Die Tage der ehemaligen Stiefelfabrik sind gezählt. Fast 50 Jahre lang fertigte das Traditionsunternehmen Aeschlimann & Co. AG im Produktionsgebäude am Rande von Veltheim Stiefel für den Reitsport, das Militär und die Polizei. Nun liegt ein Baugesuch zum Abriss des Fabrikgebäudes auf. Auf der Bodenplatte des stillgelegten Produktionstrakts sind Abstellplätze geplant.

Mehr als 140 Jahre Geschichte

Dem Erdboden gleichgemacht wird aber nur der grössere hintere Teil des Gebäudes, die Büroräumlichkeiten zur Hauptstrasse hin bleiben erhalten. «Die Firma existiert weiterhin. Deshalb benötigen wir den Bürotrakt», erklärt Jürg Aeschlimann, der das Familienunternehmen bereits in der dritten Generation führt. Ein Teil der Räumlichkeiten ist zudem ans Massagestudio «Body Relax» vermietet.

Die Aeschlimann & Co. AG blickt heute auf eine lange und bewegte Unternehmensgeschichte zurück, die 1872 ihren Lauf nahm. Damals eröffnete der Kavallerie-Hauptmann Albert Hünerwadel-Schilplin, Sohn des Besitzers des Bades Schinznach in Veltheim, einen Produktionsbetrieb für die Herstellung von Damenschuhen und Reitstiefeln. In seiner Blütezeit beschäftigte das Unternehmen bis zu hundert Arbeitskräfte.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb Friedrich Aeschlimann aus Bern die Veltheimer Fabrik. Nachdem die Weltwirtschaftskrise der Dreissigerjahre dem Familienunternehmen einige Startschwierigkeiten bescherte, setzte im Zweiten Weltkrieg eine starke Nachfrage nach Reitstiefeln ein. Auch in den Nachkriegsjahren war der Veltheimer Traditionsbetrieb erfolgreich unterwegs und profitierte von der guten Wirtschaftslage und der erfreulichen Entwicklung des Reitsports.

Rauer Wind bläst entgegen

In den 1960er-Jahren machte sich erstmals der Mangel an ausgebildeten Schuhmachern in der Schweiz bemerkbar. Um die Produktion in Veltheim aufrechtzuerhalten, investierte die Aeschlimann & Co. AG vermehrt in leistungsstarke Maschinen.

Mit dem Eintritt von Jürg Aeschlimann ins Unternehmen entstand 1966 der Fabrikneubau, wo Produktions- und Arbeitsbedingungen stark verbessert wurden. Doch mit jedem Jahr blies der Schuhindustrie ein rauerer Wind entgegen. Seit März 2014 steht die Halle leer und wartet jetzt auf ihren Abriss. Noch steht sie aber als Mahnmal einer einst florierenden Industrie, die viele Spuren in der Gemeinde hinterliess.