Lupfig

Nach Krise im Altersheim: Sie steht für Transparenz ein

Die neue Pflegedienstleiterin Jeannette Bürki hat sich im Alters- und Pflegeheim Haus Eigenamt bereits gut eingelebt. Sandra Ardizzone

Die neue Pflegedienstleiterin Jeannette Bürki hat sich im Alters- und Pflegeheim Haus Eigenamt bereits gut eingelebt. Sandra Ardizzone

Pflegedienstleiterin Jeannette Bürki sagt, warum sie mit 66 Jahren im Haus Eigenamt eine neue Vollzeit-Stelle annahm, wie sie das Personal auf das Audit vorbereitete und wann sie wieder geht.

Jeannette Bürki könnte eigentlich jeden Tag nach Lust und Laune gestalten. Doch die 66-Jährige hat einen anderen Weg gewählt: Seit dem 1. September arbeitet sie als neue Leiterin Pflege und Betreuung im krisengeschüttelten Haus Eigenamt in Lupfig. «Ich mache das gerne», sagt sie in einem ungewöhnlich schnellen Berner Dialekt. Bürki, die 35 Jahre Erfahrung als Pflegedienstleiterin hat und in dieser Funktion die Schliessung des Bezirksspitals Brugg miterlebte, spricht von ihrem aktiven Ruhestand. «Hier gibt es Bedarf, für bestimmte Zeit in einer anspruchsvollen Situation eine Brückenfunktion einzunehmen. Wenn auch noch gute Ausbildung und Erfahrung gefragt sind, dann bin ich gerne zur Stelle.» Solche Situationen gebe es in der Pflege immer wieder, so Bürki. Sie müsse nie neue Aufträge suchen.

Wie Hillary Clinton und Papst

AHV-Alter und 100-Prozent-Anstellung sind für Jeannette Bürki kein Widerspruch. Spontan verweist sie auf die zwei Jahre ältere Hillary Clinton, die Präsidentin der USA werden will, und auf den 79-jährigen Papst Franziskus, der ein weltweites Imperium leitet. Für die neue Pflegedienstleiterin ist sonnenklar: «Wer sich fit fühlt, soll unabhängig vom Alter arbeiten und seine Erfahrung einbringen dürfen.» Nach den Turbulenzen im Alters- und Pflegeheim Eigenamt, die zu mehreren Wechseln in der Pflegedienstleitung führten und viel Unruhe ins Haus brachten, hat Bürki nicht das Gefühl, dass sie einer jungen Nachwuchskraft die Arbeitsstelle wegnimmt.

Um wieder Ruhe ins Haus Eigenamt zu bringen, musste die Vakanz nach dem definitiven Abgang der früheren Pflegedienstleiterin rasch mit einer erfahrenen und führungsstarken Person besetzt werden. «Bürki ist ein Glücksfall», sagte Geschäftsführer Hanspeter Müller Ende August. Er habe sie kennen gelernt, als er sie für eine Aussensicht im Vorfeld des vom Kanton vorgeschriebenen Audits ins Haus holte. Ihre Fach- und Führungskompetenzen haben ihn überzeugt.

Motiviert, Krisen zu überwinden

Nun pendelt Jeannette Bürki seit über einem Monat zwischen Aarau und Lupfig. Sie scheint aufzublühen, wenn ihr Wissen und Können gebraucht werden. «Es ist für mich motivierend, gemeinsam mit den Mitarbeitenden eine Krise zu überwinden und die definierten Ziele zu erreichen», sagt sie. Und dass der Betrieb trotz Eklat die ganze Zeit aufrechterhalten werden konnte, sei ein Zeichen dafür, dass das Personal auch vieles richtig gemacht hat.

Bürki wirkt gelassen: «Ich bin nicht die Heldin, die etwas in Ordnung bringen muss.» Deshalb befasst sie sich im Haus Eigenamt auch nicht mit dessen Vergangenheit. Vielmehr will sie ihrem Führungsgrundsatz treu bleiben und für Klarheit sowie Transparenz sorgen. «Dazu bin ich auf Informationen angewiesen.» Es ist ihr wichtig, als Team ergebnisorientiert zu arbeiten, für hohe Pflegequalität einzustehen, für ein gutes Klima untereinander zu sorgen und nach aussen kompetent aufzutreten.

Vakanz Demenzabteilung besetzt

Kaum hatte Jeannette Bürki ihre Stelle angetreten, fand im Haus Eigenamt das ganztägige Audit statt. Es galt also, noch aufzuarbeiten, was möglich war. Bürki appellierte ans Team, sich ganz normal zu präsentieren. Das Resultat war für alle ein Aufsteller. Es gibt aber auch Nachholbedarf: So ist beispielsweise für nächstes Jahr geplant, die Dokumentation über die Aufnahme der Bewohner und den Pflegeprozess zu verbessern.

Der Pflegedienstleiterin gefällt es im Haus Eigenamt, weil sie noch viel Potenzial sieht: «Es ist toll, dass ich hier einen Beitrag leisten kann.» Geschäftsführer Hanspeter Müller ist zudem froh, dass die seit längerem vakante Leitungsstelle in der Demenzabteilung ab Dezember wieder mit einer Person, die über die erforderliche Aus- und Weiterbildung verfügt, besetzt werden kann.

Und wie lange wird die neue Pflegedienstleiterin bleiben? Müller sagt: «Jeannette Bürki geht, wenn wir mit der Pflege auf dem aktuellen Stand sind und ihre Nachfolge bekannt sowie eingearbeitet ist.» Überstürzen will man dieses Mal nichts. Die Stelle ist noch nicht ausgeschrieben. Müller betont: «Es ist wichtig, dass wir für die Nachfolge die richtige Person anstellen.» Das ist auch ganz im Sinn der 66-Jährigen: «Ich stelle mich nicht auf ein zehnjähriges Engagement ein. Für den Vertrauensaufbau braucht es aber Zeit. Und die will ich mir nehmen, um eine nachhaltige Anschlusslösung zu gewährleisten.»

Audit mit «sehr gut» bestanden

Um die Qualität der Dienstleistungen sicherzustellen, respektive zu überprüfen, wurde am 30. September ein Audit, das vom Kanton vorgeschrieben ist, durchgeführt. Die Durchführung dieser Qualitätsprüfung wurde von der «Schweizerischen Stiftung für die Zertifizierung der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen» vorgenommen. Geschäftsführung, Verwaltung, Pflege, ärztlicher Dienst, Ökonomie und technischer Dienst wurden dabei genau unter die Lupe genommen. Am 14. Oktober traf der Bericht ein. Insgesamt sind bei diesem Audit 100 Punkte möglich. 75 davon reichen, um zu bestehen. Das Haus Eigenamt in Lupfig hat 90 Punkte erreicht und damit mit «sehr gut» bestanden. Das Bestehen des Audits ist Voraussetzung für eine Betriebsbewilligung durch den Kanton.

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