Lupfig
Nach Eklat: Altersheim Eigenamt bekommt einen neuen Chef

Um die Betriebssicherheit zu gewährleisten, kauft das Haus Eigenamt nun Dienstleistungen vom Pflegezentrum Süssbach AG ein. Hanspeter Müller führt vorübergehend beide Häuser. Ziel ist es, Ruhe zu schaffen und Organisationsstruktur reinzubringen.

Claudia Meier
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Das Altersheim Eigenamt ist in neuen Händen (v. l.): Hanspeter Müller, Geschäftsführer Pflegezentrum Süssbach AG, übernimmt die interimistische Leitung in Lupfig von Martin Plüss. Das gibt Vereinspräsident Tobias Kull bekannt. Sandra Ardizzone

Das Altersheim Eigenamt ist in neuen Händen (v. l.): Hanspeter Müller, Geschäftsführer Pflegezentrum Süssbach AG, übernimmt die interimistische Leitung in Lupfig von Martin Plüss. Das gibt Vereinspräsident Tobias Kull bekannt. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

«Ich bin nicht hier, um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben», sagt Hanspeter Müller am Mittwochvormittag im Haus Eigenamt. Der Geschäftsführer des Pflegezentrums Süssbach AG in Brugg ist per sofort zusätzlich der interimistische Geschäftsführer im krisengeschüttelten Altersheim in Lupfig. «Die beiden Pflegezentren haben eine enge Zusammenarbeit beschlossen», sagt Tobias Kull, Präsident Altersheimverein Eigenamt, kurz nachdem er das Personal informiert hat.

Martin Plüss, der die Geschäftsführung nach der Freistellung von acht Mitarbeitenden vor einem Monat übernahm, verabschiedet sich nach der Presseorientierung vom Haus Eigenamt.

Ein Dienstleistungsvertrag mit dem Süssbach sorge im Haus Eigenamt dafür, dass die notwendige Professionalisierung ruhig und geordnet durchgeführt werden könne, erklärt Kull weiter. «Dank der Unterstützung des grossen, kompetenten und erfahrenen Partners Süssbach können die letzten Zweifel betreffend Betriebssicherheit und Qualität der Pflege ausgeräumt werden.» Das Pflegezentrum Süssbach in Brugg ist mit seinen 111 Betten rund doppelt so gross wie das Haus Eigenamt. «Da wir ab nächstem Jahr eh mit dem Alterszentrum Brugg zusammenspannen werden, kann ich – je nach Bedarf – bereits heute darauf zurückgreifen», sagt Hanspeter Müller.

Kanton riet, Hilfe zu holen

Geht es nach den Verantwortlichen, soll das Haus Eigenamt möglichst schnell von den Brugger Dienstleistungen in Sachen Pflege oder Führung profitieren. «Ich kann keine Wunder versprechen», räumt Müller ein. Dennoch hat er klare Vorstellungen, wo der grösste Handlungsbedarf besteht: «Ich beginne morgen, eine klare Organisationsstruktur und eine gewisse Menschlichkeit reinzubringen. Wir brauchen Leute, die mithelfen, das Vertrauen wieder aufzubauen.» Müller ist offen für Fragen, nur über die Vergangenheit und politische Angelegenheiten will er mit den Angestellten nicht sprechen.

In der Anfangsphase werde er jeden Tag im Haus Eigenamt vorbeischauen und sich mit dem Kanton austauschen. Letzterer war es auch, der dem Haus Eigenamt riet, kompetente Hilfe von einem grösseren Pflegezentrum beizuziehen. Gefragt ist beispielsweise Fachkompetenz für die Demenz-Abteilung.

Müller, der sich als Koordinator versteht, rechnet damit, dass es mindestens drei bis vier Monate dauern werde, bis wieder Ruhe eingekehrt ist und sich die Abläufe eingependelt haben. Das Ziel ist klar: Das Haus Eigenamt soll wieder selbstständigt werden. «Der Dienstleistungsvertrag ist unter Einhaltung einer zweimonatigen Frist kündbar. Doch vorerst bin ich froh, dass wir mit Hanspeter Müller einen Profi ins Haus holen konnten», betont Präsident Tobias Kull.

Pflegedienstleiterin ging wieder

Pflegedienstleiterin Brigitte Rauber, die ihre neue Stelle vor einer Woche antrat, hat das Haus Eigenamt am Dienstag in der Probezeit verlassen. «Sie hat sich etwas anderes vorgestellt», sagt Kull. Müller ist zuversichtlich, dass er diese Stelle bald wieder besetzen kann. Deshalb brauche momentan insbesondere die Pflege Unterstützung.

Der scheidende Geschäftsführer Martin Plüss geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dass es so turbulent zu- und hergeht habe er nicht erwartet. Vom Personal sei er aber nie angefeindet worden. Mit ihm verlässt auch seine Sekretärin, die ebenfalls pensioniert ist, das Altersheim in Lupfig.