Windisch/Mülligen
Nach Schneechaos: Warum wurde für Postautos keine Alternativroute angeboten?

Während mehrerer Tage keine Busse – AZ-Leser Hansruedi Huber aus Mülligen wundert sich, wie mit dem Fahrauftrag umgegangen wird.

Michael Hunziker
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Für die Postautos der Linie 363 gab es kein Durchkommen nach Mülligen (Symbolbild).

Für die Postautos der Linie 363 gab es kein Durchkommen nach Mülligen (Symbolbild).

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Der Wintereinbruch mit den ungewohnt starken Schnee­fällen Ende der vergangenen Woche hat da und dort zu einem Verkehrschaos geführt. Diverse Strassen mussten gesperrt werden – auch diejenige zwischen Mülligen und Windisch. Es gab kein Durchkommen, weder für die Privatautos noch für die Postautos der Linie 363, stellt AZ-Leser Hansruedi Huber aus Mülligen fest.

Besondere Ereignisse fordern viele Stellen ganz besonders heraus, ist sich Huber bewusst. «Ich habe volles Verständnis, dass nicht sofort eine Ersatzlösung gefunden werden konnte.» Doch die beiden Dörfer Mülligen und Birrhard «für mehrere Tage einfach vom Bedienungsnetz abzuhängen, ist für mich unverständlich», führt er aus. Im Onlinefahrplan habe es lapidar geheissen: Zwischen Windisch Zentrum und Mülligen fahren keine Busse, Grund: Naturereignis. Er habe am Samstag versucht, verschiedene Stellen zu erreichen, Postautobetreiber genauso wie kantonales Baudepartement, sagt der Mülliger. «Überall wurde ich mit dem Telefonbeantworter auf die Bürozeiten verwiesen. Ich hätte mir gewünscht, irgendeine Stelle erreichen zu können.»

Warum hat man nicht versucht, lautet Hubers Frage, auf einer Alternativroute die beiden Dörfer zu bedienen, zum Beispiel via Hausen–Birrfeld nach Mülligen. Während des slowUp, fügt er an, wurde immer eine Umfahrungsroute angeboten. «Ich bin enttäuscht und auch frustriert, wie leichtfertig mit dem durch den Fahrplan vorgegebenen Fahrauftrag umgegangen wird», hält der Mülliger abschliessend fest. «Ich hoffe, dass aus diesem Ereignis die notwendigen Lehren gezogen werden. Die Postautokunden verdienen eine seriöse Ausführung des Fahrauftrags. Die öffentliche Hand zahlt dafür.»

Es bestand die Gefahr von umstürzenden Bäumen

Gesperrt werden musste die Strecke in erster Linie aus Sicherheitsgründen, sagt auf Nachfrage Bernhard Nussbaum, Betriebsleiter Postauto Gebiet Nord. Es hätten sich Bäume auf der Fahrbahn befunden und es habe die Gefahr bestanden, dass weitere umstürzen könnten.

In einer ersten Phase sei entschieden worden, die Haltestellen bis Windisch Dägerli zu bedienen, fährt Nussbaum fort. «Ab Sonntag haben wir dann eine Alternativroute gefahren und drei Haltestellen in Windisch nicht mehr bedient. Dafür haben wir die Haltestellen Mülligen, Birrhard und Mellingen Lindenplatz wieder an­gefahren.»

Eine Umfahrung via Hausen–Birrfeld – also die sogenannte slowUp-Route – schien laut Nussbaum in dem Strassenzustand zu gefährlich. «Die Kurven sind recht steil und es gibt enge Passagen. Wir haben der Sicherheit unserer Fahrgäste Rechnung getragen und wollten ein Steckenbleiben oder eine Kollision vermeiden.» Am Montag ab 16 Uhr konnte die Strecke zwischen Mülligen und Windisch dann wieder befahren werden.

Informiert wird via die jeweiligen Fahrplan-Apps

Unterbrüche werden sofort auf die jeweiligen Fahrplan-Apps hochgeladen, sagt Nussbaum. Während der Bürozeiten können sich die Fahrgäste überdies an die angegebenen Nummern auf den Fahrplänen wenden.

Nach jedem Unterbruch würden die getroffenen Entscheidungen bei Postauto in diversen Debriefings analysiert, antwortet Nussbaum auf die Frage, welche Lehren aus einem solchen Ereignis gezogen werden können. Allerdings: «Nur selten sind in solchen Fällen die gleichen Strecken oder Abschnitte betroffen. Wir sind dann immer mit neuen Situationen konfrontiert.» Ein Wechsel der Umfahrungen müsse ebenfalls stets gut überlegt sein, «denn das bringt auch immer Hektik in das System».