Hausen
Nach stolzen 125 Jahren hat diese Dorfmusik schon viele Facetten

Die Musikgesellschaft feiert ihr 125-jähriges Bestehen mit dem Jubiläumskonzert am 12. November.

Irene Hung-König
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Die Musikgesellschaft Hausen feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Drei Jahre kam sie ohne Dirigent aus, heute ist Sabrina Fehlmann (ganz rechts) dafür zuständig.

Die Musikgesellschaft Hausen feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Drei Jahre kam sie ohne Dirigent aus, heute ist Sabrina Fehlmann (ganz rechts) dafür zuständig.

zvg

Montagabend, Probezeit im Musikzimmer des Mehrzweckhallengebäudes: Der Grossteil der Musikanten ist schon da. Jacken werden ausgezogen und über die Stuhllehne gehängt, Instrumente aus den Koffern geholt und die Notenblätter gemäss Konzertabfolge auf den Notenständern platziert.

Was auffällt: Unter den vielen langjährigen Mitgliedern hat es auch einige junge, unter 20-jährige Musikantinnen und Musikanten. Ehrenpräsident Heinz Byland begrüsst alle zur Probe, ehe Dirigentin Sabrina Fehlmann übernimmt. «Wir haben nur noch wenige Proben. Bitte schreibt euch die Notizen gleich rein und übt zu Hause», erklärt sie, die seit vier Jahren in Hausen den Taktstock schwingt.

«Celebrity» und die Polka «Unter Donner und Blitz» werden gespielt. Sabrina Fehlmann nickt zufrieden: «Das war gut, wenn man bedenkt, dass wir das schon länger nicht mehr gespielt haben.»

Zu «Walking on Sunshine» wippen die Füsse der Frauen und Männer im Takt. «Da müsst ihr sauber durchzählen und schön im Tempo bleiben.» Das nächste Lied heisst «Ne partez pas sans moi», einige summen die Melodie, mit der Céline Dion 1988 am Concours Eurovision de la Chanson für die Schweiz gewann.

Brunch anstelle von Ständchen

Ehrenpräsident Heinz Byland leitet die Geschicke der Musikgesellschaft ad interim gemeinsam mit Kassier Marc Studerus und Aktuarin Karin Ammann. Vor allem in diesem Jubiläumsjahr unterstützt André Keller das Trio tatkräftig.

Er war während 30 Jahren im Vorstand und spielt in der MG Hausen, um ein traditionelles Hobby mit modernen Aspekten zu pflegen. «Speziell bei uns ist, dass wir in einer Gemeinschaft von einer 12-Jährigen bis zu 80-jährigen Männern und Frauen zusammen spielen. Das sieht man nicht oft», sagt André Keller.

Bedenkenswert sei auch, dass nur in der Gemeinschaft das Ganze zum Erfolg führe. In einer Musikgesellschaft zu sein, bedeute auch, als Dorfmusik präsent zu sein, Termine einzuhalten. Wobei es schon weit weniger öffentliche Auftritte im Dorf gebe, meint Heinz Byland: «Früher traten die Musikgesellschaften an den Festen auch als Tanzmusik auf.» Geburtstagsständchen kämen ebenfalls nicht mehr so häufig vor.

«Wir haben vor zirka fünf Jahren damit begonnen, die Jubilare auf einen Brunch einzuladen. Dies, weil die Jubilare offensichtlich überfordert waren und meinten, sie müssten nebst Apéro auch noch etwas in die Vereinskasse zahlen», führt Keller aus. «Doch deswegen gingen wir nicht spielen, es war einfach als schöne Geste gedacht.»

24 Mitglieder gehören der MG Hausen an, die in der 3./4. Stärkeklasse spielt. Neue Mitglieder wären sehr willkommen, auch wenn der Nachwuchs mit den vier Jungmusikanten Kerim Köseoglu sowie Colin, Kian und Vivien Studerus bereits bestens integriert ist. Speziell ist, wie Heinz Byland vor 25 Jahren in den Verein kam: 1991 richteten die Hausener zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum den Aargauischen Musiktag aus: «Ich bin da buchstäblich reingerutscht, denn ich war beruflich im Musiktag-OK engagiert.»

Dann trat der MG-Präsident auf Ende trat zurück und Byland sagte – als Nicht-Blasmusikant notabene – mit Ach und Krach «Ja». André Keller: «Er wurde sogleich als Präsident gewählt.» Heinz Byland spielte zuvor Akkordeon und Hammond-Orgel und musste deshalb zunächst in den Blasmusikunterricht, um das Tenorhorn-Spiel zu erlernen.

Die MG Hausen ist eine relativ kleine Musikgesellschaft und sieht sich als Familie. Seit Jahren seien dieselben Leute dabei. «Uns zeichnet aus, dass wir nie den Kopf hängen liessen», sagt André Keller.

