussicht auf Erfolg sehr klein sei. Die Zusatzkosten für die Aufarbeitung wurden dem verantwortlichen Architekten vor wenigen Tagen in Rechnung gestellt. Auf die Frage eines Mitglieds, wie der Architekt ohne Bauabrechnung zu seinem Honorar kam, sagte Bodenmann: «Ich kann das nicht erklären.» Daraufhin fügte ein anderes Mitglied an: «Die Leute, die das verbrochen haben, sind nicht entlastet.» Die Bauabrechnung wird nun ad acta gelegt mit dem Vermerk, dass die Mitglieder nicht darüber abgestimmt haben.
Diverse Fehlbuchungen festgestellt
Die zweite externe Prüfung, die der neue Vorstand in Auftrag gab, betraf die finanzielle Situation in den Jahren 2014 und 2015. «In der Buchhaltung 2014 wurden diverse Fehlbuchungen festgestellt, mehrfach geltende Rechnungslegungsgrundsätze verletzt und Differenzen in der Buchhaltung ohne Aufarbeitung ausgebucht», schreiben Geschäftsleiter Hanspeter Müller und Administrationsleiterin Béatrice Böhringer in ihrer Zusammenfassung.

Präsidentin Ursi Berger betonte: «Wir haben keine Hinweise auf Unterschlagungen.» Die Redi Treuhand AG unterstützte das Haus Eigenamt bei der längst fälligen Umstellung auf die neue Rechnungslegung. «Für den Betrieb und den Verein braucht es nach dem heutigem Gesetz keine separaten Rechnungen mehr», fuhr Berger fort. Zudem sei die Mehrwertsteuerpflicht wieder ein Thema. «Hier müssen wir Rückzahlungen für die letzten fünf Jahre leisten», so die Präsidentin.

Beim Betriebsergebnis der Jahresrechnung 2015 resultiert ein Minus von 1,1 Mio. Franken. Unter anderem haben die vielen Personalwechsel und Doppelmandate ein Loch in die Kasse gerissen.

Geschäftsführer Hanspeter Müller, der seit dem 1. Januar in einem 20-Prozent-Teilzeitpensum im Haus Eigenamt fest angestellt ist, zeigte auf, dass frühestens im Jahr 2018 wieder mit schwarzen Zahlen zu rechnen ist. Für das laufende Jahr ist ein Minus von 531 632 Franken budgetiert und für 2017 fehlen rund 180 000 Franken.

«Wir haben sicher beim Personal noch Optimierungspotenzial», sagte Müller, der in den vergangenen Monaten Einblicke in andere Heime hatte. «Nicht alle Bewohner müssen jeden Tag bis morgens um 8 Uhr geduscht oder gebadet sein.» In den nächsten zwei Jahren sollen die Personalkosten um etwa 400 000 Franken auf 3,23 Mio. Franken gesenkt werden.

Zur Diskussion steht auch die Abschaffung der Tagesreduktion von 15 Franken für Bewohner aus den vier Trägergemeinden. «Als Betrieb können wir uns diese Subvention nicht länger leisten», so Müller weiter. Vizepräsident Mark Büttikofer, zuständig für die Strategie, erklärte, dass derzeit als neue Rechtsform eine gemeinnützige Aktiengesellschaft geprüft wird.

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