Brugg

Nach Expo: Architekten wollen die Stadt mitgestalten

Das Büro Netwerch konzipierte den Schweizer Pavillon für die Expo in Mailand.

Das Büro Netwerch konzipierte den Schweizer Pavillon für die Expo in Mailand.

Ein Jahr nach dem Ende der Weltausstellung in Mailand sagen die Netwerch-Inhaber, was das Projekt gebracht hat und was im Dezember ausgestellt wird.

Er war ein Blickfang und wurde sowohl von vielen Besuchern wie von Fachleuten gelobt: der Auftritt der Schweiz an der letztjährigen Weltausstellung Expo in Mailand. Vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2015 wurden durchschnittlich 11 400 Besucher pro Tag im Schweizer Pavillon gezählt.

Herzstück dieses Pavillons waren die vier Türme, die mit Kaffee, Salz, Apfelringli und Wasser gefüllt waren. Konzipiert wurde der Schweizer Auftritt vom Brugger Architekturbüro Netwerch. Auch das grosse Gotthardmassiv mit den echten Wasserläufen begeisterte viele Besucher.

Einzig mit der angedachten Wiederverwertung der Türme für Urban Gardening in einem Schweizer Stadtquartier wollte es nicht klappen. Da niemand Interesse an dieser Konstruktion gezeigt hatte, wurde der Pavillon nach Expo-Ende in Italien rezykliert.

Fokus auf private Projekte

Doch was hat der prominente Auftritt dem jungen Brugger Büro für Architektur, Design und Grundsätzliches unter dem Strich gebracht? Die beiden Netwerch-Mitinhaber Daniel Christen und Noah Baumgartner äussern sich vorsichtig: «Was die Expo gebracht hat, ist schwer zu sagen. Bestimmt hat sie nicht geschadet.»

Netwerch sei von Anfang an davon ausgegangen, dass die Expo-Teilnahme vor allem langfristig einen Effekt für das Unternehmen haben wird. Ob das auch so sein wird, könne man jetzt noch nicht sagen, fährt Christen fort. Erste Signale sind dennoch bereits erkennbar: Netwerch hat laut Christen derzeit etwas mehr Anfragen als vor der Expo, sowohl für Architektur- wie auch für Ausstellungsprojekte.

«Zur Zeit arbeiten wir schwergewichtig auf lokaler Ebene im Aargau an privaten Projekten wie Wohnhäusern», erzählt Baumgartner weiter. In der Pipeline seien aber auch Projekte für die Öffentlichkeit, die allerdings noch nicht spruchreif sind. Dass Netwerch nach Mailand derzeit etwas kleinere Brötchen bäckt, sei insofern positiv, da die Arbeit wesentlich entspannter ist, betont Christen.

Man habe nun kürzere Wege sowie klare Abmachungen. «Das war an der Expo etwas anders», sagen die Architekten, ohne auf Details einzugehen. Auch die Zusammenarbeit mit den regionalen Handwerkern sei wesentlich einfacher und besser. Und der Umstand, dass alles weniger in der Öffentlichkeit stattfindet, ermögliche es, sich wieder mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ab Dezember im Landesmuseum

Wie es mit dem Netwerch-Büro an der Hauptstrasse in Brugg weitergeht, wenn bei der Alten Post dereinst die langersehnte Zentralverwaltung realisiert wird, weiss Baumgartner noch nicht.

Auch wenn das Unternehmen beim Studienwettbewerb «Alte Post Brugg» im Mai dieses Jahres leer ausging, so hoffen die Verantwortlichen doch sehr, dass sie auch in der Region Brugg weitere Projekte realisieren können. «Wir sind hier auch persönlich an einer guten Stadtentwicklung interessiert. Deshalb freut es uns, wenn wir einen Beitrag dazu leisten können», so Christen.

Ein Schwergewicht vom Expo-Auftritt in Mailand bleibt übrigens bestehen: Der von Netwerch konzipierte und realisierte Monolith von der Gotthardaus-stellung kommt im Dezember als Dauerleihgabe ins Schweizerische Landesmuseum in Zürich. Das Mini-Gotthard-Massiv wiegt rund 23 Tonnen, ist sechs Meter lang und drei Meter breit.

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