Brugg

Nach Nein zu Tempo 30: Wie sieht das künftige Verkehrsregime aus?

Das Komitee «Tempo 30: pauschal (fast) überall? Nein – für bessere Lösungen!» sieht den Stadtrat nach der Absage des Stimmvolkes zu einer flächendeckenden Temporeduktion in der Pflicht. Symbolbild

Das Komitee «Tempo 30: pauschal (fast) überall? Nein – für bessere Lösungen!» sieht den Stadtrat nach der Absage des Stimmvolkes zu einer flächendeckenden Temporeduktion in der Pflicht. Ein «professionelles, partizipatives Vorgehen» sei gefragt.

Ein Nein ist ein Nein, hat der Brugger Stadtrat schon im Vorfeld der Referendumsabstimmung betont. Am Sonntag hat das Stimmvolk der Umsetzung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen eine Abfuhr erteilt, mit 1506 Ja- gegen 1992 Nein-Stimmen. Diesen breit abgestützten, klaren Entscheid gelte es zu respektieren, sagte Stadtammann Barbara Horlacher nach dem Urnengang. In Sachen Tempo 30 werde der Stadtrat von sich aus nicht mehr aktiv in nächster Zeit.

Bleibt es nun also bei der aktuellen Situation auf Bruggs Strassen? Das Komitee «Pro Tempo 30» hielt fest, dass es gespannt die Reaktion abwarte des Gegnerkomitees. Von dessen Vertretern müssten nun Hinweise folgen, wie sie sich das Verkehrsregime der Stadt für die Zukunft vorstellen.

Eine Lösung ist bereits gefunden

Angesprochen ist Peter Haudenschild, der mit Patrick von Niederhäusern das Co-Präsidium bildet des Komitees «Tempo 30: pauschal (fast) überall? Nein – für bessere Lösungen!» Er freut sich darüber, dass offenbar aufgezeigt werden konnte, «warum diese fast auf allen Gemeindestrassen flächendeckende Tempo-30-Zonen-Vorlage mit der ersatzlosen Ausradierung von rund 25 Fussgängerstreifen zum Preis von über einer Viertelmillion Steuerfranken unsinnig, gar kontraproduktiv ist, gerade für die Schwächsten im Strassenverkehr. Dass das Stimmvolk für diese ein Ohr hat, erfüllt uns mit Genugtuung und zeigt den Wert unserer Demokratie.» Es sei eine weise Erkenntnis, dass der Stadtrat den Entscheid respektiere.

Welches sind nun aber die geforderten besseren Lösungen? Bei den Fussgängerstreifen – das sei das Allerbeste – sei diese schon gefunden. Alle bleiben. «Das war letztlich auch der Kernpunkt», ist Haudenschild überzeugt. Das Komitee fordere aber generell simple, wirksame, differenzierte Verkehrslösungen. «Das gilt auch für behindertengerechte Oberflächen von Trottoirs und Plätzen in der Qualität ‹geeignet› statt bloss ‹bedingt geeignet›. Dies ist preislich erst noch günstig», führt Haudenschild aus und ergänzt: «Seit bald einem halben Jahr kommunizieren wir beispielhaft öffentlich auf dem Referendumsbogen, am Podium, in Medienmitteilungen, auf Facebook, in Leserbriefen und in unserem Factsheet konkrete Vorschläge.»

Partizipatives Vorgehen ist gefragt

Es sei zum Beispiel zu prüfen, fährt Haudenschild fort, ob Rechtsvortritte selektiv einzuführen sind, etwa am Linden-, Eisi- und Schöneggplatz. «Das wäre auch für den Bus ein Vorteil.» Als weitere Stichworte nennt er lokal Temporeduktionen vor Schulen und Heimen mit Fussgängerstreifen, wirksame Tempokontrollen gegen allfällige Raser sowie langfristig an kritischen Orten wie der Laurstrasse bessere Trottoirs. «Es braucht gar nicht so viel, aber am richtigen Ort das Richtige richtig», fasst Haudenschild zusammen. Und: «Wenn, dann muss das im Rahmen eines wirklich professionellen partizipativen Vorgehens geschehen, zum Beispiel zusammen mit den Senioren, Rollator- und Rollstuhlfahrern, dem Gewerbe und dem öffentlichen Verkehr, einem Referendumsvertreter und natürlich soll auch ein Vertreter der Quartiervereine dabei sein, aber nicht sieben Quartiervertreter von zwölf Projektmitgliedern wie gehabt.» Haudenschild sieht den Stadtrat in der Pflicht. Wie üblich habe die Exekutive die Führung. «Das ist nun ihre Chance.»

Markus Lang vom Komitee «Pro Tempo 30» lässt durchblicken, dass einige Gedanken vorhanden seien über das weitere Vorgehen. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass das Stimmvolk nicht Tempo 30 an sich beerdigt habe. «Wir vom Pro-Komitee werden nach einer Rückschau und Analyse entscheiden, in welcher Art das Thema Verkehrssicherheit und Wohnqualität weiterverfolgt werden soll.»

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