Unwetter
Nach dem Hagel sind die Dellen-Profis am Drücker

Renato Leone drückt – und zwar so sehr, dass ihm Schweissperlen über die Wangen kullern. Leone ist einer von den über 40 Dellendrückern in der Amag-Retail-Garage in Schinznach-Bad und bringt Fahrzeuge mit Hagelschaden wieder in Form.

Michael Hugentobler
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Renato Leone bessert einen beschädigten Audi aus. HUG

Renato Leone bessert einen beschädigten Audi aus. HUG

Im Moment drückt Renato Leone Dellen an einem Audi A7 aus, die während des Hagelgewitters diese Woche entstanden. Das Auto besteht zu einem grossen Teil aus Aluminiumteilen. «Das Material benötigt viel mehr Kraft zum Bearbeiten als Stahl», sagt Leone.

Bis zu 300 Dellen nach Hagel möglich

Mit einem speziellen Drückereisen presst er mit Hebelwirkung von unten an die Kühlerhaube. Das heisst, er drückt eigentlich nicht. Viel eher massiert er das Aluminium, sodass nach einigen Minuten das Blech wieder flach ist.

Versicherungen richten Help-Points ein

Gegenwärtig sind die Versicherungen dabei, die Schäden aufzunehmen. Viele Versicherungen haben dafür spezielle Anlaufstellen geschaffen. Adriano Pavone, Mediensprecher der Zürich Versicherung, sagt: «Seit Dienstag haben wir Hagel-Help-Points eingerichtet.» Der erste stehe in Bäch im Kanton Schwyz. «In einer Bootswerft fahren Autos vierspurig im Halbstundentakt heran und werden auf Schäden untersucht», so Pavone. Auch im Kanton Aargau ist ein solcher Help-Point geplant, zum Beispiel ab August in Wohlen an der Bremgartenstrasse 111. Schon heute kann ein Termin vereinbart werden. Bei dieser Anlaufstelle wird die Intensität des Schadens angeschaut. Mit dem Autobesitzer wird der richtige Reparaturweg beschlossen. In den Partnergaragen der Zürich Versicherung kommen sowohl Schweizer wie auch ausländische Karosseriespengler zum Einsatz. Auch die Partnergaragen der Zürich Versicherung haben speziell ausgebildete Dellendrücker, die sich um Dellen durch Hagelgewitter kümmern. (HUG)

«Diese Arbeit braucht aber sehr viel Fingerspitzengefühl», sagt Leone. Man müsse das Material kennen und brauche Erfahrung. Seit dreieinhalb Jahren ist er im Team dabei und es macht ihm Spass. «Ursprünglich war ich Lackierer, aber mittlerweile arbeite ich viel lieber mit Dellen», sagt Leone.

Nach Untwetter: Garage Geissmann in Wohlen hat alle Hände voll zu tun
13 Bilder
Verhagelter Wagen
Eingeschlagene Rückspiegel
Carosseriespengler an der Arbeit
Verhagelter Wagen
Eingeschlagene Rückscheibe
Eingeschlagene Rückspiegel
Kaputtes Rücklicht
Verhagelter Wagen

Nach Untwetter: Garage Geissmann in Wohlen hat alle Hände voll zu tun

Nach einem Hagelgewitter können auf eine Kühlerhaube problemlos 300 Dellen kommen. Innert fünf bis sechs Stunden kann Leone das Blech wieder so aussehen lassen, als wäre es nie in einen Hagelsturm gekommen. Dieser Aufwand wird aber nicht bei allen Autos betrieben. Die günstigere Kühlerhaube eines Skodas zum Beispiel wird nicht in einem solch aufwändigen Verfahren verschönert. Sie landet im Müll und wird ersetzt.

Knifflige Arbeit an Kühlerhaube

«Unsere Leute arbeiten selten mehr als 8 Stunden am Tag», sagt Karosserieleiter Peter Huser. Die Arbeit mit den Dellen sei körperlich anstrengend, zudem müssen die Arbeiter gute Augen haben, um beinahe schon mit chirurgischer Präzision vorgehen zu können. «Nach 8 Stunden Konzentration geht jeder in seinen wohlverdienten Feierabend», so Huser.

Baum fällt auf Auto
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Hagelkörner auf einer Wiese, aufgenommen von Jurka Lucek
Eingeschlagene Scheibe bei einem Chalet auf der Saalhöhe
Hagelschäden, aufgenommen von Jurka Lucek
Hagelkorn im Waldgasthaus Chalet Saalhöhe im Solothurnischen Kienberg, aufgenommen von Jurka Lucek
Hagelkörner in Röschenz, aufgenommen von Leser Guido Karrer-Matter.

Baum fällt auf Auto

Leserfoto

Besonders knifflig an dieser Arbeit sind die Querverstrebungen, die unter der Kühlerhaube verlaufen. Diese versperren den Zugang zur Delle. Damit Renato Leone die Delle trotzdem herausarbeiten kann, muss er eine besonders dünne Stahlstange zwischen der Verstrebung und der Kühlerhaube durchdrücken.

Die Amag Automobil- und Motoren AG hat die Dellendrücker extra ausgebildet. «Wir haben weit über eine halbe Million Franken in die Schulung unserer Spezialisten investiert», sagt Mediensprecher Livio Piatti. Im Moment haben über 40 Personen diese Ausbildung absolviert und besuchen laufend Auffrischungskurse, um die neusten technischen Kniffe zu lernen.

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