Region Brugg

Nach Knall im Vorstand: War das nur die Spitze des Eisbergs?

Die speziell für die Sozialen Dienstleistungen Region Brugg erstellten Räumlichkeiten befinden sich an der Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Die speziell für die Sozialen Dienstleistungen Region Brugg erstellten Räumlichkeiten befinden sich an der Schulthess-Allee 1 in Brugg.

Die Kritik am Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg wird laut. Am Verwaltungsgericht ist ein Verfahren hängig.

Die Demissionen von Präsidentin Marianne Möckli aus Villnachern und Vizepräsidentin Beatrice Bürgi aus Riniken aus dem Vorstand des Gemeindeverbands Soziale Dienstleistungen Region Brugg sorgten letzte Woche für Aufsehen. Die Rede war von unlösbaren Blockaden und Vertrauensverlust innerhalb des Vorstands.

Der im Jahr 2016 gegründete Verband umfasst 24 Gemeinden aus dem Bezirk Brugg. Unter seinem Dach sind die drei Bereiche Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD), Jugend- und Familienberatung sowie Mütter und Väterberatung zusammengefasst. Ende Jahr steigt Birr aus dem KESD-Bereich aus und verwaltet diesen künftig wieder in der eigenen Gemeinde. Ähnliche Überlegungen machte sich in der Vergangenheit auch die Gemeinde Windisch.

Der Verbandsvorstand hat sich letzte Woche umgehend ad interim neu organisiert. Die beiden neuen Regionenvertreter vom Schenkenbergtal und Geissberg sollen an der nächsten ordentlichen Abgeordnetenversammlung im Juni gewählt werden. Denn eine ausserordentliche Abgeordnetenversammlung wäre frühestens etwa drei Monate vor der ordentlichen möglich.

Die genannten Gründe im Zusammenhang mit dem Knall im Vorstand seien nur die Spitze des Eisbergs, schrieb eine Person, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Es gebe bei den Sozialen Dienstleistungen Probleme zuhauf mit der Leiterin und ihrem Verhalten gegenüber Gemeinden, Institutionen und Mitarbeitenden.

Gesundheitsmanagement im Betrieb ist ein wichtiges Thema

Die Folgen intern seien: eine rekordverdächtige Fluktuationsrate, stark überdurchschnittliche Absenzen aufgrund von Krankheiten sowie ein anstehendes Verfahren vor dem Verwaltungsgericht wegen gebilligten fortgesetzten und übergriffigen Verhaltens der Leiterin gegen eine leitende Mitarbeitende, das von einer missbräuchlichen Kündigung und Freistellung gekrönt wurde.

Auf Nachfrage bestätigt Nicole Payllier, Sprecherin der Aargauer Gerichte, dass am Verwaltungsgericht ein personalrechtliches Verfahren hängig ist, das den Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg betrifft. Da es sich um ein hängiges Verfahren handelt, kann Payllier zurzeit keine weiteren Auskünfte dazu geben.

Der Windischer Christian Bolt, Vizepräsident ad interim, sagt, der Vorstand habe die Klage gegen den Verband am Verwaltungsgericht zur Kenntnis genommen. Die Bearbeitung laufe. Auf die angeblichen Vorwürfe im Bezug auf das Verhalten der Leiterin der Sozialen Dienstleistungen geht Bolt nicht ein.

Er sagt aber, dass die Fluktuationsrate und das betriebliche Gesundheitsmanagement Bereiche seien, die im Verband analysiert werden müssen. So gehe es unter anderem darum, ein Monitoring und Benchmarks einzuführen. Dazu gehört für ihn auch ein ernsthafter Austausch mit vergleichbaren Institutionen im Sozialbereich.

Zu den krankheitsbedingten Absenzen, die angeblich angestiegen seien, kann Christian Bolt nichts sagen, weil die entsprechende Auswertung erst Ende Jahr gemacht werde. Trotz zahlreicher Pendenzen zeigt sich der Vizepräsident zuversichtlich, dass der Gemeindeverband seine anstehenden Aufgaben erfüllt und sich  – auch in qualitativer Hinsicht – weiterentwickeln kann.

Die Fluktuationsrate ist nach dem schwierigen Start angestiegen

Es liegt auf der Hand, dass es in einer Institution mit 34 Angestellten, darunter ein gutes Dutzend Beistände, im Jahresverlauf zu personellen Veränderungen kommen kann. Im vergangenen Jahr habe die Fluktuationsrate bei den Sozialen Dienstleistungen Region Brugg zirka 16 Prozent betragen, sagt Bolt. Auch dieses Jahr zeichne sich eine ähnlich Fluktuationsrate ab.

Zur Erinnerung: Letztes Jahr hiess es im Jahresbericht, die Personalsituation habe sich beruhigt. Im ersten Betriebsjahr des Verbands lag die Fluktuationsrate bei 44 Prozent und sank im Folgejahr 2017 auf 10 Prozent.

Der Verband hat bekanntlich Gemeinderatsdelegierte, Leiter von Sozialdiensten sowie Mitarbeiter und Partnerorganisationen für den 22. Januar zum Anlass «Die Segel sind gehisst» eingeladen. Humorvoll soll auf vier Jahre Aufbauarbeit zurückgeblickt und gebührend werden.

Was den Organisatoren beim Aufgleisen nicht bewusst war, ist, dass die Veranstaltung am gleichen Abend wie die Einwohnerratssitzung in Windisch stattfinden wird. «Das nehme ich auf meine Kappe», sagt Christian Bolt, der Windisch zwar im Gemeindeverband vertritt, aber weder Mitglied des Gemeinde- noch des Einwohnerrats ist. Am Anlass werden Einblicke in diverse Startschwierigkeiten gewährt.

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