Brugg
Nach 18 Jahren - Rektor Heinz Schlegel verabschiedet sich

Die Reformen an der Berufsfachschule Natur und Technik haben Spuren hinterlassen. Heinz Schlegel kündigt seine Stelle als Rektor und Lehrer für Allgemeinbildung sowie Informatik am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ).

Claudia Meier
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Bei der Abteilung Natur & Technik hat Rektor Heinz Schlegel Allgemeinbildung und Informatik unterrichtet.

Bei der Abteilung Natur & Technik hat Rektor Heinz Schlegel Allgemeinbildung und Informatik unterrichtet.

Sandra Ardizzone

Während Heinz Schlegels 18-jähriger Amtszeit als Rektor wollte der Kanton Aargau die Berufsfachschule Natur & Technik an der Annerstrasse in Brugg dreimal schliessen. Der Kampf für den Berufsschulerhalt – 1999 und 2001 sowie 2015/16 – hat beim gebürtigen Ostschweizer Spuren hinterlassen.

«Das ist mein Kind»

Er kündigte seine Stelle als Rektor und Lehrer für Allgemeinbildung sowie Informatik am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg auf Ende Schuljahr – für viele überraschend. Wenn Schlegel nach den Sommerferien offiziell seinen neuen Rektoren-Posten antritt, hat er es an der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (BBZ) mit einer viermal grösseren Berufsschule als dem BWZ mit 1300 Lernenden zu tun.

Der 53-Jährige freut sich sehr auf die neue Herausforderung. «Ich habe immer gerne gebaut», sagt er trocken. Dann huscht ein Grinsen über sein Gesicht, wie es für Schlegel typisch ist. Er erwähnt beispielsweise als Meilenstein den Bau der Mülimatt-Sporthalle: «Das ist mein Kind.» Jahrzehntelang hatten die Berufsschule und die Bevölkerung von Brugg-Windisch auf die Umsetzung dieses Projekts gewartet. Gekostet hat das Bauwerk 35 Mio. Franken. Das dazugehörende Raumreservationstool hat der Rektor selber konfiguriert und in die Website eingebunden.

Stadtrat wollte Berufsschule opfern

Typisch Schlegel könnte man sagen. Er hatte laufend dafür gesorgt, dass sich die Berufsschule und die Lehrpersonen weiterentwickelten. In seine Amtszeit fallen unter anderem das Einrichten von – schweizweit einzigartigen – Elektrolabors in den Fachzimmern für angehende Netzelektriker und Elektroinstallateure, die ein einfaches Interagieren zwischen Theorie und Praxis ermöglichen. Weiter ist das Umsetzen der Qualitätssicherung sowie die Einführung von freiwilligen Lerntreffs am Samstagmorgen gelungen.

Es sei relativ einfach gewesen, die Situation der Schule zu verbessern, blickt Schlegel auf seine Anfangszeit zurück. Als ihn der damalige Schulvorstandspräsident Andreas Bürgi fragte, was er mit der Schule vorhabe, antwortete Schlegel: «Mein Ziel ist, dass wir infrastrukturmässig mindestens auf das Niveau von Tschechien kommen. Dort habe ich eine Studienwoche verbracht und festgestellt, dass die Schulen bedeutend besser ausgerüstet waren als die Berufsschule Brugg. Ansonsten könnte man hier auch einen Museumswächter anstellen.» Diverse Sanierungsprojekte wurden vor allem aus rechtlichen Gründen von der Trägergemeinde Brugg blockiert.

Erschwerend kamen die Pläne des Kantons dazu, die gewerbliche Berufsschule in Brugg schliessen zu wollen. Das Ansinnen des damaligen Stadtrats, den Berufsschulstandort zu opfern und im Gegenzug die Fachhochschule aufzubauen, war für ihn ein harter Schlag. Die Strategie des Stadtrats konnte Schlegel nachvollziehen, verstand aber nicht, warum die Behörde nie mit der Schule darüber sprach.

Kanton ordnete Fusion an

Nach dem harzigen Start kamen die guten Jahre. Die Schule an der Annerstrasse konnte endlich saniert werden. Den Goodwill der Bevölkerung dazu holte Schlegel im Jahr 2000 mit einem grossen Auftritt der Berufsschule an der Gewerbeausstellung Expo Brugg-Windisch. «Wir überschritten den Baukredit für die Sanierung das Annerschulhaus zwar massiv. Ich würde aber heute nochmals jeden Franken genauso ausgeben», stellt Schlegel unmissverständlich klar.

