Zum ersten Mal überhaupt und als einziger Mann in einer Gruppe hat Daniel Engler Ende März während dreier Wochen gefastet. Dieses Erlebnis ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, wie er beim zweiten Treffen im Brugger Bioladen Buono begeistert erzählt. Vor ihm liegt das Tagebuch, in dem er in der Fastenzeit 50 Seiten vollgeschrieben hat.

«Ich weiss jetzt schon, dass ich es wieder machen werde», sagt der in Riniken wohnhafte Abteilungsleiter Ereignismanagement bei den SBB. Ob bereits im Herbst oder spätestens im kommenden Frühling lässt er noch offen. Vorstellen kann er sich auch, in diesem Jahr mit regelmässigem Intervallfasten Erfahrung zu sammeln. Bei dieser Methode, die derzeit in aller Munde ist und den Stoffwechsel anregt, nimmt man während bestimmter Zeiten oder eines Tages pro Woche keine feste Nahrung zu sich.

Eigene Gesundheit im Fokus

Während des Fastenkurses mit Begleiterin Maddy Hoppenbrouwers aus Schinznach-Bad hat Daniel Engler 12 Kilo Gewicht verloren, was selbst für einen Bewegungsmenschen viel ist: «Plötzlich passe ich wieder in jede Hose und in jedes Hemd. Beim Gürtel bin ich um das hinterste Loch froh.» Der 59-Jährige weiss, dass er einen Teil des verlorenen Gewichts wieder zunehmen wird. Schliesslich war der Gewichtsverlust für Engler auch nicht die Hauptmotivation für das Gruppenfasten, sondern vielmehr die Lust, etwas Neues auszuprobieren und im Sinne einer präventiven Kur etwas Gutes für die eigene Gesundheit zu tun.

Begleiterin Hoppenbrouwers hat die Kursteilnehmer sorgfältig auf das Fastenbrechen vorbereitet. Der Austausch in der Gruppe sei für alle eine Bereicherung gewesen, erzählt Engler. Von den fünf Frauen habe er in der Schlussrunde erfahren, dass sie froh waren, dass noch ein Mann dabei war, da sie sonst vielleicht nicht durchgehalten hätten. Die Gruppenkonstellation sei so gut und unterstützend gewesen, dass die Teilnehmer spontan beschlossen, sich nochmals zu treffen. Engler sagt von sich, er habe sein Bewusstsein schärfen können und gelernt, dass sich das Fasten bei Männern und Frauen – insbesondere in den Wechseljahren – nicht gleich auswirkt.

Nach dem Kursende und einem Spaziergang am Samstagabend mit seiner Frau war für Engler der Zeitpunkt reif, wieder feste Nahrung zu sich zu nehmen. Er zelebrierte dies richtiggehend, indem er einen Bio-Apfel aus dem Schenkenbergertal in Schnitze schnitt und mit Margeriten-Blütenköpfen zu einem Kreis arrangierte.

Brunnen- statt Hahnenwasser

Tag für Tag wurde die Speisepalette etwas vielfältiger. Jedes Nahrungsmittel führte zu einem völlig neuen Geschmackserlebnis. Dabei machte der gebürtige Bündner etwa die Erfahrung, dass ihm das Trinkwasser vom Dorfbrunnen besser schmeckt als das vom Hausanschluss. Inzwischen hat er auch das Sauerteigbrot, das er so vermisst hatte, wieder genossen. «Noch immer habe ich kein Verlangen nach Süssem und seit Anfang März habe ich keinen Kaffee mehr getrunken. Ein Versuch scheiterte, ich empfand ihn als zu bitter», erzählt Engler. Stattdessen versucht er, weiterhin drei bis vier Liter Flüssigkeit am Tag zu trinken und findet es interessant, neue Tees auszuprobieren. Auch die zwei bis drei Kaffeelöffel voll Flohsamen nimmt er nach wie vor täglich zu sich.

Das Fasten habe bei ihm die Motivation verstärkt, bisherige Alltagsmuster zu hinterfragen und zu ändern. Nicht nur in Bezug auf das Essen, sondern auch auf das Handeln und die Sprachen. Nach dem Motto «Was wäre noch möglich?» könnte ein Rechtshänder auch mal mit der linken Hand die Zähne putzen oder schreiben. Oder man könnte den eigenen Wortschatz mit positiven Begriffen optimieren.

Engler hat sich vorgenommen, sich in den nächsten Monaten bewusst regelmässig dem Grundsatz «Ändere dein Leben und lebe dein Ändern» zu widmen. Das soziale Umfeld spiele dabei ebenfalls eine zentrale Rolle für das eigene Wohlbefinden. Er könnte sich in diesem Zusammenhang sogar vorstellen, eine Männergruppe für einen Gruppenfastenkurs zu organisieren, die von Maddy Hoppenbrouwers fachkundig begleitet würde.