Dass ihnen zwei neue Kandidaten den Platz im Gemeinderat Birr streitig machen wollen, damit haben die heutigen Amtsinhaber kein Problem. «Das ist absolut legitim», sagen die Bisherigen, die alle zur Wiederwahl antreten. Über die Flugblätter, die im Dorf verteilt wurden, über die darauf gemachten Aussagen, können sie aber teilweise nur den Kopf schütteln. «Wir nehmen unsere Verantwortung wahr und sind gewillt, etwas zu bewegen, auch wenn wir einmal ein heisses Thema anpacken müssen. Wir wollen nicht verwalten, sondern führen», stellen sie fest und ergänzen: «Unsere Türen sind nie verschlossen. Wir haben stets ein offenes Ohr für alle.»

Um nach der Kampfansage der Sprengkandidaten «ein paar Sachen ins rechte Licht» zu rücken, haben sie am langen Tisch im Sitzungszimmer im Gemeindehaus Platz genommen: Vizeammann André Guillet sowie die Gemeinderäte Alfred Hatt, Tobias Kull und Daniel Zimmermann. Ferienhalber abwesend war Gemeindeammann Markus Büttikofer.

Die Nachbarn blockten ab

Gerade im Bausektor sei viel passiert, betont Alfred Hatt. Er erwähnt das Verkehrskonzept mit der NK395, ein Projekt, das lange hinausgeschoben worden sei und das für eine Verkehrsentlastung im Dorf sorge. Immer seien, so Hatt, nachhaltige Lösungen gesucht worden. Kurz: «Die Infrastruktur befindet sich auf einem guten, zeitgemässen Stand», sagt der Gemeinderat. Als weiteres Beispiel nennt er die Schulanlagen. «Wir haben vorausgeschaut, Probleme erkannt und Massnahmen ergriffen.» Mit dem heutigen Angebot, dazu gehören Tagesstrukturen und Mittagstisch, könnten die guten Steuerzahler erhalten und neue Einwohner – Familien genauso wie Doppelverdiener – angelockt werden.

Diesen Ausführungen pflichtet Vizeammann André Guillet bei. Die Tagestrukturen seien ein Erfolg, auch die Schulsozialarbeit habe sich bewährt. Zwischen Schulpflege, Schulleitung und Gemeinderat bestehe ein hervorragendes Verhältnis, so Guillet weiter. Das sei nicht immer so gewesen, vor ein paar Jahren habe es Unstimmigkeiten gegeben. «Mittlerweile konnte eine Vertrauensbasis geschaffen werden und es sind konstruktive Diskussionen möglich.» Als es darum gegangen sei, den Regos-Vertrag anzupassen, um die Fragen rund um Leistungsabgleich, Qualität und Weiterentwicklung zu klären, seien die Gespräche nicht von Birr, sondern von Lupfig abgeblockt worden, so Guillet. Die Gemeindeversammlung habe den Vertrag in der Folge gekündigt. Trotzdem: «Eine regionale Oberstufe ist sinnvoll, die Zusammenarbeit soll weitergeführt werden», steht für den Vizeammann fest.

Apropos Zusammenarbeit: Diese funktioniere in diversen Bereichen und Birr sei offen für Neues, auch wenn es mit der Fusion mit der Nachbargemeinde Birrhard nicht geklappt habe, so Guillet. «Offenbar waren in der Nachbargemeinde zu viele Ängste vorhanden. Aber wir können uns nach wie vor in die Augen schauen.» Ein weiteres Beispiel für die gute Zusammenarbeit sei die Tatsache, dass der bestehende Friedhofverband Birr/Lupfig mit den Gemeinden Birrhard und Scherz erweitert und so ein mehrjähriges Projekt abgeschlossen werden kann. «Die Gemeindeversammlungen werden im Herbst darüber befinden.»

Bereit für grosse Aufgaben

Und wie begründet der Vizeammann die Abgänge von verdienten Führungspersonen auf der Verwaltung in Birr? «Wir hatten früher eine turbulente Phase mit einigen Wechseln», räumt er ein. «Jetzt besteht ein ganz normales Arbeitsverhältnis.» Eine gewisse Fluktuation sei, wie in der Privatwirtschaft, nicht unüblich. «Unglücklich war, dass drei Abgänge fast zur gleichen Zeit erfolgten.» Jede Stelle habe aber mit motivierten Personen besetzt werden können.

Auf der Verwaltung seien, fasst Guillet zusammen, Strukturen überprüft und wo nötig angepasst worden. Wie im Bereich Gesundheit und Soziales, erklärt Ressortvorsteher Tobias Kull. «Beim Altersheim, bei der Spitex oder bei der Jugendarbeit haben sich die Anforderungen und die gesetzlichen Bestimmungen verändert. Vieles haben wir überarbeitet.» An Herausforderungen mangle es indes nicht, weiss Kull. «Aber wir sind bereit für die kommenden, grossen Aufgaben.»

In einer Gemeinde wie Birr, mit seiner Bevölkerungs- und Finanzstruktur, sei der Spielraum eng, fügt sein Kollege Daniel Zimmermann an. Am Steuerfuss von 110 Prozent soll dennoch so lange als möglich nicht gerüttelt werden. Zimmermann kommt auf das Thema Brötliexamen zu sprechen. Da sei von einer «missglückten Übung» die Rede gewesen. «Es ist überhaupt nichts missglückt», hebt er hervor. Die Behörden der Eigenämter Gemeinden hätten den Mut gehabt, in diesem Jahr gemeinsam andere, auch unkonventionelle Lösungen zu suchen. Es sei also vielmehr eine «demokratische Übung» gewesen. «Die Bevölkerung von Birr hat übrigens in einer kürzlich durchgeführten Umfrage entschieden, dass das Brötliexamen auch künftig am ersten Mai-Wochenende stattfinden wird und am Gemeinsamen festgehalten werden soll,» so Zimmermann.