Brugg

Nach elf Jahren ist Schluss: Das Modehaus Isil zieht von der Annerstrasse ins Zentrum

Isil Selcuk und ihr Vater Necdet freuen sich auf den neuen Laden an der Hauptstrasse.

Isil Selcuk und ihr Vater Necdet freuen sich auf den neuen Laden an der Hauptstrasse.

In Brugg verlässt Isil Selcuk nach elf Jahren die Annerstrasse und richtet sich im ehemaligen Lokal der Bijouterie Hinteregger ein. Die Nachfrage bei ihrem Schneider- und Änderungsatelier ist auch in Zeiten von Corona weiterhin gross.

Einen Umzugswagen brauchte Isil Selcuk nicht, als sie Mitte August ihr Schneider- und Änderungsatelier Modehaus Isil an den neuen Standort zügelte. Von der alten Adresse an der Annerstrasse 10 in Brugg sind es nur wenige Schritte bis zu den Räumlichkeiten an der Hauptstrasse 4.

Nachdem die Bijouterie Hinteregger ihre Geschäftsaufgabe bekanntgegeben hatte, bewarb sich Selcuk für dieses Gewerbelokal und bekam letztlich den Zuschlag. «Anfangs fiel es mir schwer, meinen alten Laden aufzugeben», sagt die 38-Jährige. «Aber es war eine einmalige Gelegenheit, vom relativ versteckten Standort an die Hauptstrasse zu wechseln.» Zumal auch der ehemalige Nachbar Otto’s per Anfang September von der Annerstrasse an den Neumarktplatz gleich gegenüber gezogen ist.

Der Vater ist mittlerweile ebenfalls begeistert

Auch ihr Vater Necdet Mencik, mit dem sie vor 20 Jahren das Geschäft gegründet hat, war zu Beginn gegen einen Umzug. «Es brauchte ein wenig Überzeugungsarbeit», schmunzelt Selcuk. «Der Laden ist wie ein Kind für ihn.» Nun, da das neue Lokal fast komplett eingerichtet ist, zeigt sich der Vater doch begeistert.

1985 zog die Familie aus der Türkei in die Schweiz und ist nun seit 27 Jahren in Windisch heimisch. Der Umgang mit Textilien liegt Selcuk im Blut. Nebst Vater Necdet gibt es noch mindestens fünf weitere Schneider in der Familie. Im Alter von 12 Jahren entdeckte der Vater die Leidenschaft für das Nähen und war 50 Jahre lang als Schneider tätig. Die Nähmaschine, auf der er gelernt hat, ist neben weiteren antiken Nähmaschinen und Bügeleisen im Schaufenster des neuen Ladenlokals ausgestellt.

Auch Isil Selcuk fing früh an zu nähen. «Mit zwölf habe ich damals in der Schule im Textilen Werken mein erstes Abendkleid genäht», sagt sie. In einem Schneideratelier in der Stadt Zürich absolvierte sie die Ausbildung zur Schneiderin und eröffnete 2000 gemeinsam mit ihrem Vater das Modehaus Isil. Seit der Pensionierung Necdets 2016 führt Selcuk das Geschäft allein.

Die Mutter von drei Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren wird aber nach wie vor von ihrem Vater unterstützt. «Er sagt zwar immer, dass er nur noch selten hier ist, tatsächlich kommt er aber fast jeden Tag im Laden vorbei und hilft mir», sagt sie. Die Unterstützung der Familie ist darüber hinaus generell gross. Während Selcuk arbeitet, kümmern sich ihr Mann und ihre Mutter um Kinder und Haushalt. Beim Umbau des neuen Ladenlokals packte die gesamte Familie mit an.

Das Schneidergeschäft ist sehr saisonabhängig

«Nähen tut mir gut», sagt Selcuk. «Eigentlich bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch, aber an der Nähmaschine kann ich den ganzen Tag sitzen.» Während des Lockdowns musste Selcuk ihr Atelier jedoch für fast drei Monate schliessen. Die Nachfrage nach Änderungen ist denn auch seit dem ersten Tag der Wiedereröffnung gross.

«Die Leute haben in dieser Zeit viel online bestellt, konnten aber nicht ändern lassen, wenn etwas nicht passte.» Die Lockerung des Versammlungsverbots bekam Selcuk ebenfalls direkt zu spüren. «Seit Veranstaltungen wieder möglich sind, bekomme ich fast jede Woche mehrere Hochzeitskleider zum Anpassen.» Auch Abendkleider und Anzüge werden wieder vermehrt gebracht.

Das Schneidergeschäft sei sehr saisonabhängig. Nun, da es langsam Herbst wird, hängen wieder Wintermäntel, deren Reissverschluss kaputt ist, oder Skihosen, die gekürzt werden müssen, an den Bügeln in ihrem Laden. «Ich habe Kunden aus jedem Segment», sagt Selcuk. So werden ihr nicht nur teure Pelzmäntel oder Designerstücke zur Reparatur gebracht, sondern auch schon einmal das Lieblingsshirt einer schwedischen Modekette. «Für mich macht das keinen Unterschied, ich finde beides spannend.»

Die Nachfrage ist gross trotz Fast-Fashion-Industrie

Dass der Beruf des Schneiders trotz Fast-Fashion-Industrie auch in der Schweiz noch
lange nicht aussterben wird, ist sich Selcuk sicher. «Eine Änderung oder individuelle Anpassung kann man so nicht einfach im Internet bestellen.» Sie hofft denn auch, dass eines ihrer Kinder später einmal das Familienunternehmen weiterführen wird.

Im neuen Geschäft bietet Isil Selcuk keine Kleider mehr zum Kauf an, sondern konzentriert sich auf Änderungen und Massanfertigungen. Zudem nimmt sie Textilien zur Reinigung an. Die Öffnungszeiten hat sie nur am Montag geändert (ab 13.30 Uhr). Ein offizieller Eröffnungsapéro ist morgen Samstag, 5. September, geplant. Für alle gibt es bei dieser Gelegenheit einen 20-Prozent-Gutschein.

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