Auf Geheiss des Kantons erfolgte später der Zusammenschluss der gewerblich-industriellen Abteilungen Technik & Natur mit der KV-Schule zum BWZ Brugg – verteilt auf die beiden Standorte Anner- und Industriestrasse. Die beiden Rektoren lösen sich seither als Gesamtschulleiter alle zwei Jahre ab. Ein gutes Arbeitsklima im Lehrerkollegium und mit den Lernenden war Schlegel immer eine Herzensangelegenheit. Das zeigte sich auch am Gartenfest des Lehrerkollegiums Technik & Natur am vergangenen Montagabend.

Im mit Bussengelder neu aufgewerteten Garten an der Annerstrasse musste Schlegel als eine seiner letzten Amtshandlungen drei langjährige Mitarbeiter verabschieden. Er tat dies mit viel Feingefühl, einer Prise Humor und grosser Wertschätzung. Auch zwischen Schlegel und dem neuen Rektor, Alex Simmen, wurden gut gelaunt nette Worte und Geschenke ausgetauscht. Ein Zuhörer war so gerührt, dass er das Taschentuch zückte und sich die Tränen aus dem Gesicht wischte. Der amtsälteste Lehrer Hermann Leitner zog in seiner Laudatio in den Bereichen Einfühlungsvermögen, Kreativität, Vertrauen und Fairness sowie Bescheidenheit Parallelen zwischen Heinz Schlegel und der Tennislegende Roger Federer.

Schule an Annerstrasse bleibt

Wie sehr die Lehrpersonen Schlegel als Rektor geschätzt haben, bringt sein Arbeitskollege Rolf Haller abseits vom Fest auf den Punkt: «Es gibt keine Berufsschule im Aargau, in der ein so tadelloses Betriebsklima herrscht. Das ist auch Heinz Schlegels Verdienst.» Mit seiner langfristigen Planung, mit weitsichtigen und mutigen Entscheidungen sowie mit entschlossener Umsetzung habe er bewirkt, dass das BWZ heute als eine Vorzeige-Institution für eine erfolgreiche, moderne und nachhaltig wirkende Berufsbildung vom Platz Brugg aus ins Mittelland leuchtet. Der Generalsekretär des kantonalen Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) habe jüngst samt Sektionschefs der Schule einen Besuch abgestattet und sich von der hohen Qualität der Ausbildung überzeugen können. Die Schulschliessung an der Annerstrasse sei danach kein Thema mehr gewesen. Schlegels Führungsstil bezeichnet Rolf Haller als stets fordernd und fördernd zugleich: «Heinz Schlegel forderte von uns Lehrpersonen eine überdurchschnittliche Leistung und ermöglichte uns im Gegenzug kreative Freiräume.»

Seinem Kind – der Sporthalle Mülimatt – will Schlegel übrigens trotz Stellenwechsel nach Zürich weiterhin regelmässig einen Besuch abstatten und sich beim Lehrersport mit seinen ehemaligen Kollegen austoben. «Gell, wir spielen dann auch Uni-Hockey?», fragte er einen Sportlehrer nach der offiziellen Verabschiedung.

Als Ostschweizer im Aargau zu Hause

Heinz Schlegel (53) wuchs in Sargans auf. Er war Oberstufenlehrer in Mels und unterrichtete nebenbei in einem kleinen Pensum an der Berufsschule Buchs SG. Anschliessend absolvierte er die Ausbildung zum Berufsschullehrer (EHB). An der gewerblich-industriellen Berufsschule in Brugg fand er 1994 eine Stelle und hat bis heute die Fächer Allgemeinbildung und Informatik unterrichtet.

Bereits zwei Jahre nach Stellenantritt vertrat er den Rektor, dessen Amt er seit 1998 am heutigen Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) Brugg innehat. Im Zwei-Jahres-Turnus war Schlegel zusätzlich BWZ-Gesamtschulleiter (inklusive KV).

Ab August ist er Vollzeit als neuer Rektor der Baugewerblichen Berufsschule Zürich engagiert – einem der grössten Baukompetenzzentren der Schweiz. Zur Einarbeitung war er seit Jahresbeginn in einem kleinen Pensum in Zürich tätig. Der dreifache Familienvater wohnt in Windisch. (CM)