Schinznach-Dorf

Nach 16 Jahren: Auf einmal ist der Zahnarzt verschwunden – Patienten stehen vor verschlossener Praxis

In dieser Liegenschaft im Zentrum – Eingang seitlich rechts – befand sich die Zahnarztpraxis.

In dieser Liegenschaft im Zentrum – Eingang seitlich rechts – befand sich die Zahnarztpraxis.

In Schinznach-Dorf stehen die Patientinnen und Patienten von einem Tag auf den anderen vor der verschlossenen Praxistüre. Das sagt der Kanton zum Fall.

«Sprechstunde nach Vereinbarung», steht an der Eingangstüre. Nur: Diese ist von einem Tag auf den anderen zu. Ohne Ankündigung hat Zahnarzt B. seine Praxis mitten in Schinznach-Dorf geschlossen und ist – offenbar spurlos – verschwunden. Auch per Telefon ist nichts zu machen. «Diese Nummer ist ungültig», lautet die Nachricht.

Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales (DGS) wurde erstmals im Oktober 2019 auf den Zahnarzt aufmerksam – «dies aufgrund von Anfragen, weil er für Patientinnen und Patienten nicht erreichbar war», bestätigt Rebecca Degiacomi, Leiterin Sektion Bewilligungen und Aufsicht. Angaben zu Aufenthaltsort, aber auch zu Alter, Herkunft oder Ausbildung, kann der Kanton aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes zwar keine machen. Aber so viel: Über eine Bewilligung, um im Aargau seinen Beruf als selbstständiger Zahnarzt ausüben zu dürfen, verfügte B. seit August 2003. Vor Schinznach-Dorf war er von April 2001 bis März 2003 als Zahnarztassistent in einer Praxis in Schöftland tätig.

Räume sind zur Vermietung ausgeschrieben

Auch der Gemeinderat stellte im vergangenen Jahr fest, «dass die Praxis geschlossen und niemand vom Personal mehr anwesend war», sagt Gemeindeammann Urs Leuthard. Eine offizielle Meldung sei aber nicht eingegangen.

Die modernen, hellen Praxisräumlichkeiten im Dorfzen­trum sind derzeit zur Vermietung ausgeschrieben: rund 140 Quadratmeter mit zwei Behandlungszimmern, Labor, Wartezimmer, Büro, Aufenthaltsraum mit Küche sowie WC-Anlagen. Zum Stand der Verhandlungen, oder zu einem möglichen Nachmieter äussert sich das be- auftragte Büro nicht. «Nach Rücksprache mit der Eigentümerschaft werden wir keine Stellung zu diesem Sachverhalt beziehen», heisst es auf Nachfrage.

Dass Zahnärztinnen oder Zahnärzte – Gleiches gilt für Ärzte – untertauchen, komme zum Glück sehr selten vor, sagt Rebecca Degiacomi. Das kantonale Departement Gesundheit und Soziales kläre in einem solchen Fall jeweils die Situation ab, kontaktiere die gesuchte Person – in der Regel auf schriftlichem Weg – und weise diese auf ihre Pflichten hin.

Zur Herausgabe der Akten verpflichtet

Bei einer erwiesenen Berufspflichtverletzung oder fehlender Vertrauenswürdigkeit könne das Departement ein Disziplinarverfahren eröffnen. «Die Disziplinarmassnahmen reichen dabei von einer Verwarnung bis hin zu einem Berufsausübungsverbot oder Entzug der Berufsausübungsbewilligung», führt Rebecca Degiacomi aus. «Eine Praxisräumung», antwortet sie auf die entsprechende Frage, «kommt nur im Extremfall in Betracht.» Eine der Berufspflichten ist die Herausgabe von Krankengeschichten beziehungsweise Patientenakten, sagt Rebecca Degiacomi. Der Kanton habe Zahnarzt B. darüber nachdrücklich in Kenntnis gesetzt und ihm mitgeteilt, dass seine Privatadresse und E-Mail-Adresse an interessierte Patientinnen und Patienten weitergeleitet werden. «Dies ist in der Folge auch geschehen.» Denn: Jede Patientin und jeder Patient habe Anspruch auf die Herausgabe der Akte und könne dies, falls nötig, zivilrechtlich einklagen. Das Departement Gesundheit und Soziales seinerseits sei dazu nicht klageberechtigt und habe keinen Zugriff auf die Akten.

Darüber, ob gegen B. eventuell ein Strafverfahren läuft oder gelaufen ist, gibt die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau keine Auskunft.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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