Der finanzielle Schaden, den die Verantwortlichen der Oper «Rigoletto» diesen Sommer in der Region Brugg-Windisch angerichtet haben, ist enorm: Vereinspräsident Peter Feller von der Oper Schenkenberg und deren Intendant Peter Bernhard haben am Mittwoch die Bilanz auf dem Konkursamt deponiert.

Gleichzeitig wurden der Verein und die Geschäftsstelle im Schinznacher Gemeindehaus aufgelöst. Das Defizit beträgt «einiges mehr als eine halbe Million Franken». Den genauen Betrag will auch Feller nicht nennen. «Von unserem Mobiliar fliesst leider nichts in die Konkursmasse. Wir müssen alles entsorgen», sagt Feller, der in Schinznach auch Mitglied des Gemeinderats ist. Einen Sündenbock für dieses Debakel zu suchen, sei schwierig, meint er.

Nach den ersten beiden Produktionen in Schinzach-Dorf habe Brugg grosses Interesse an der Freiluft-Oper gezeigt. Als es um die Baubewilligung hinter der Sporthalle Mülimatt ging, habe es aber laufend neue Auflagen gegeben. Am Schluss füllten die Unterlagen einen ganzen Ordner.

«In Schinznach-Dorf war das nicht so kompliziert», so Feller. Die Verantwortlichen mussten während der Vorbereitungen allerdings merken, dass die Beziehung zwischen Brugg und Windisch nicht wirklich harmoniert. Dennoch erhofften sich alle durch den zentraleren Standort – nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Brugg entfernt – mehr Oper-Besucher.

Kaufmännischer Direktor unterlag

Der Vereinsvorstand wählte die Oper aus, engagierte den Intendanten Peter Bernhard, der selbst im Vorstand sitzt, und war für das Budget und das Controlling zuständig. Feller dazu: «Ich war dieses Mal – im Gegensatz zu den ersten beiden Produktionen – nicht mehr im OK und für den Gastrobereich zuständig. Meine Aufgabe bestand vor allem darin, die Verträge zu unterzeichnen.» Das Budget betrug 2,5 Mio. Franken. Auf der Kostenseite habe man dann bei einigen Positionen noch etliche Einsparungen machen können, fährt der Präsident fort. Nach der finanziellen Misere bei «Il Trovatore» versicherte Intendant Peter Bernhard, künftig einen Kaufmännischen Direktor zu engagieren.

Die letzten Malerarbeiten sind noch im Gang. Ab Montag werden die Künstler, die die Oper «Rigoletto» aufführen, hier vor der Mülimatt intensiv proben.

Oper Schenkenberg: «Rigoletto» vor der Premiere (6. Juli 2016)

Während Monaten wurde in der Folge Hans Peter Brunner als neuer Kaufmännischer Direktor angekündigt. Doch wenige Tage vor dem Stellenantritt am 1. Oktober 2015 wurde bekannt, dass Brunner abgesprungen war. «Die Analyse der Finanzen im Vorfeld zeigte mir, dass sich das geplante Konzept so kaum umsetzen lässt. Ich hatte im Vorstand beantragt, das Projekt zu überarbeiten», sagt Brunner auf Nachfrage. «Ich unterlag aber.»

Nach der Premiere gabs Zoff

Auch Vorstandsmitglied Jürg Baur verabschiedete sich nach der «Rigoletto»-Premiere vom Verein. «Er konnte nicht mehr dahinterstehen», erzählt Feller. Auf der Website der Oper Schenkenberg wurde der Kopf des ehemaligen Brugger Einwohnerratspräsidenten allerdings erst Wochen später gelöscht.

Nach offiziellen Angaben fehlten «Rigoletto» für eine schwarze Null 5000 Zuschauer. Dass es nicht gut lief, war auch dem Verein klar. Feller sagt: «Wir überlegten uns zur Halbzeit, ob wir die Produktion abbrechen sollen.» Und warum entschieden Sie sich dagegen? «Weil dann noch mehr Geld gefehlt hätte», antwortet der Präsident.

Peter Feller scheint das Ausmass der Finanzsituation noch nicht völlig zu überblicken: «Ich war am Mittwoch zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Konkursamt. Stellen Sie sich das vor! Wir sind ein Verein. Trifft es eine Firma, ist das noch viel schlimmer.» Die Oper selbst sei gut angekommen. Auch habe man erneut viele Sponsoren und Unternehmen für dieses Projekt gewinnen können. Alle hätten sich eingesetzt und geglaubt, dass es diesmal gut komme. Vielleicht gebe es auch einfach ein Überangebot an kulturellen Veranstaltungen, mutmasst Feller.

Peter Bernhard am Boden zerstört

In den letzten Jahren seien einige neue Produktionen aus dem Boden geschossen, sagt Geschäftsführer Stefan Friedli von der Szenenwerk GmbH in Dottikon. Sein Zwei-Mann-Betrieb hatte dieses Jahr – erstmals seit der Firmengründung vor sechs Jahren – gleich mit zwei Produktionen Pech: Murten Production und die Oper Schenkenberg sind insolvent.

Bei «Rigoletto» war Szenenwerk für den Bühnenbau und die technische Leitung zuständig. Das Unternehmen wollte drei Viertel der Gesamtkosten von 80 000 Franken als Anzahlung. Die Oper Schenkenberg konnte aber nur 40 000 Franken begleichen. «Es gibt unzählige regionale KMU, die bisher keinen Rappen bekommen haben», sagt Stefan Friedli.

Auch das Orchester und der Tribünenbauer seien nicht bezahlt worden. Dass sich die Organisatoren jeweils einen Lohn auszahlen können, die Lieferanten hingegen auf Lohn- und Materialauslagen sitzen bleiben, stört Friedli. Solche Einbussen bedrohten die Existenz von KMU.

Intendant Peter Bernhard will sich zum Thema Oper Schenkenberg gegenüber der az nicht äussern, wie er per Mail und am Telefon mitteilte. Auch für ein persönliches Interview stand er nicht zur Verfügung. Er sei am Boden zerstört, sagt Feller.