Vor den Festtagen kündigte der Windischer Schulleiter Philipp Grolimund per Ende Schuljahr, am Donnerstagabend – knapp eine Stunde vor dem Neujahrsapéro der Gemeinde Windisch – wurde bekannt, dass auch Schulpflegepräsidentin Judith Zürcher und Schulpflegemitglied Mirjam Oertli den Bettel hinwerfen.

Den Entscheid, per Ende Januar die Schulpflege zu verlassen, haben Judith Zürcher (SP) und Mirjam Oertli (FDP) offenbar bereits zwischen Weihnachten und Neujahr gefällt. «Die Situation innerhalb der Schulpflege hat sich verschärft», begründet Judith Zürcher ihren Entscheid. Die Vorstellungen davon, wie eine Schule gepflegt werden solle, seien auseinandergerückt. «Das führte zu einer Polarisierung. Das ist nicht konstruktiv, hilft der Schule nicht. Wenn ich zur Polarisierung beigetragen habe und jetzt mit meinem Rücktritt zur Entschärfung der Situation mithelfen kann, dann tue ich das», sagt Zürcher.

Sie und Oertli seien anderer Ansicht gewesen als die anderen Schulpflegemitglieder, wie die Aufgabenteilung und die Kompetenzen auszusehen haben. «Uns war wichtig, den Lehrpersonen zuzuhören. Zu merken, was sie brauchen, und ihre Meinung in unsere Entscheide einzubeziehen», sagt Zürcher. Das sei wesentlich für eine gute Schule, nur gemeinsam seien die Herausforderungen zu schaffen. Sie wird konkreter: «Wir waren uns in der Schulpflege nicht einig, wie wir mit den Meinungen unserer Schulleitungen umgehen wollen.»Der Entscheid, zurückzutreten, sei ihr aufgrund der Rückmeldungen der Lehrpersonen schwergefallen. Von ihnen spürte sie grosse Unterstützung und auch die Lehrpersonen hätten sich von ihr verstanden gefühlt. «Leid tut mir auch, dass der Ruf der Schule Windisch nun unter dem Ganzen leidet», betont Zürcher.

Kleine Anfrage als Ursprung

Gemäss der Schulpflegepräsidentin und ehemaligen Schulleiterin Judith Zürcher habe die interne Krise im Herbst nach der kleinen Anfrage von CVP-Einwohnerrat Toni Burger ihren Lauf genommen. Dieser vorausgegangen war eine Geschichte über drei Kinder aus dem kleinen Kindergarten, die am Donnerstagnachmittag den grossen Kindergarten besuchen durften, damit sie in dieser Zeit betreut sind, während ihre Eltern arbeiten.

In der kleinen Anfrage kritisierte Toni Burger, dass die Schulpflegepräsidentin Entscheide treffe, ohne die übrigen Mitglieder der Schulpflege zu informieren. Weiter wollte Burger wissen, ob der Vorsteher des Ressorts Schule, Gemeinderat Bruno Graf (SP), die Behörde an den Sitzungen der Schulpflege vertrete. In der Beantwortung hiess es, dass die Schulpflege bezüglich dieses Falls mit der Betreuung der drei Kinder zu spät informiert worden sei. Deshalb wollte man das Kommunikationsproblem intern angehen. Und Bruno Graf gab bekannt, dass er teilweise an den Sitzungen teilnimmt, die Schulpflege eine eigenständige Behörde sei.

Nach Publikwerden dieser kleinen Anfrage habe sie gewusst, dass etwas schieflaufe, so Zürcher. Danach seien die Diskussionen über die Kompetenzen und Arbeitsteilung in der Schulpflege häufiger geworden. Die Fronten verhärteten sich und gipfelten in der Kündigung des Schulleiters und nun im Weggang von Zürcher und Oertli.

Maliqi übernimmt interimistisch

Innerhalb des Gremiums wurde bereits gehandelt. «Damit die Schulpflege handlungsfähig bleibt, wurde die Leitung der Schulpflege interimistisch von Suad Maliqi übernommen», sagt der Windischer Verwaltungsleiter Marco Wächter auf Nachfrage der AZ. Maliqi (parteilos, von der SP portiert) ist seit einem Jahr in der Schulpflege und ist Berufsfachschullehrer in Aarau. 

Die Aufgaben der austretenden Schulpflegemitglieder werden zudem auf die verbleibenden Mitglieder zur Neuorganisation aufgeteilt. Weiterhin in der Schulpflege tätig sind nebst Maliqi auch Amir Nuredini (FDP) und Zeynep Karavus (CVP). «Im Fokus steht dabei immer, dass weiterhin ein reibungsloser Schulbetrieb gewährleistet ist», sagt Wächter. Die Verwaltung übernehme in einem ersten Schritt keine Aufgaben. Sie stelle sich jedoch zur Verfügung, der Schulpflege unterstützend zur Seite zu stehen, wenn dies von der Schulpflege gewünscht wird.

Gespräche zwischen Schulpflege und Gemeinderat werden nächste Woche stattfinden. Dabei werde sich zeigen, ob Bedarf besteht. Der zuständige Gemeinderat Bruno Graf führe zurzeit diverse Gespräche mit den Schulpflegemitgliedern und nehme auch an Schulpflegesitzungen teil. «Dabei steht immer das Ziel im Vordergrund, dass die Schulpflege ihre Aufgaben wieder als Einheit erfüllt und bald wieder Ruhe einkehrt», so Wächter. Die Ersatzwahlen für die Schulpflege finden am 19. Mai statt.