Grossratswahlen AG

«Nach oben wird gekuscht und nach unten getreten»: Sie ist die Hoffnungsträgerin der SP

«Es braucht einen anständigen Dialog mit Vertretern anderer Parteien»: Luzia Capanni, Fraktionspräsidentin der SP Windisch, kandidiert für den Grossen Rat

«Es braucht einen anständigen Dialog mit Vertretern anderer Parteien», sagt Luzia Capanni.

Die Windischerin Luzia Capanni, 42, will die Wahl in den Grossen Rat auf Anhieb schaffen und sagt, wofür sie Handlungsbedarf sieht.

Es ist nicht zu übersehen: Die SP Bezirk Brugg setzt im Wahlkampf auf den Windischer Dieter Egli als Regierungsrat und auf den Brugger Martin Brügger als bisheriger Grossrat. Genauso aktiv und präsent ist die 42-jährige Windischerin Luzia Capanni. Sie hat grosse Ambitionen, in den Grossen Rat gewählt zu werden. Der Plan könnte aufgehen: Werden Egli und Brügger als Grossräte bestätigt sowie Egli gleichzeitig als Regierungsrat gewählt, dann könnte Capanni, wenn sie denn auf dem ersten Ersatzplatz landet, für Egli in den Grossen Rat nachrutschen.

Allerdings ist Luzia Capanni erst auf Listenplatz 5 zu finden. Vor ihr rangieren der Windischer Paul Bitschnau (Listenplatz 3) sowie die Jungsozialistin Flavia Brogle aus Brugg. Die beiden Bisherigen wurden auf die ersten beiden Listenplätze gesetzt, dahinter erfolgt die Anordnung alphabetisch. Für Luzia Capanni kein Problem: «Meiner Meinung nach ist es offensichtlich, dass nach den beiden aktuellen Grossräten die Liste alphabetisch geführt wurde. Die offensive Wahlkampagne online und mit Plakaten wird hingegen mit Martin Brügger und mir geführt, um damit die zwei Sitze erneut – trotz Mandatsverlust an den Bezirk Lenzburg – zu verteidigen.»

Die Grossratskandidaten des Bezirks Brugg:

Nachhaltige Verkehrspolitik ist ihr wichtig

Für das Gespräch hat Luzia Capanni die Windischer Seite des Brugger Bahnhofs gewählt. Das kommt nicht von ungefähr: Einerseits will sie sich als Grossrätin dafür einsetzen, dass das Gebiet «Bachthale» gleich hinter dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch Standort der neuen Mittelschule wird.

Andererseits liegt ihr eine nachhaltige, zukunftsgerichtete Verkehrspolitik am Herzen. Das bedeutet konkret, dass sie sich als Grossrätin dafür einsetzen möchte, dass der Ast Brugg im Rahmen des Regionalen Gesamtverkehrskonzepts Ostaargau (Oase) nicht zum Schwerverkehrskorridor von Süddeutschland durch den Bezirk Brugg auf die A1 verkommt. «Die Planung hat verschiedene Mängel. Sie geht immer noch davon aus, dass der motorisierte Individualverkehr mit dem Wachstum der Bevölkerung exponentiell zunehmen wird», sagt Capanni. «Beim Mobilitätsverhalten braucht es aber ein Umdenken, ansonsten kommt wenige Jahre später das nächste Megaprojekt.»

Es ist ihr wichtig, dass der Langsamverkehr gefördert und die Klimaziele ernst genommen werden. Apropos Umweltpolitik: Capanni ist gegen ein Atomendlager neben dem Wasserschloss. «Das Risiko einer radioaktiven Verseuchung des Grundwassers der Region im Falle eines Lecks ist nicht zu verantworten», findet sie.

Luzia Capanni setzt sich ein für den Mittelschulstandort Brugg-Windisch und für die Förderung des Langsamverkehrs.

Luzia Capanni setzt sich ein für den Mittelschulstandort Brugg-Windisch und für die Förderung des Langsamverkehrs.

Politisch aktiv ist die zweifache Mutter Luzia Capanni seit 2017. Für die SP sitzt sie seither im Einwohnerrat Windisch. Damals wurde sie auf Anhieb und mit viertbestem Resultat in das Parlament gewählt. Seit 2019 hat sie das Fraktionspräsidium inne. Obwohl sie «schon immer die SP gewählt hat», ist sie erst seit gut fünf Jahren Parteimitglied. Vor zehn Jahren kehrte sie von ihren Auslandaufenthalten in Lateinamerika und Spanien, wo sie Ethnologie, Soziologie und Politologie studierte, in die Schweiz zurück. Seit acht Jahren lebt sie mit ihrem Ehemann sowie ihrem Sohn und ihrer Tochter im Primarschulalter in Windisch. Hier wollte sie die Politik aktiv mitgestalten.

Nun strebt die Fachmitarbeiterin Integration der Stadt Baden den Sprung in den Grossen Rat an. Hauptgrund für die Kandidatur: «Ich bin beruflich im Sozialbereich tätig und kann direkt erfahren, welche Folgen und Auswirkungen die Spar- und Abbaupolitik im Kanton auf die Menschen hat. Es ist unwürdig, wie mit Menschen umgegangen wird, die wenig Macht, Rechte und Geld haben», sagt Capanni. «Nach oben wird gekuscht und nach unten getreten.» Wenig anfangen kann sie mit dem Trend, den Service public zu reduzieren und diesen zu einem Service privé zu machen.

Der Mensch im Zentrum, nicht der Profit

Konkret heisst das, dass sich Capanni für sozial-, umwelt- und verkehrspolitische Themen engagieren will. Hier sieht sie auch den grössten Handlungsbedarf. «Ich bin überzeugt, dass sich die Stärke eines Volkes am Wohl der Schwachen misst», sagt sie. «Das Sparen der letzten Jahre auf dem Buckel der Schwächsten beruht auf einem kurzfristigen Denken.» Darum setze sie sich dafür ein, dass der Mensch ins Zentrum gestellt wird und nicht der Profit. Ihre Schlagworte lauten Inklusion und Prävention anstelle von teurer Pflästerlipolitik im Nachgang, «im Sozialbereich sowie in der Bildung».

Politisiert wurde Luzia Capanni, die einen italienischen Vater und eine Schweizer Mutter hat, im Elternhaus. Sozialpolitik – Gleichstellung und Migration –, Raumplanung sowie Verkehr und Umwelt seien Themen gewesen, die zu Hause diskutiert wurden. Später wurde sie dank Freunden im In- und Ausland auf gewisse Themen aufmerksam. Und auch das Studium und der Austausch mit Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen benachteiligt sind im Leben und auf das Wohl der Gesellschaft angewiesen sind, bewegten sie zu ihrem politischen Denken und Handeln.

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