Veltheim
Nach Grossbrand: Besitzerin baut Hühnerfarm wieder auf

Elf Tage dauerten die Abbrucharbeiten. Farm-Besitzerin Susanne Blum schmerzt der Verlust noch immer. Doch aufgeben will sie nicht. Sie sagt, was das vom Grossbrand verschonte Bild ihres verstorbenen Mannes ausgelöst hat.

Claudia Meier
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Susanne Blum vor dem Bild ihres verstorbenen Mannes, das – wie durch ein Wunder – unversehrt aus den Brandtrümmern geborgen werden konnte.

Susanne Blum vor dem Bild ihres verstorbenen Mannes, das – wie durch ein Wunder – unversehrt aus den Brandtrümmern geborgen werden konnte.

Michael Hunziker

Bunt gefärbte Ostereier schmücken dieses Wochenende so manches Osternest. Das Eier-Tütschen bereitet Gross und Klein viel Spass.

Anders bei Susanne Blum: Sie wird dieses Jahr an Ostern keine Eier essen. Sie kann nicht. Die Bilder vom Grossbrand auf ihrer Hühnerfarm in Veltheim vor gut zwei Wochen, bei dem 6300 Tiere dem Flammeninferno zum Opfer fielen, begleiten sie noch jede Nacht.

Immerhin gehe es täglich ein bisschen aufwärts, sagt sie am langen Tisch in einem dunklen Provisorium. Der intensive Rauchgeruch steigt den Besuchern sofort in die Nase und verschwindet erst nach Stunden wieder.

Blum spricht von schönen Zeichen der Solidarität, die sie nach dem Brand von Freunden, Bekannten, Kunden und Branchenkollegen erfahren hat. Besonders schätzt sie, dass sich die Leute Zeit nehmen und für sie da sind.

So haben beispielsweise Teilzeitangestellte und Bekannte spontan bei den Aufräumarbeiten mitgeholfen. «Das hat mir viel Kraft gegeben und ist eine wunderbare Erfahrung. Für mich ist das keine Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit», sagt die 52-Jährige. Die Abbrucharbeiten dauerten elf Tage.

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand
9 Bilder
Ein Tag nach dem Grossbrand bietet sich ein Bild der Zerstörung
Michael Maeder ist Kommandant der Feuerwehr Schenkenbergertal
Die Wände werden eingerissen
Die Hühnerfarm ist nur noch Schutt und Asche
Die Hühnerfarm wird abgebrochen
Der Sachschaden ist beträchtlich
Das Wohnhaus (vorne) konnte gerettet werden
Die Feuerwehrleute haben anstrengende Stunden hinter sich

Der Tag nach dem Hühnerfarm-Grossbrand

Tele M1

Bild mitten in den Trümmern

Blum will die Hühnerfarm inklusive Eierfärbe-Betrieb wieder aufbauen. Zu diesem schnellen Entschluss habe ein spezielles Vorkommnis beigetragen, erzählt sie und holt tief Luft: «Zwei Tage nach dem Brand konnten wir ein Poster von meinem verstorbenen Mann Johann, das ihn strahlend in seiner blauen Arbeitskleidung mit seinen geliebten Hühnern zeigt, unversehrt aus den Trümmern bergen.»

Es hing ohne jegliche Russspuren im völlig zerstörten Verarbeitungsraum. Entstanden ist das Bild 2006 – zwei Jahre vor Johanns Tod. Mit viel Herzblut und Schweiss hatten Susanne und Johann Blum den Betrieb seit 1982 geführt: «Die Hühnerfarm war unser Kind.»

Vor seinem Tod versprach Susanne ihrem Mann, die Hühnerfarm mit dem Eierfärbe-Betrieb mindestens fünf Jahre weiter zu führen. Das war vor sieben Jahren. Nun soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.

Im Moment werde ein Konzept für den Wiederaufbau erarbeitet, so Blum. Klar ist offenbar bereits: Der Eierfärbe-Betrieb wird vom Hauptgebäude mit Hühnerstall und Wohnteil getrennt aufgestellt.

In Veltheim bricht Dienstagnachmittag in einer Legehennenfarm ein Feuer aus.
18 Bilder
Die Feuerwehr rückt mit einem Grossaufgebot aus.
Viele Hühner verenden im Feuer.
Grossbrand zerstört Hühnerfarm in Veltheim AG
Zwei Personen werden vor Ort durch die aufgebotenen Ambulanzteams medizinisch betreut, da sie Rauch eingeatmet haben dürften. Eine Frau muss zur Kontrolle ins Spital gebracht werden.
Eine dicke Rauchsäule steigt vom brennenden Hühnerstall auf.
Die Löscharbeiten dauern mehrere Stunden.
Es entstand ein beträchtlicher Sachschaden, der noch nicht beziffert werden kann.
Die Autodrehleiter der Feuerwehr Brugg kommt zum Einsatz.
Dieses Huhn konnte sich retten.
Der Brand brach im hinteren Teil der Liegenschaft aus.

In Veltheim bricht Dienstagnachmittag in einer Legehennenfarm ein Feuer aus.

Kapo AG

An der Wand wird das aus den Brandruinen gerettete Bild einen Ehrenplatz bekommen. Das sei mit ihrem heutigen Lebenspartner so vereinbart. Und die Färbemaschine werde keine Eigenkonstruktion mehr sein.

Als der Brand ausbrach war Susanne Blum am Eierfärben im Verarbeitungsraum. Sie beobachtete, wie sich die grüne, ethanolhaltige Farbe im Rohr entzündete. Nach einer Stichflamme habe sich der Brand sofort mit hoher Geschwindigkeit ausgebreitet.

Der Gesamtschaden beläuft sich gemäss Kantonspolizei Aargau auf über eine Million Franken. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. «Nach bisherigen Erkenntnissen brach der Brand bei der Eierfärbemaschine aus», bestätigt Mediensprecherin Barbara Breitschmid.

Sechs Hühner überlebten

Blum ist zuversichtlich, dass sie mit ihrem Betrieb in einem Jahr wieder auf dem Markt sein wird. Im Moment kümmern sich Branchenkollegen um Blums Kunden.

An Eiern fehle es an Ostern also nicht, sagt die 52-Jährige. Von ihren 6300 Hühnern haben 6 überlebt. «Sie sind bei meinem Lebenspartner auf dem Bauernhof untergebracht und legen bereits wieder Eier.»

Bald will auch Susanne Blum wieder Eier essen. Richtig glücklich wird sie aber erst sein, wenn sie ihre Kunden wieder beliefern kann.