Region Brugg-Windisch

Nach Gründung des Pastoralraums: Braucht es überhaupt noch Pfarreiräte?

Vor der Marienkirche organisiert der Pfarreirat Windisch in Zusammenarbeit mit den Reformierten jeweils vor Ostern während 48 Stunden die Bewachung des Feuers. ZVG

Vor der Marienkirche organisiert der Pfarreirat Windisch in Zusammenarbeit mit den Reformierten jeweils vor Ostern während 48 Stunden die Bewachung des Feuers. ZVG

Ende Oktober 2016 wurde in der römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg der Pastoralraum lanciert. Pastoralraumleiter Simon Meier erklärt, warum es trotzdem noch immer Pfarreiräte braucht.

Gross war die Verunsicherung unter den Mitgliedern der römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg, bevor Ende Oktober 2016 der Pastoralraum lanciert wurde. Ob es dann die Pfarreiräte neben der Kirchenpflege wirklich noch brauche, lautete einer der Vorbehalte. Die feierliche Einweihung des Pastoralraums liegt inzwischen ein paar Monate zurück. In den fünf katholischen Kirchenzentren im Bezirk Brugg (ohne Missione Cattolica Italiana) hat sich auf den ersten Blick organisatorisch nicht viel verändert.

In jedem Zentrum (Birrfeld, Brugg, Riniken, Schinznach und Windisch) gibt es einen Pfarreirat bestehend aus 6 bis 14 Mitgliedern. Und in jedem Pfarreirat ist auch Pastoralraumleiter Simon Meier dabei. Wenn man sich vorstellt, dass sich jeder Rat zu mehreren Sitzungen pro Jahr trifft, muss das für Meier ziemlich zeitintensiv sein.

Machen diese Gremien Sinn? Simon Meier sagt dazu: «Der Pfarreirat spielt auch nach der Gründung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch eine wichtige Rolle.» Jeder Rat präge das Leben der Kirche vor Ort und die Kultur massgeblich mit. Der Pastoralraumleiter ist nicht bei allen Pfarreiratssitzungen persönlich dabei, wie Meier sagt. In den vier Kirchenzentren ausserhalb von Brugg nehme er insgesamt etwa an 8 Sitzungen pro Jahr teil. Diese Aufgabe nehme ansonsten die Seelsorgerin resp. Ansprechperson des jeweiligen Kirchenzentrums wahr.

Alle zwei Jahre eine Tagung

Als Seelsorger und Ansprechperson des Kirchenzentrums Brugg nimmt Simon Meier hingegen regelmässig an den Pfarreiratssitzungen des Kirchenzentrums Brugg teil. Das sind etwa 6 Sitzungen pro Jahr. Ist mittelfristig auch geplant, dass mehrere Pfarreiräte zusammen eine Sitzung haben? «Die Pfarreiräte unseres Pastoralraums kennen sich untereinander und sind vernetzt», fährt Simon Meier fort.

Immer wieder gebe es gegenseitige Einladungen. Gemeinsame Sitzungen sind aber nicht vorgesehen. Alle zwei Jahre gibt es eine extra Tagung für alle fünf Pfarreiräte im Bildungshaus Wislikofen, an der sich die insgesamt rund dreissig Pfarreiratsmitglieder mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen.

Letztes Jahr etwa ging es um das Selbstverständnis der Pfarreiräte mit Inputreferaten und Austausch in Workshops. Sämtliche Mitglieder des Pfarreirats sind ehrenamtlich tätig und erhalten kein Sitzungsgeld. Die Seelsorgenden nehmen aufgrund ihrer hauptamtlichen Funktion im Pfarreirat Einsitz. Die Sitzungen werden laut Meier sehr gut besucht.

Fahrdienst für Senioren ist Thema

«Das Pfarreirat-Gremium ist ein wichtiges Resonanzgefäss für den Pastoralraum», betont Simon Meier. Denn jedes Kirchenzentrum besitze ein eigenes Profil und eine eigene Tradition. In Windisch gehört auch eine Vertretung der Missione Cattolica Italiana zum Pfarreirat.

Welchen Vereinfachungen bringt denn der Pastoralraum? Die Leitung sorge dafür, dass im Pastoralraumgebiet in den Gremien der Seelsorgenden oder in der Administration keine Doppelspurigkeiten stattfinden, stellt Simon Meier klar. So liefen gegenwärtig Überlegungen, ob es im Pastoralraum so etwas wie ein «Sounding Board» (Treffen zur Beurteilung neuer Ideen) geben sollte. Darin wäre sicher zumindest jeweils ein Pfarreiratsmitglied aus jedem Kirchenzentrum vorgesehen.

Der Pastoralraumleiter sieht sich aber immer auch bei den «Wurzeln», beim Kirchenvolk. Die Basis für den Austausch bilden u. a. die Sitzungen mit den Pfarreiräten. Momentan laufe eine Umfrage, ob und in welcher Form sich die Pfarreiräte einen jährlichen grossen Pastoralraumanlass wünschen.

Es geht aber auch umgekehrt. So gibt es eine Anfrage aus den Reihen der Pfarreiräte, ob vom Pastoralraum aus für spezifische Anlässe ein Fahrdienst für Senioren aufgebaut werden könnte. «Darüber machen wir uns, aufgrund der eingegangenen Anregung, Gedanken», erzählt Simon Meier.

«Wir fangen übrigens auch an darüber nachzudenken, ob den Pfarreiräten in Zukunft noch mehr Verantwortung übergeben werden könnte», so der Pastoralraumleiter. Das Stichwort lautet Nahraumpastoral: «Uns ist bewusst, dass wir irgendwann nicht mehr in jedem Kirchenzentrum eine theologisch ausgebildete, hauptamtliche Ansprechperson haben werden», so Meier. Deshalb suche man nach alternativen Wegen mit lokal engagierten Freiwilligen. Deren Begeisterung und Mittragen sei zwingende Voraussetzung für eine lebendige Kirche vor Ort.

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