Während dreier Jahre hatte die MGH keinen Dirigenten, trotzdem wurde immer ein Konzert auf die Beine gestellt. In einer kleinen MG komme es auf jeden Einzelnen an. «Jeder bei uns ist ein Solist», sagt Heinz Byland. Wenn einer von zwei Trompetenspielern fehlt, merke man das stärker als bei Vereinen, die fünf Trompeter in ihren Reihen haben.

Jubiläumskonzert Samstag, 12. November, mit Nachtessen ab 18.45 Uhr. Reservationen unter www.mg-hausen.ch oder Telefon: 056 442 67 08.

Die Musikgesellschaft hat Höhen und Tiefen hinter sich Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums und weil die Hausener auch damals den Aargauischen Musiktag ausrichteten, wurde eine Vereins-Chronik herausgegeben. Aus dieser geht hervor, dass die Musikgesellschaft Hausen (MGH) 1891 durch einige wenige Männer gegründet wurde. Ziel und Zweck war «die Pflege und Hebung der Blech-Instrumentalmusik, die Förderung des geselligen Lebens sowie die Mitwirkung bei öffentlichen Anlässen». Bereits in den ersten Jahren wurden die Musikanten für öffentliche Auftritte gebucht: So waren sie beim Männerchor für die Tanzmusik zuständig und erhielten dafür 20 Franken. Das erste Theaterstück hiess «Das liederliche Kleeblatt» und wurde 1894 aufgeführt. 1900 erhielten die Hausener ihre erste Uniform. 1905 musste der Hauser Musiktag abgesagt werden, da sich nur die vier Vereine Brugg, Birmenstorf, Lupfig und Seon angemeldet hatten. Um trotzdem ihr Können zu beweisen, nahm die MGH im Mai desselben Jahres am Mittelaaargauischen Musikfest in Wohlen teil und schlossen dieses im 1. Rang ab. Da zu wenig Lorbeerkränze vorhanden waren, mussten diese per Post zugeschickt werden. Den grössten Erfolg verzeichneten die Hausener 1957 am Eidgenössischen Musikfest in Zürich: Mit zweimal «vorzüglich» wurden ihre Vorträge bewertet. Auch wenn die Gründerzeit euphorisch verlief – zu Zeiten der beiden Weltkriege musste der Verein mangels Mitglieder und verunmöglichter Proben fast aufgelöst werden (1914 und 1932). Das Jahreskonzert, der Musig-Brunch und die Auftritte während der Weihnachtszeit gehören zu den allgemeinen Auftritten im Dorf. Die Ständchen zu hohen Geburtstagen sind weniger geworden, dafür in bester Erinnerung: «Das waren manchmal ganz tolle Feste», erinnert sich Ehrenpräsident Heinz Byland. (ihk)

Die Musikgesellschaft hat Höhen und Tiefen hinter sich Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums und weil die Hausener auch damals den Aargauischen Musiktag ausrichteten, wurde eine Vereins-Chronik herausgegeben. Aus dieser geht hervor, dass die Musikgesellschaft Hausen (MGH) 1891 durch einige wenige Männer gegründet wurde. Ziel und Zweck war «die Pflege und Hebung der Blech-Instrumentalmusik, die Förderung des geselligen Lebens sowie die Mitwirkung bei öffentlichen Anlässen». Bereits in den ersten Jahren wurden die Musikanten für öffentliche Auftritte gebucht: So waren sie beim Männerchor für die Tanzmusik zuständig und erhielten dafür 20 Franken. Das erste Theaterstück hiess «Das liederliche Kleeblatt» und wurde 1894 aufgeführt. 1900 erhielten die Hausener ihre erste Uniform. 1905 musste der Hauser Musiktag abgesagt werden, da sich nur die vier Vereine Brugg, Birmenstorf, Lupfig und Seon angemeldet hatten. Um trotzdem ihr Können zu beweisen, nahm die MGH im Mai desselben Jahres am Mittelaaargauischen Musikfest in Wohlen teil und schlossen dieses im 1. Rang ab. Da zu wenig Lorbeerkränze vorhanden waren, mussten diese per Post zugeschickt werden. Den grössten Erfolg verzeichneten die Hausener 1957 am Eidgenössischen Musikfest in Zürich: Mit zweimal «vorzüglich» wurden ihre Vorträge bewertet. Auch wenn die Gründerzeit euphorisch verlief – zu Zeiten der beiden Weltkriege musste der Verein mangels Mitglieder und verunmöglichter Proben fast aufgelöst werden (1914 und 1932). Das Jahreskonzert, der Musig-Brunch und die Auftritte während der Weihnachtszeit gehören zu den allgemeinen Auftritten im Dorf. Die Ständchen zu hohen Geburtstagen sind weniger geworden, dafür in bester Erinnerung: «Das waren manchmal ganz tolle Feste», erinnert sich Ehrenpräsident Heinz Byland. (ihk)

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