Es sei ein logischer Schritt gewesen, als er sich vor vier Jahren in Windisch von der SP zum Gemeinderatskandidaten nominieren liess, sagt Christoph Haefeli. Zuvor gehörte er während 23 Jahren dem Einwohnerrat an, den er in den Jahren 2010/11 zusätzlich präsidieren durfte. Mit 1211 Stimmen (absolutes Mehr 645) schaffte der Apotheker den Sprung von der Legislative in die Exekutive und wurde ab 2014 Nachfolger von SP-Gemeinderat Karsten Bugmann.

Im Frühling dieses Jahres entschied Haefeli, dass er sich im Herbst nicht mehr für die Wiederwahl zur Verfügung stellen wird. Er machte persönliche Gründe dafür geltend. «Ich bin kein ‹Politfuchs› und zu wenig hartnäckig, um geschickt zugunsten der Gemeinde zu verhandeln», sagt der 56-Jährige selbstkritisch. Die Öffentlichkeit störe ihn zwar nicht, aber mit der Politik an der Front bekam er zunehmend Mühe.

Er stand ständig unter Spannung

Als Einwohnerrat fühlte er sich in der Fraktion gut aufgehoben. Die Diskussionen fanden in einem geschützten Rahmen statt. Haefeli konnte sich bei den echten Anliegen einbringen oder sonst nur mitlaufen respektive auch mal pausieren. «Im Gemeinderat ist man immer exponiert und muss bei allen Geschäften mitreden. Ich stand ständig unter Spannung», erzählt er und trinkt einen Schluck Kaffee.

Wer die engagierten Debatten im Windischer Einwohnerrat schon mitverfolgt hat, weiss, was Haefeli damit meint. Die Anspannung sah man dem SP-Gemeinderat an. Wenn er ein Geschäft aus seinem Ressort Gesundheit, Alter, Soziale Wohlfahrt, Treffpunkt Integration und Jugendtreff vertreten musste, fiel es ihm manchmal schwer, dieses mit schlagkräftigen Argumenten zu verteidigen.

Und auch wenn Haefeli in den letzten vier Jahren lernte, dass er nicht der richtige Mann für den Gemeinderat in einem mittelgrossen Dorf mit 7500 Einwohnern ist, so ist bei ihm keine Enttäuschung oder Frustration spürbar. Der Apotheker möchte die Zeit im Gemeinderat auf keinen Fall missen. Dieser Nebenjob sei interessant und spannend gewesen, sagt er. Zudem habe er immer geschätzt, welchen immensen Einsatz die Verwaltung täglich leistet.

Weitere vier Jahre im Gemeinderat mitzumachen, könne er allerdings nicht mehr verantworten. Dass Haefeli der Rücktrittsentscheid leicht fiel, hat auch damit zu tun, dass mit Parteikollege Bruno Graf ein geeigneter Nachfolger verfügbar war.

Zwischen die Fronten geriet Christoph Haefeli vor über einem Jahr mit den wachsenden Problemen zwischen der Gemeinde Windisch und dem Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD). Nachdem sich Bruggs Stadtammann Daniel Moser als KESD-Präsident vom alten Verein zurückgezogen hatte, trat Haefeli in dessen Fussstapfen. «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen», sagt der Windischer rückblickend. Haefeli präsidierte den KESD noch während eineinhalb Jahren, bis der Verein in den neuen Gemeindeverband Soziale Dienstleistungen Region Brugg integriert wurde. In der Folge vertrat der SP-Politiker die Gemeinde Windisch im Verbandsvorstand.

Doch die Spannungen wurden immer grösser. «Ich wurde in der Mitte aufgerieben. Einerseits gab es massive Kritik von Windisch am Gemeindeverband. Andererseits hatte ich als Gemeindevertreter im Vorstand einen guten Einblick in die Verbandsarbeit.» In dieser Doppelrolle gelang es Haefeli jedoch nicht optimal, rechtzeitig die nötigen Gespräche aufzugleisen. Nach Rücksprache mit dem Gemeinderat verliess er vor einigen Monaten den Verbandsvorstand. An seine Stelle trat der ehemalige Windischer Einwohnerrat und Lernwerk-Geschäftsführer Christian Bolt.

Integration ist politisch akzeptiert

Dass man als einzelner Gemeinderat nichts von null an zustande bringt, weiss auch Christoph Haefeli. Dennoch ist er stolz und freut sich, dass die offene Jugendarbeit in Windisch so gut läuft. Als Wermutstropfen bezeichnet er den Umstand, dass es mit der regionalen Jugendarbeit nicht funktionierte.

Am meisten Energie habe er in den Treffpunkt Integration investiert, fährt er fort. Dreimal war er mit einem entsprechenden Antrag im Einwohnerrat. Dass es bei der abgespeckten Version keine Opposition mehr gab, zeige ihm, dass die Integration in Windisch politisch akzeptiert und gefestigt ist. «Im Asylbereich haben wir das Glück, dass wir mit der kantonalen Unterkunft an der Unterwerkstrasse zwar unser Aufnahmekontingent erfüllen, aber nicht selbst für die Betreuung der Asylbewerber aufkommen müssen», lautet ein weiteres Fazit.

In der Brugger Apotheke, wo der Windischer Gemeinderat sein Pensum auf 70% reduzieren konnte, will Haefeli ab nächstem Jahr wieder aufstocken. Auf der Politik-Schiene führt er das Co-Präsidium der SP Bezirk Brugg gerne weiter. Zudem wird er dem Verein Alterswohnungen – wenn nicht als Gemeindevertreter, so doch als Vorstandsmitglied – erhalten bleiben. Haefelis Interesse an der Politik wurde durch die jüngsten Herausforderungen nicht im Geringsten getrübt.

Doch künftig will er lieber kleine als grosse Brötchen backen. «Ich kann mir vorstellen, bald wieder in einer Kommission mitzuarbeiten», sagt er. Auch eine Kandidatur für den Einwohnerrat bei den Wahlen in vier Jahren möchte Haefeli, der praktisch sein ganzes Leben in Windisch verbracht hat, nicht ausschliessen.