Brugg

Nach Kritik am Altstadtreglement: «Der öffentliche Druck auf den Stadtrat war notwendig»

Die Stadt Brugg mit der Altstadt und dem Schwarzen Turm vom Hexenplatz aus fotografiert.

Altstadt Brugg

Die Stadt Brugg mit der Altstadt und dem Schwarzen Turm vom Hexenplatz aus fotografiert.

Fürsprecher Jürg Waldmeier äussert sich eineinhalb Jahre nach der kritischen Stellungnahme zum neuen Brugger Altstadt-Entwicklungsleitbild.

Darauf haben viele, denen die Weiterentwicklung der Brugger Altstadt am Herzen liegt, gewartet: die Initialisierung eines regelmässigen runden Tisches. Diese Massnahme wird nun diesen Herbst umgesetzt. So steht es im Altstadt-Entwicklungsleitbild, das der Brugger Stadtrat Anfang Juli verabschiedet hat. Der Kreis der Beteiligten für den Austausch soll «möglichst ausgeglichen unter den verschiedenen Anspruchsgruppen der Altstadt» sein.

Am runden Tisch teilnehmen werden Stadtammann Barbara Horlacher, Stadtrat und Bauvorsteher Reto Wettstein sowie zwei Vertreter der Abteilung Planung und Bau. Die zehn geplanten Altstadtvertreter sollten den Quartierverein, die Initiative Altstadt, Gewerbetreibende, Grundeigentümer, öffentliche Institutionen sowie Kultur und Soziales repräsentieren. Die Stadt sucht nun Leute, die sich verpflichten, regelmässig im März und Oktober am «Runden Tisch Altstadt» teilzunehmen.

«Der runde Tisch darf keine Alibi-Übung sein»

«Dieses neue Gefäss darf auf keinen Fall zu einer Alibi-Übung werden», sagt Fürsprecher Jürg Waldmeier. Er war es, der im Herbst 2017 eine Stellungnahme verfasste, die von 51 zum Teil stadtbekannten Persönlichkeiten unterzeichnet wurde und den Stadtrat heftig kritisierte. Denn die damalige Regierung führte das Mitwirkungsverfahren zum Entwurf des neuen Altstadtreglements durch, ohne zuerst in einem partizipativen Prozess ein Entwicklungsleitbild für die Altstadt zu erarbeiten. Obwohl das behördenverbindlich im neuen Räumlichen Entwicklungsleitbild vorgesehen war. Dieses Versäumnis begründete die Stadt umgehend mit fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen sowie Schwierigkeiten mit dem Terminplan der Revision der Bau- und Nutzungsordnung.

Als der Partizipationsprozess zur Erarbeitung des geforderten Entwicklungsleitbilds dann in der neuen Amtsperiode aufgegleist wurde, fragte die Stadt Waldmeier an, sich als Altstadt-Vertreter im Kernteam zu engagieren. Der 62-Jährige lehnte mangels Zeit ab. Stattdessen schlug er den jüngeren Fotografen Kaspar Ruoff vor, der sich schliesslich dieser Aufgabe im Kernteam annahm. Was sagt Waldmeier nun zum vorliegenden Altstadt-Entwicklungsleitbild? «Ich habe mir mehr Mut von der Stadt erhofft», so die erste Reaktion.

Private sollten fordernd und hartnäckig auftreten

Der Fürsprecher erinnert an die von Privaten organisierte Veranstaltung im Januar 2018 mit dem früheren Regierungsrat und aktuellen Präsidenten der IG Aargauer Altstädte, Peter C. Beyeler. «Er ermunterte die Brugger, einfach mal Verschiedenes auszuprobieren und das, was funktioniert, weiterzuführen.» Das erfordere allerdings ein hohes Engagement der Stadt, die nun mit dem runden Tisch den Lead habe.

Waldmeier befürchtet, dass die Stadt auch künftig eher verwaltet als aktiv gestaltet. «Die Stadt muss die anstehenden Themen aktiv bewirtschaften.» Der öffentliche Druck auf den Stadtrat sei im Herbst 2017 notwendig gewesen und es werde ihn wohl weiterhin brauchen. Der Altstadtbewohner hofft auf positive Signale, den Willen zur Zusammenarbeit und auf Private, die fordernd und hartnäckig in der Stadt auftreten.

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