Mitte November haben die Verantwortlichen der Oper Schenkenberg beim Konkursamt Brugg die Bilanz deponiert. Das Defizit beträgt «einiges mehr als eine halbe Million Franken», liess Vereinspräsident Peter Feller verlauten. Peter Bernhard, als Intendant, Künstlerischer Leiter und Sänger treibende Kraft des Unternehmens, äusserte sich auf Facebook zum Desaster: «Der Vorstand und die Leitung der Oper Schenkenberg bedauern diese Entwicklung zutiefst und alle damit verbundenen finanziellen Folgen für die Unternehmungen und Partner.»

Seine Abschiedsbotschaft beendet Bernhard mit den, angesichts der Schadenssumme, zynisch wirkenden Ausrufen «Adieu! – Addio! – Farewell!». Über die Geschädigten wird kein Wort verloren. Da ist etwa der Tribünenbauer aus Deutschland, Dittus in Heilbronn, also weitab vom Geschehen. Seit der ersten Aufführung der Oper Schenkenberg, «Carmen», war Dittus mit dabei. So auch beim ersten Desaster vor drei Jahren, wo Verdis «Trovatore» zum Defizit geführt hatte. Damals musste Dittus einen Drittel seiner Aufwendungen abschreiben.

Geld auf Euro-Spezialkonto

Trotzdem hat Dittus für die neue Produktion zugesagt. Der verantwortliche Geschäftsführer Achim Schlager meint dazu lakonisch, dass bei einem Open Air wegen ausbleibenden Publikums schon mal ein Fehlbetrag entstehen könne. Und so hat er Peter Bernhard weiterhin vertraut und auch die Tribüne für «Rigoletto» gebaut. Anfang Juli 2016 stand die Zuschauertribüne bereit, am 1. August sollte eine grössere Anzahlung durch die Oper Schenkenberg erfolgen. «Mir wurde versichert, dass das Geld auf einem Euro-Spezialkonto bereitliege und dann ausgelöst werde», so Schlager. Erhalten hat er für seine Leistung nie einen Cent. Er muss wohl die gesamte, horrende Summe abschreiben. «Es ist für uns eine sehr schwierige Situation, wären wir ein Jungunternehmer, so müssten wir aufgeben», hält Schlager resigniert fest. Die Auftragsbestätigung für den Tribünenbau hat er am 2. November 2015 erhalten, unterschrieben von Peter Bernhard. Bernhard war es auch, der mehrheitlich mit der Gebhard Wildegg AG wegen des Festmobiliars verhandelt hatte.

Beim ersten Treffen war Hans Peter Brunner dabei, damals designierter Kaufmännischer Direktor der Oper Schenkenberg, wie Jakob Gebhard im Gespräch erläutert: «Ich selber habe bei Bernhard immer meine Skepsis dem Projekt gegenüber geäussert, und auch Hans Peter Brunner warnte im Herbst 2015.» Brunner hat den Posten bekanntlich nie angetreten, denn «die Analyse der Finanzen im Vorfeld zeigte mir, dass sich das geplante Konzept so kaum umsetzen lässt». Gebhard seinerseits hat trotz dieser Vorbehalte mitgemacht. Unterschrieben ist der Vertrag von Peter Bernhard, der kurz entschlossen auch noch den Posten als Kaufmännischer Direktor übernommen hatte.

Gebhard war verantwortlich für Mobiliar, Zelte und den Bau eines Bodens, der im sumpfigen Gelände hinter der Sporthalle Mülimatt unbezahlte Mehrarbeit zur Folge hatte. Solche Zusatzaufwände sind für alle Zulieferer kein Thema. Sie werden bei einem solchen Event stillschweigend in Kauf genommen. Die ordentliche Rechnung konnte die Oper Schenkenberg allerdings nicht mehr voll bezahlen. «Erste Ratenzahlungen klappten noch ohne Probleme», so Gebhard, «ab der Premiere aber ging nichts mehr.» Und so muss wohl auch der Wildegger Unternehmer einen Drittel der Gesamtsumme abschreiben.

Die letzten Malerarbeiten sind noch im Gang. Ab Montag werden die Künstler, die die Oper «Rigoletto» aufführen, hier vor der Mülimatt intensiv proben.

Bühnenbild: Die letzten Malerarbeiten sind noch im Gang. (6. Juli 2016)

Regisseur wollte Änderungen

Nicht anders erging es der Firma Szenenwerk in Dottikon mit Fabian Troxler und Stefan Friedli. Troxler war als technischer Leiter engagiert und damit für Planung und Umsetzung verantwortlich. Dazu hat Szenenwerk den Bühnenboden gezeichnet und konstruiert und das in Weissrussland produzierte Bühnenbild auf dem Gelände aufgebaut: «Es war nicht exakt konstruiert, sodass wir, wie schon beim ‹Trovatore›, etliche Veränderungen und Anpassungen vornehmen mussten.»

Doch das war noch nicht alles. Nach dem Wechsel des Regisseurs zu Giancarlo del Monaco im Juli 2016 mussten vor Ort auf dessen Verlangen etliche Änderungen vorgenommen werden, die nicht budgetiert waren. Trotzdem machte Szenenwerk weiter. «Bis zur Premiere wurden die Raten bezahlt», so Troxler und Friedli, «danach war Schluss. Wir bleiben auf einem Drittel des Gesamtvolumens sitzen.»

Zählt man die Ausstände der angefragten Lieferanten und Unternehmen zusammen, kommt man auf eine Summe von 473 000 Franken. Ab der Premiere war Schenkenberg offensichtlich den Lieferanten gegenüber zahlungsunwillig. Gemessen an der von Vereinspräsident Peter Feller genannten Gesamtsumme von «einiges mehr als eine halbe Million Franken», trifft es also überproportional stark die stillen Schaffer im Hintergrund.

Wütende Lieferanten

Die Infrastrukturbauer etwa, zu denen auch die Firma Megatron Veranstaltungstechnik in Mellingen gehört, die für Licht und Ton zuständig war. Geschäftsführer Matthias Hösli hat bei «Rigoletto» mitgemacht, obwohl er schon beim «Trovatore» viel Geld verloren hatte. «Ich habe an das Produkt geglaubt, wenn die Macher die notwendigen Lehren gezogen hätten», so Höslis Begründung. Und auch bei ihm gilt, dass er vorerst mit Brunner verhandelt hatte, nach dessen Abgang aber nur noch mit Bernhard. «Den definitiven Vertrag haben wir im Juni 2016 unterzeichnet. Dieses Vorgehen ist üblich, da sich Regisseur und Designer zuerst auf ein Konzept einigen müssen.»

Mitte Juli war der Aufbau von Audio und Licht abgeschlossen, eine Anzahlung durch die Oper Schenkenberg an die Firma Megatron erfolgt. Die Zahlungen, die während der Produktion und nach dem Abbau hätte geleistet werden sollen, aber fehlen bis heute. Hösli hat nach dem «Trovatore» erneut viel Geld verloren: «So etwas ist mir noch nie passiert.» Die Lieferanten seien leider immer die letzten, die bezahlt werden. Dieser Konkurs des Vereins Oper Schenkenberg mache ihnen Probleme. Alle Geschädigten geben zu bedenken: «Es stört uns am meisten, dass wir alleine Abschreiber machen müssen, offensichtlich aber kaum die Künstler und der Intendant.»