Bözberg

Nach Softair-Fall: Lehrer freigestellt – er spricht von «riesiger Demütigung»

An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf - und wurde jetzt freigestellt. (Symbolbild)

An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf - und wurde jetzt freigestellt. (Symbolbild)

Der Bözberger Lehrer, der wegen einer Demonstration im Schulunterricht mit einer Softair-Pistole bekannt wurde, wird nun freigestellt. Das hat die Schulpflege in einem Brief den Eltern mitgeteilt. Der Lehrer selber kann dies nicht nachvollziehen.

Der Aufruhr an der Schule Bözberg hat doch Konsequenzen für Lehrer S. P. (Name der Redaktion bekannt). Er wird per Freitag, 18. Dezember 2015, freigestellt. Das teilte die Schulpflege am Mittwoch in einem Elternbrief, der der az vorliegt, mit. «Die Schulpflege sieht sich veranlasst, Massnahmen zu ergreifen, welche sowohl die Weiterführung des Unterrichts der 5. und 6. Klasse gewährleisten als auch der allgemeinen Aufregung am Standort der Schule zum Schutze aller Schülerinnen und Schüler sowie des Lehrerteams entgegenwirken», heisst es.

Und weiter: «Wir möchten festhalten, dass diese Freistellung nicht aufgrund eines mutmasslichen ‹Vorfalls› mit einer Pistole erfolgt.» Die Freistellung erfolge zur Beruhigung des Schulbetriebs.

Im Schulzimmer geschossen

Im Schulzimmer geschossen

Die Überraschung über die Freistellung ist gross: Eltern, Schulkinder und der betroffene Lehrer sind völlig überrumpelt. Die Schüler reagierten noch in der Schule spontan und schrien: «Wir protestieren, wir protestieren.»

Die Schulkinder wollen sich offenbar mit Plakaten für ihren Lehrer einsetzen. Angesprochen auf die Freistellung redet S. P. von einer «riesigen Demütigung». «Ich verstehe nicht, worum es geht. Ich fühle mich total unschuldig.» Er sei jemand, der Missstände anspricht und dadurch halt mal aneckt.

Ein vorgeschobener Grund

In einem E-Mail an die Eltern, das der az vorliegt, schreibt S. P.: «Diese Massnahme [die Freistellung, Anm. d. Red.] trifft mich völlig unerwartet. Unerwartet deshalb, weil der geordnete Schulbetrieb und das Wohl der Kinder, [...] darunter leidet.

Diese Freistellung steht auch in völligem Widerspruch zur Pressemitteilung, in der kommuniziert wird, dass es der Schulpflege wichtig sei, dass der ‹Betrieb der 5. und 6. Klasse geregelt weiterläuft›.» Weiter schreibt S. P.: «Der Grund, man wolle die Situation beruhigen, ist mit Sicherheit vorgeschoben.»

Und auch die Telefondrähte zwischen den Eltern liefen am Mittwochnachmittag heiss. Bereits hat sich eine Gruppe formiert, die einen Brief an die Schulpflege schreiben will. In diesem Schreiben wollen sich die Eltern hinter Lehrer S. P. stellen – im Wissen darum, dass dieser Brief die Situation wohl auch nicht mehr retten kann.

«Ich bedaure es sehr, dass S. P. geht», sagt eine Mutter gegenüber der az. «Mein Kind kam als heulendes Elend nach Hause.» Der Lehrer sei bei den Schülern beliebt, er hätte die Klasse im Griff gehabt. Ihr Kind hätte zuvor nie gerne die Schule besucht, erzählt die Mutter, die anonym bleiben möchte. Seit S. P. die Klasse übernommen hätte, sei sogar ihr Kind gerne in die Schule gegangen. Sie spricht auch von einer schlechten Kommunikation seitens der Schule.

«Vieles mussten wir aus den Medien erfahren.» Zudem weist sie daraufhin, dass in den letzten Tagen der Unterricht ruhig abgelaufen sei. Im Gegensatz zur Schulpflege, die die Freistellung mit der Unruhe an der Schule begründet.

Schulpfleger Hanspeter Flückiger wollte sich nicht weiter äussern. «Dass der Schulbetrieb gestört ist, liegt im Übrigen unter anderem an der Berichterstattung in den Medien, welche so nicht notwendig gewesen wäre», schreibt Flückiger. Zurzeit sei man dabei, eine Ersatzlehrperson zu suchen.

S. P. hatte bereits vor diesen Vorkommnissen seine Stelle per Ende Semester gekündigt. Er hat eine neue Stelle gefunden. Die zuständige Schulleitung ist über den Vorfall in Bözberg informiert. Trotzdem macht sich S. P. Sorgen: «Ich habe Angst, dass sich dies alles negativ auf meine berufliche Zukunft auswirkt.»

Der Elternbrief der Schule Bözberg:

Der Elternbrief der Schule Bözberg

Lehrer nach Softair-Pistolen-Demo freigestellt

Lehrer nach Softair-Pistolen-Demo freigestellt

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