An diesem Ergebnis gibt es nichts zu rütteln: Mit 97 Ja- gegen 295-Nein-Stimmen haben die Stimmberechtigten in Schinznach-Bad an der Urne den Kredit für den Bau eines neuen Doppelkindergartens abgelehnt.

Vermutet – respektive befürchtet – hatte Gemeinderat Jürg Meyer im Vorfeld zwar schon, dass es zu einem Nein kommen könnte. Schliesslich habe sich unter anderem eine Gruppierung mit einem Flugblatt an die Haushaltungen für einen Marschhalt ausgesprochen. Ein so deutliches Resultat aber kam auch für Meyer unerwartet. «Damit habe ich nicht unbedingt gerechnet», gibt er am Tag nach dem Urnengang unumwunden zu. Einen Groll hegt er deswegen keinen. «Das ist der demokratische Weg.»

Der Betrag ist hoch, aber . . .

Meyer ist im Gemeinderat zuständig für die Ressorts Bildung sowie Gemeindeliegenschaften. Er geht davon aus, dass mehrere Faktoren zu diesem Resultat geführt haben. Einerseits sei der Baukredit in der Höhe von 2 Mio. Franken für die knapp 1300-Seelen-Gemeinde Schinznach-Bad – zugegebenermassen – recht hoch. Allerdings, gibt er zu bedenken, greife es zu kurz, den Bau einzig von diesem Betrag abhängig zu machen. Der Gemeinderat müsse längerfristig denken.

Andererseits erinnert Meyer an die längere Vorgeschichte. Eine Arbeitsgruppe klärte die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten ab: Gesamtsanierung des bestehenden Kindergartens, Abbruch und Neubau am heutigen Standort oder Neubau auf dem Schulhausareal. Letztere, kam der Gemeinderat zum Schluss, sei eine zukunftsorientierte, sinnvolle und wirtschaftliche Lösung. Es könnten nicht nur Synergien genutzt und die operative Führung erleichtert werden. Der heutige Kindergarten könnte abgebrochen und das rund 3350 Quadratmeter grosse Areal, das sich in der Wohnzone befindet, verkauft werden.

Es besteht Handlungsbedarf

Der Bevölkerung vorgestellt wurde das Vorhaben im April dieses Jahres. Es kam bei den rund 50 Anwesenden gut an. Die Anregungen, die unter anderem zur Umgebungsgestaltung eingereicht wurden, wertete der Gemeinderat aus, um sie allenfalls in die weitere Planung aufnehmen zu können. Die Gemeindeversammlung im Juni schliesslich stimmte dem Baukredit mit 31 zu 21 Stimmen zu. Gegen diesen Beschluss kam in der Folge mit 231 gültigen Unterschriften das Referendum zustande.

Vielleicht seien, sagt Meyer, da und dort Befürchtungen vorhanden gewesen, dass das Kindergartenareal möglichst schnell verkauft und überbaut werden soll. Und vielleicht hätten, zu guter Letzt, die derzeit laufenden Fusionsverhandlungen mit Brugg und die möglichen Auswirkungen auf die Gemeindeliegenschaften – und die Bedenken vor leerstehenden Gebäuden – einen Einfluss auf den Ausgang des Urnengangs gehabt.

Fest stehe, fährt der Gemeinderat fort, dass beim heutigen Kindergarten Handlungsbedarf bestehe. In der massiv sanierungsbedürftigen Liegenschaft mit Jahrgang 1965 mussten bereits einige Erneuerungen und Reparaturen vorgenommen werden. «Wir kommen nicht um eine neue Lösung herum», stellt Meyer fest. «Wir hoffen, dass trotz Verzögerung keine grösseren Kosten entstehen.»

Der Gemeinderat werde die verschiedenen Möglichkeiten prüfen und die Berechnungen vornehmen, sagt Meyer. Der zeitliche Horizont sei schwierig abzuschätzen. Hektik, gibt er zu bedenken, sei aber so oder so nicht angebracht. «Es gilt in Ruhe abzuklären, welcher Weg und welches konkrete Vorgehen am meisten Sinn macht.»